Opernblog

 

Die Münchner Staatsoper inszeniert Turandot zusammen mit Carlus Padrissa und seiner katalanischen Theatergruppe ‘La Fura dels Baus’. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist in jeder Hinsicht sehenswert. Da ich bereits den Ring aus Valencia aus dem Palau de les Arts Reina Sofía besitze, war der Termin quasi ein Muss. Man mag die Art von Inszenierung mit wenig Bühnenbild und vielen Menschen oder nicht, ich jedenfalls finde sie spannend.

Etwas viel ist schon los auf der Bühne, als sich das Volk Pekings vor den Mauern versammelt. Die Bühnen ist eine große, mit Schlittschuhen befahrbare Fläche aus künstlichem Eis. Turandot, die Prinzessin aus Eis fordert wieder mal ein neues Opfer. Aus einer überdimensionierten Iris verkündet man, dass es dem Prinzen von Persien nicht gelungen war, die drei Rätselfragen der Prinzessin zu lösen. Zeit also, die 3D-Brille aufzusetzen. Es betritt ein alter Greis in einem orangefarbenen Rollstuhl und dessen Sklavin Liu die Bühne. In dem Gewühl der Menschen erkennt er seinen Sohn. Auf einem großen Holzgestell, gezogen von einer singenden Kinderschar, in weißen Kutten, wird der Prinz von Persien in Richtung des-allen-überwachenden-Auges gezogen. An Seilen schwebt er seinem Schicksal irgendwo im Bühnenhimmel entgegen, während das Volk aufruft, das Henkersbeil mit einem Schleifstein zu schärfen. Beim Anblick Turandots in dem großen Auge verliebt sich der namenlose Prinz in die Prinzessin, obwohl sie den Tod des persischen Prinzen befiehlt. Mit einer großen 3D-Projektion mit viel Kunstblut wird er enthauptet. Der namenlose Prinz ist trotz der Warnungen der Palastgehilfen Ping, Pang und Pong in orange, grau und weiß, bereit die Prüfungen der Turandot anzunehmen.

Im zweiten Akt wabert ein Meer von abgeschlagenen Köpfen, während Ping, Pang und Pong schwebend, ihr Los als Erfüllungsgehilfen der Prinzessin beklagen. Unter einem großen Eisportal-Bogen sammelt sich der Hofstaat des Kaisers, eine Gruppe Schlittschuhfahrerinnen steckt stilisierte Blumen vor dem Kaiser auf. Der Kaiser mit einem goldenen Zepter warnt den namenlosen Prinzen, sein Vorhaben aufzugeben. Turandot erscheint und erklärt den Grund ihrer Grausamkeit. Wieder in einer 3D-Projektion auf das riesige Auge erklärt sie, sie müsse das Verbrechen an ihrer Ahnherrin Lo-u-ling rächen. Was der Ahnherrin zugestoßen ist, sieht man in einer Filmeinspielung. Begleitet von vier ähnlich bekleideten Hofdamen betritt sie einen schwebenden Balkon. Mit jeder Frage senkt sich der Balkon etwas weiter in Richtung des Prinzen. Der kommt bei den drei Fragen ganz schön ins Schwitzen und bemüht Google um die Lösung. Und siehe da, er landet mit dem Einsatz seines Smartphones immer wieder bei den richtigen Treffern. Die Verzweiflung bei Turandot ist nun groß, dass er alles richtig beantwortet hat. Sie fleht ihren Vater an, dass sie nicht die Frau des namenlosen Prinzen werden muss. Nun wendet der namenlose Prinz einen Trick an, in dem er Turandot die Frage nach seinem eignen Namen stellt. Sollte sie bis zum Morgengrauen den Namen richtig erraten habe, werde er sterben.

In ihren hängenden Matratzen-Türmen sucht das Volk nach einer Lösung für das Namensrätsel. Vor ihren PC-Tablets wird wieder fleißig nach den Namen gesucht. Im Hintergrund setzt sich das Straßengewimmel mit Neonreklame fort, man fühlt sich fast an die Straßenszenen in Bladerunner erinnert. In der Not ergreifen die Gehilfen Turandots die Sklavin Liu, die behauptet, den Namen des Prinzen zu kennen. Man unterzieht sie der grausamen Bambusfolter, bei dem sie den Namen nun preisgeben soll. Liu sagt, sie gibt sich aus Liebe für den Prinzen hin. Das macht Turandot nun nachdenklich. Doch der Bambus wächst gnadenlos durch Liu durch und sie stirbt schließlich, ohne ihr Geheimnis preisgegeben zu haben. Aufgespießt in einem Bambusstrahl und ganz in Grün endet Turandot und damit die Komposition durch Puccini, der sein Werk unvollendet hinterließ.

Die Auflösung wurde durch Alfano komponiert und ist orchestral überladen und passt eigentlich nicht mehr zum Rest der Oper, daher empfinde ich die Aufführung als Fragment nicht störend. Das Rascheln der 3D-Brillen in der Schlussszene, in der Liu stirbt, ist schon eher störend. Es wird aber in der Oper alles geboten, was moderne Bühnentechnik derzeit hergibt. Das ist im ersten Akt schon fast am Rande des Überladenen, da man die ganzen Details der vielen Leute, die da auf der Bühne sind, nicht mehr überblickt. Dennoch war es eine der interessantesten Opern, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Jennifer Wilson als Turandot ist sehr gut, sie leistet bei den Spitzentönen wirklich sehr gute Arbeit. Auch ihre Gegenspielerin Ekaterina Scherbachenko ist ein wunderbar lyrischer Sopran. Die Verlegung der Oper in die Zukunft und nicht irgendwo in der Vergangenheit ist ebenfalls nicht störend. Die Bild-Ästhetik ist gewaltig und er Einsatz der Artisten von Fura dels Baus ist interessant. Über Marco Berti hat die Presse viel geschrieben, mir war vor allem das ‘Nessun Dorma’ etwas zu leise. Nur streckenweise war er als Prinz überzeugend.

Für mich war es Oper im Maximalformat und ich finde es schade, dass von der Aufführung bisher keine DVD geplant ist. Die Aufführung sieht man sich gerne mehrfach an und würde gut zum Ring in meinem Regal passen.

Quelle: Bayerische Staatsoper/A trailer by Verena Maria Kalenda und Christine Rautschka (Film production: Große Klappe)

Quelle YouTube: Bayerische Staatsoper

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