Opernblog

Tag: "singin' in the rain"

Die leichte Muse hat wieder mal das Opernhaus Nürnberg geküsst und bringt die Musical-Adaption des Films ‚Singin‘ in the Rain‘. Melissa King führt mit leichter Hand Regie und bringt mit wenigen Filmrequisiten echtes Hollywood-Flair ins Opernhaus. So werden immer wieder sechs große Plastikpalmen über die Bühne geschoben, eine übergroße Scheinwerferattrappe, Schminkspiegel oder Regiestühle. Die Einführung des Tonfilms in Hollywood scheint die Branche damals sehr getroffen zu haben, so handelt auch dieses Musical vom Umbruch, der damals stattgefunden hat. Im Gegensatz zu Sunset-Boulevard, nimmt hier alles eine gute Wendung, es gibt keine Toten und am Ende kriegen sich die beiden Hauptdarsteller.
Zu Anfang sieht man den Auftrieb zu einer Filmpremiere einer der letzten großen Stummfilme des Traumpaars Don Lockwood und Lina Lamont. Der Reporterin erzählt Don Lockwood von seinen ersten Auftritten als Stepptänzer und man sieht ein Kinderdouble, wo er und sein bester Freund die erste Nummer tanzen. In einer Art Überblendung tanzen dann Cosmo Brown und er im karierten Anzug eine Stepptanz-Geigennummer. Schon jetzt darf aber seine blonde Partnerin Lina nicht ans Mikrofon, man zieht sie immer wieder weg. Man sieht eine Filmeinspielung des Historienstreifens, der soeben gezeigt wurde. Dieser wurde im Hirsvogelsaal gedreht und zeigt neben beeindruckenden Fechtszenen, fränkisch, historisches Fachwerk. Lina entwickelt sich im Lauf der Handlung zu einer echten Giftspritze und hat, neben den blonden Locken, relativ wenig zu bieten. Gerade ihre schrille Stimme versucht man dort, schon zu verheimlichen. Anschließend soll eine große Filmparty steigen, zu der Don aber keine rechte Lust hat. Er schickt seinen Freund Cosmo als Double ins Auto und vertritt sich selbst an einem Boulevard die Beine. Dort wird er von den Verehrerinnen gleich als Star erkannt, er setzt sich aber zu einer Unbekannten und gibt vor, ihr Freund zu sein. Diese Frau ist von den Annäherungsversuchen nicht begeistert und ruft die Polizei. Aber auch die erkennt den Star und lässt Don gewähren. Die Verehrerinnen ist er aber durch die Finte losgeworden. Die Unbekannte gibt sich als Kathy Selden zu erkennen. Sie währe Schauspielerin und hat für die Filmkunst eigentlich nichts übrig. Sie träumt von einer Karriere am Broadway. Dann kehren aber die Verehrerinnen zurück und bedrängen Don erneut. Er flieht schließlich mit einem zerrissenen linken Arm auf die After-Film-Party. Dort zeigt der Studioboss einen Kurzfilm, in dem er die Möglichkeiten des Tonfilms aufzeigt. Die Stars von damals halten den Tonfilm aber für eine Modeerscheinung und sind wenig angetan. Die Party geht dennoch weiter und aus dem Hintergrund wird eine große Torte geschoben. Aus dieser springt nun Kathy im knappen Kostüm. Es folgt eine tolle Stepptanz-Nummer von Kathy und ihren Kolleginnen. Mit den Worten: Ich wusste nicht, dass sie in einer Torte wohnt, macht sich Don über die Nebeneinkünfte von Kathy lustig. Dies ärgert Kathy so, dass sie eine Torte nach Don wirft, die Lina im Gesicht landet. Mit dieser Attacke sind Lina und Kathy nun Feinde und Lina lässt keine Gelegenheit aus, ihrer Rivalin eines auszuwischen. So erfährt Don nun an einem Drehset zu einem Film über die Französische Revolution, dass sie gegen Kathy intrigiert hat und diese aus der Tänzertruppe werfen ließ. Während eines Stummfilmdrehs scheinen solche Unterhaltungen möglich gewesen zu sein. Trotz eines innigen Kusses hasst nun Don Lina dafür und beschließt Kathy zu suchen. Er findet sie auch wieder und gesteht ihr seine Liebe. Nachdem nun Warner mit dem Film Jazzsinger einen durchschlagenden Erfolg hatte, was historisch auch so richtig ist, beschließt der Filmboss, dass das Historiendrama über die Französische Revolution als Tonfilm gedreht worden soll. Als echter Filmer kennt man die Tücken, mit denen die Regie nun zu kämpfen hat. Da ist zum einen Linas schrille Stimme, ihr Talent, nie ins Mikro zu sprechen, Nebengeräusche zu erzeugen. Die Tonregie ist mit den Nerven am Ende am Drehset. Gerade dieses Hadern mit der neuen Technik ist, umwerfen komisch, so hört man Herzklopfen, raschelnde Fächer und sonstige Aussetzer. Nach diesem Debakel also beschließt man, allen Schauspielern Phonetikunterricht zu geben, um die Aussprache zu verbessern. Die Sprachübungen sind Zungenbrecher zuerst in Deutsch, dann aber auch in Englisch. Die Testvorführung des Films ist aber ein Desaster. Der Ton ist schrecklich, nicht synchron zum Bild und Linas Stimme gibt den Rest. Schließlich kommt Cosmo auf die rettende Idee Kathy für Lina sprechen und singen zu lassen. Der Film wird also nach vertont, man sieht immer die Filmeinspielungen mit quäkendem Lina-Ton und später mit Kathys Stimme. Der Film wird schließlich zu einem Musical umfunktioniert. Und weil man auch eine Stepptanznummer drin haben will, schließlich komplett umgeworfen. Von der Aussicht, dass der Film mit diesem Schachzug dennoch ein Erfolg werden wird und dass Don und Kathy ein Paar werden könnten, kommt der große Hit des Musicals. Dabei lassen es die Bühnenarbeiter auf der Bühne mit einer echten Gießkanne regnen. Mit diesem Ohrwurm wird man in die Pause entlassen.
Nach der Pause intrigiert Lina nun weiter und versucht nun Kathy und Don auseinanderzubringen. Ihre beste Freundin hat ihr zugetragen, dass das Tortengirl nun ihre Synchronstimme ist. Die Chancen von Lina, einen Skandal zu verhindern, sinken aber. In einer total schiefen Gesangsnummer beweist Sophie Berner echtes Gesangstalentversagen. Alle Achtung, so schief muss man das erst mal hinbekommen. Schließlich wird der Film mit der Synchronstimme von Kathy ein großer Erfolg. Bei der Premiere will das Publikum aber nun auch Lina zuerst sprechen hören und dann auch noch singen. Man zwingt nun Kathy hinter die Bühne, für Lina zu singen. Schließlich ziehen Don und Cosmo den Vorhang auf und man sieht Kathy. Dann drängt auch Cosmo ans Mikro und brüskiert Lina vollständig. Kathy nimmt Reißaus, wird aber im Rampenlicht noch aufgehalten und von Don als wahre Stimme von Lina präsentiert. Mit einem Filmkuss endet das Musical. Es folgt zum Schluss noch einmal eine Tanznummer mit gelben Regenmänteln zum Hit des Musicals.
Was will man zu einem Paket an purer Lebensfreude und Stepptanznummern anderes sagen als: gut gemacht. Das Orchester klingt nicht zu geschliffen und bringt die Musicalnummern sehr jazzig. Es erklingt das Singin‘ in the rain gleich dreifach, gute Laune Nummern wie ‚Good Morning‘, 'Make 'em Laugh' und viele andere Evergreens von Herb Brown. Die Filmeinspielungen geben dem Stück die nötige Authentizität und wurden mit Filtern nachbearbeitet, sodass man ganz das Gefühl hat, in die Zeit versetzt zu sein. Gerade diese Szenen, in denen die ersten Ansätze des Tonfilms an den technischen Unzulänglichkeiten und den Anfängerfehlern scheitern, sind umwerfend komisch. Eine echte Liebesgeschichte bringt die nötige Portion Herz-Schmerz ins Stück. Dass Cosmo bei dem Spiel immer als Gehilfe von Don, am Ende doch leer ausgeht, nimmt man hin. Die Kostüme sind toll im Stil der 20er Jahre und sehr farbenfroh. Kein Wunder, dass diesmal das Opernhaus voll besetzt war.

Quelle: YouTube | Staatstheater Nürnberg

Von • Gallerien: Kultur, Musical • Tags: singin' in the rain