Opernblog

 

My fair lady aaf fränngisch

08.06.14 22:59

Wie das ist, wenn man das berlinerisch in der Deutschen Übersetzung durch hiesiges Fränkisch ersetzt wird, kann man derzeit im Nürnberger Opernhaus erleben. Volker Heißmann und Martin Rassau spielen mit und bringen das Musical richtig in Schwung. Volker Heißmann spielt Alfred P. Doolittle, Elizas Vater und Martin Rassau die vornehme Mrs. Higgins, Professor Higgins Mutter.

In den Hallen von Covent Garden trifft Phonetiker Higgins auf Eliza Doolittle, die hier in den Hallen versucht ‘Veicherla’ zu verkaufen. Von ihrem starken Fränkisch angewidert, kommt er aber auf die Idee, dass sie einen besseren Stand hätte, wenn sie vornehmes Englisch sprechen würde. Sie könnte einen Blumenladen leiten. Higgins trifft auch seinen Kollegen für indische Dialekte Pickering. Spontan lädt Higgins Pickering ein, bei ihm zu übernachten. Higgins wirft Eliza ein paar Schilling vor die Füße. Hierauf träumt Eliza von Kohln und warme Füas. Ihr Vater Alfred P. Doolittle säuft sich mit seinen Kumpanen an den Mülltonnen am Blumenmarkt zu. Eliza sorgt mit ihren spärlichen Einkünften für ihren Vater. Der scheint sein ‘Stickla Glick’ schon gefunden zu haben. Die Mülltonnen werden zu Musikinstrumenten umfunktioniert und mit Besen und Mülltonnen wird in einer Einlage in Form einer Steelband musiziert.
Am nächsten Morgen taucht Eliza in der Bibliothek von Higgins auf. Sie ist von der Idee fasziniert, gutes Englisch zu lernen und ihr Fränkisch abzulegen. Pickering und Higgins wetten darum, dass es ihm gelingen wird, aus Eliza in sechs Monaten zur vornehmen Dame zu machen. Pickering beschließt, die Kosten der Ausbildung zu übernehmen. Jetzt muss Eliza Tag und Nacht Phonetik-Übungen machen. Ihr Vater hat davon Wind bekommen, dass die Tochter nun bei Higgins übernachtet, und will seinen Vorteil davon ziehen. Für fünf Pfund verkauft Elizas Vater seine Tochter an Higgins. Er empfiehlt ihn aber als Moralist dem Millionär Wallingford. Eliza erkennt schon am Geruch, dass ihr Vater in der Bibliothek ist. Nach vielen Wiederholungen gelingt Eliza aber endlich, den Satz: Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen richtig auszusprechen. Als Zwischenetappe zum Ball beschließt Higgins, seine Schülerin in Ascot in die vornehme Gesellschaft seiner Mutter einzuführen. Da sie beim Sprachunterricht nur zum Thema Gesundheit und Wetter gekommen sind, befiehlt er Eliza sich auf diese beiden Themen zu beschränken. Ja und in diesem Moment versagte leider kurzzeitig die Bühnentechnik und es kam zu einer Zwangspause. Wie meinte Mrs. Doolittle, man möchte im Boden versinken, wenn man es denn könnte. Nach der Panne hat die feine englische Gesellschaft hat ganz in Rot, Blau und Weiß auf den Tribünen Platz genommen, vor einer großen englischen Fahne. Eliza bleibt natürlich nicht bei den Themen, sondern erzählt von ihrer Tante, die erst erkrankt ist und dann umgebracht wurde. Bei dem Pferderennen verliert sie dann endgültig ihre Konversationsform und ruft dem Pferd zu ‘laaf, sonst bloass i dia Pfeffa in den Oasch’. Ihr Ausfall beschert ihr aber einen Verehrer, Freddy aus besseren Kreisen. Er schreibt ihr Briefe und schickt ihr Blumen. Schließlich lernt Eliza weiter Umgangsformen für den Botschaftsball im Buckingham Palace. Ganz in Rosa muss Eliza nun beweisen, was sie gelernt hat.
Im zweiten Akt feiern sich Higgins und Pickering, dass sie die feine Gesellschaft mit dem Auftritt von Eliza blenden konnten. Sie bekommt Wind davon, dass sie nur Objekt einer Wette ist, und schleudert entsprechend wutentbrannt die Hauspantoffeln nach Higgins. Eliza beschließt nun zu gehen, erfragt aber noch, was sie mitnehmen kann. Sie legt den Schmuck ab und gibt Higgins einen Ring zurück. Sie verlässt Higgins schließlich. Elizas Vater ist inzwischen auf Higgins Empfehlung aus dem ersten Akt zu Geld gekommen durch den Millionär Wallingford. Elizas Vater heiratet die Stiefmutter und feiert im feinen Frack seinen letzten Abend mit seinen Kumpanen. Liegend wird Alfred P. Doolittle nun auf den Körpern seiner Kumpane zum Altar gerollt. Higgins und Pickering beschließen Eliza durch die Polizei suchen zu lassen und verstehen ihr Verschwinden nicht. Eliza ist inzwischen zu Higgins Mutter gegangen und sucht dort um Rat an. Auch Higgins geht zu seiner Mutter und ist überrascht, dort Eliza zu finden. Eliza beschließt, selbst Sprachunterricht zu geben und Freddy zu heiraten. Higgins erkennt nun, wie sehr er sich in Eliza verliebt hat. Eliza kehrt schließlich zu Higgins zurück. Das Ende ist offen, sie gehen aufeinander zu, ohne sich richtig zu küssen.

Die Portierung des Musicals in Fränkisch ist ein voller Erfolg. Mit der fränkischen Mundart tut sich vor allem Eliza etwas schwer, während Volker Heißmann als Elizas Vater den besten Franken rauskehren darf. Martin Rassau in der Rolle der vornehmen Mutter ist ebenfalls sehr lustig, da er, wie er selbst sagt, Hochdeutsch lernen musste für die Rolle. So einen leichten fränkischen Akzent meint man dann doch bei Frau Higgins durchzuhören, was sehr charmant rüberkommt. Während die fränkischen Einlagen in der Fledermaus noch etwas fremd wirkten, kommt hier das Stück wie aus einem Guss.

Quelle: Staatstheater Nürnberg

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