Opernblog

 

Das Opernhaus Nürnberg lädt zum Träumen ein und hat in dieser Spielzeit die Märchenoper Hänsel und Gretel ins Repertoire aufgenommen. Die Neuinszenierung von Andreas Baesler lässt den Besenbinder mit seiner Frau in einem Gründerzeitwohnzimmer leben. Umgesetzt wurden die märchenhaften Erlebnisse von Hänsel und Gretel als Traum der Kinder zur Weihnachtszeit. Das ist insofern passend, als die Oper an einem 23. Dezember 1893 ihre Uraufführung in Weimar hatte und in dieser Gründerzeitvilla ein Tannenbaum steht.

Aber dem Besenbinder und seiner Frau geht es nicht gut. Schon in der Ouvertüre tritt der Pfandleiher auf und pfändet Bilder und Inventar aus dem Haushalt. So muss zum Beispiel Gertrud ihre Perlenkette abgeben. Auffällig ist hier schon ein streng dreinblickendes Hausmädchen, das hinkend über die Bühne eilt. Die Kinder spielen in einem Doppelstockbett mit ihren Puppen, einem Bärchen im Matrosenanzug und einer Mädchenpuppe. Sie vertreiben sich so die Zeit, statt Besen zu binden oder Socken zu stricken. Der Hunger ist bei den Kindern groß, aber sie entdecken eine Suppenschüssel voller Milch und Rahm, den die Mutter zu Grießbrei kochen will. Sie vergreifen sich aber an dem Abendessen. Müde und erschöpft kehrt nun ihre Mutter heim. Voller Zorn über die Faulheit ihrer Kinder greift sie zum roten Rohrstock. Dabei stößt sie die Schüssel mit der Milch um. Statt die Kinder nun in den Wald zum Beerenlesen zu schicken, jagt die Mutter die Kinder in die Betten zum Schlafen. So kommt nun angetrunken der Vater des Hauses mit einer Schnapsflasche nach Hause. Ihm waren im Nachbardorf gute Geschäfte gelungen. Er bringt einen Korb mit Lebensmitteln mit, über den die Mutter außer sich vor Freude ist. Als die Mutter sagt, die Kinder seinen an den Ilsenstein, ist der Vater besorgt. Er erzählt von der bösen Hexe, die dort wohnt, wobei die Kinder auf einer Decke platz nehmen, aus ihren Betten kommen und ihm zuhören. Der Vater zündet auch eine Laterna magica an, worauf zum nun folgenden Hexenritt, Besen reitende Hexen an die Wände projiziert werden. Die Eltern eilen in den Wald, um die Kinder zu retten. Die Kinder sind nun allein in dem spukhaften Wohnzimmer, es pfeift der Wind durch das Zimmer und Hänsel ruft auf durch das Fenster 'Wer da?'. Der Tannenbaum muss nun den Wald darstellen, in dem sich die Kinder verlaufen haben. Hänsel findet den Weg nicht mehr nach Hause. Gretel hat nun immer mehr Angst, während Hänsel ihr immer versucht ihre Fantasien zu erklären. Selbst der Kuckuck ruft aus einer beleuchteten Kuckucksuhr an der Seite. Aus dem Bett erscheint nun als Clown das Sandmännchen, etwas hölzern und in Begleitung ihrer beiden, nun durch Kinder dargestellten Puppen. Das Sandmännchen streut glitzerndes Konfetti und die Kinder werden müde. Vor dem Abendsegen werden sie von ihren Spielzeugen mit einem dünnen, weißen Tuch zugedeckt. Diesmal erscheinen wirklich die 14 besungenen Engel ganz in Weiß, aus verschiedenen Epochen der letzten Jahrhunderte. Diese stellen sich im Halbkreis um die Kinder. Am Ende enthüllt einer der Engel ein kleines Lebkuchenhaus.

Beim dritten Akt am Knusperhäuschen fliegt nun wieder die projizierte Hexe über die Bühne. Es erscheint an der Bühnendecke das Taumännchen, das von den Puppenspielzeugen über den Bühnenhimmel gezogen wird. Auch das Taumännchen verstreut dabei glitzerndes Konfetti. Die Kinder entdecken das Lebkuchenhaus und meinen, es müssen wohl die Engel gebracht haben. Die Seitenwände der Wohnung stehen nun offen und auf der Bühne stehen sechs Tannenbäume. Auch der Kamin aus der Gründerzeitwohnung steht auf der Bühne. Während die Kinder nun am Lebkuchenhaus naschen, erscheint das Stubenmädchen wieder aus dem Eingangsakt. Man hatte sich es fast gedacht, dass das in Wahrheit die Hexe Rosina Leckermaul ist, die in dem Kamin die Kinder zu Lebkuchen backt. Mit einem roten Bewegungszauber hindert sie Hänsel und Gretel an der Flucht und sperrt Hänsel nun im Doppelbett ein. Die Hexe singt mit einem gruseligen Halleffekt und reitet auf dem Besen quer über die Bühne. Ein Double fliegt sogar im Intermezzo beim Hexenritt auf einem Besen im Hintergrund davon. Gretel hat sich aber die Worte für den Bewegungszauber gemerkt und befreit und Hänsel von dem Zauber. Der Aufforderung der Hexe, den Ofen zu kontrollieren, kommt Gretel nun nicht nach. Sie stellt sich bewusst dumm und bittet die Hexe, ihr zu zeigen, wie man das macht. Die Hexe macht das nun bereitwillig vor und wird von Gretel nun in den Kamin gestoßen. Die Kinder freuen sich über den Coup. Einen Augenblick später knallt es aus dem Kamin. Die Hexe ist tot und es erscheint ein Chor Lebkuchenkinder mit einem Lebkuchenherz. Diese sind noch blind und erst eine Berührung durch Gretel öffnet ihnen die Augen. Am Ende sind die Kinder wieder in der Gründerzeitvilla bei ihren Eltern. Die Hexe ist tot und nur noch ein Haufen Asche, die das Kindermädchen aus dem Kamin kehrt.

Die Inszenierung ist wirklich traumhaft und wird dem Stück gerecht. Die Verlegung der Handlung als Traum in die Gründerzeit ist ein schöner Einfall. Jochen Kupfer als Besenbinder ist eine gute Wahl. Aber auch Hänsel (Silvia de La Muela) und Gretel (Michaela Maria Mayer) waren an diesem Abend ganz hervorragend. Das Orchester der Staatsphilharmonie Nürnberg unter der Leitung von Guido Johannes Rumstadt verleiht dem Stück den wagnerischen Klangrausch, den es braucht. Ein schöner Opernabend in der Vorweihnachtszeit, der einen Besuch lohnt. Nicht zuletzt durch die geschmückten Tannenbäume auf der Bühne kommt eine vorweihnachtliche Stimmung auf.

Quelle: Youtube Staatstheater Nürnberg

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