Opernblog

Tag: "fast normal"

Wer noch Karten hat für das Musical Next To Normal-Fast Normal hat, sollte diesen Beitrag besser nicht lesen und sich die Spannung nicht nehmen lassen. Allen anderen, die unbedingt weiterlesen wollen und sich die Überraschungen in dem Musical nehmen wollen, oder keine Karten mehr bekommen haben, dürfen weiterlesen.
Diana scheint das lebt scheinbar das Leben einer normalen Frau. Ihr Mann Dan, ihre Tochter Natalie und ihr Sohn Gabe scheinen das Bild einer perfekten Familie zu geben. Schon in den ersten Szenen merkt man, dass irgendwas nicht stimmt. Der Vater scheint den Sohn Gabe komplett zu ignorieren. Die Tochter macht gerade ihre Abschlussprüfungen, nimmt Klavierstunden und übt Mozart. Ihr Freund Henry nimmt dagegen alles auf die lockere Schulter, raucht Gras und ist dem Jazz nicht abgeneigt. Den normalen Haushalt bewältigt Diana bis zum Umfallen, packt Brote für die Zwischenmahlzeiten der Familie. Erst als sie diese am Küchenboden zubereitet, merkt ihr Mann, dass wieder einmal was nicht stimmt mit seiner Frau. Seine Frau leidet seit 16 Jahren an einer bipolaren Störung. Dagegen nimmt sie Tabletten, die ihr Dr. Fine mit österreichischem Dialekt verordnet. Übergroß tanzen die Tabletten auf der Bühne. Dr. Fine ordnet immer wieder neue Kombinationen der Medikamente an. Sie geht immer wieder zu dem Arzt und schildert die Nebenwirkungen seiner Therapie, bis sie der Meinung ist, nichts mehr zu spüren. An dem Punkt erklärt der Arzt seine Behandlung für erfolgreich. Dann wird ihr das Schlucken der Tabletten zu viel. Sie sehnt sich nach den Höhen und Tiefen des Lebens und sie leert die Pillen-Dosen in einen Eimer und schüttet sie in die Toilette. Mit den Worten, ihr Haus hätte jetzt die glücklichste Toilette in der Stadt, geht sie wieder ihrer Hausarbeit nach, ist übermäßig aktiv, bis ihr Mann drauf kommt, dass sie ihre Medikamente wieder nicht nimmt. Dies fällt allen auf, als sie eine Torte für ihren Sohn Gabe zubereitet und dessen Geburtstag feiern will. Ihre Tochter und ihr Mann sind entsetzt. Ihr Mann schickt sie zum Arzt Dr. Madden. Den Doktor Madden hält sie zeitweise in ihren Fantasien für einen Rockstar. Dort unterzieht sie sich einer Psychotherapie, wobei raus kommt, dass Ihr Sohn Gabe gar nicht mehr lebt. Dies erreicht er durch eine Hypnose, an die Diana zuerst nicht glauben will. Der Arzt meinte, es wäre wohl Zeit sich von ihrem Sohn zu verabschieden. Schließlich packt sie eine Kiste zusammen und beschließt das Zimmer ihres Sohns zu räumen. In einer Traumszene tanzt sie einen Walzer mit ihrem Sohn Gabe. In Wirklichkeit hat sie sich die Pulsadern aufgeschnitten. Die Krankheit sitzt bei Diana scheinbar tief. Man beschließt, das letzte Mittel anzuwenden und eine Elektrokrampftherapie anzusetzen. Nach Langem hin und her, willigt ihr Mann Dan schließlich ein.
Im zweiten Akt stürzt sich die Tochter immer weiter in die Drogensucht. Sie vergreift sich am Medikamentenschrank ihrer Mutter und putscht sich mit deren Medikamenten auf. Ihre Mutter steht derweil im Krankenhaus 14 Tage lang wortwörtlich unter Strom. Nach fünf Tagen Party und einer Disko nach der anderen, bricht sie zusammen und wird von ihrem Freund Henry heimgebracht. Ihre Mutter kommt nun von der Elektrokrampftherapie zurück und hat dort als Nebenwirkung einen totalen Gedächtnisverlust erlitten. In fieser Weise versucht nun ihr Mann Dan, die Vergangenheit zu verändern. In einer Biographiekiste mit Bildern, versucht er ihrem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen. Er präsentiert ihr nur schöne Erinnerungen, die Probleme versucht er damit zuzudecken. Nur ihre Tochter hilft nach und zeigt auch Bilder von unschönen Erlebnissen. Dann kommt das Gedächtnis so nach und nach zurück. Die Erinnerung an ihren Sohn Gabe fehlen aber. Auf der Suche nach diesem Stück Erinnerung geht sie wieder zu Dr. Madden. Der gibt einen ersten Hinweis auf ihren Sohn und meinte, sie solle mit ihrem Mann reden. Sie findet dann Zuhause eine Spieldose, die die Erinnerung an den Sohn wieder herstellt. Diese zertrümmert Dan am Boden. Dan erzählt nun, dass der Sohn viel geschrien hätte und die Ärzte die Ursache seines Schreiens nicht deuten konnten. Gabe starb mit dem Alter von 8 Monaten an einem Darmverschluss. Dies war der Dreh und Angelpunkt, an dem die Krankheit von Diana begonnen hat. Diana geht nun wieder zu Dr. Madden, sagt, dass sie wieder ihren Sohn sehe. Dieser ordnet weitere Therapien an, die sich nun Diana verweigert. Diana hilft nun ihrer Tochter noch zum Ball, verlässt dann aber ihren Mann und geht zu ihren Eltern. Dan geht immer wieder zu Dr. Madden und fragt nach seiner Frau, ist aber dann auch zu einer Therapie bereit. Schließlich ist auch ihr Mann so weit, dass er seinen toten Sohn sieht und seinen Namen nennt: Gabriel. Die Tochter und ihr Vater sind dann allein. Auch die Tochter zweifelt an ihrem Verstand und erzählt nun ihrem Freund vom Schicksal ihrer Mutter. Am Ende steht ein Ausblick auf Besserung, aber es gibt kein Happy End.
Am Ende steht ein fast 10-minütiger Applaus. Die Besetzung des Stücks ist mit Pia Douwes als Diana, Thomas Borchert als Dan und Sabrina Weckerlin als Natalie wirklich hochkarätig. Titus Hoffmann übersetzte das Stück und inszeniert treffend. Pia Douwes gelingt es, die Höhen und Tiefen von Diana feinfühlig auszuloten, ohne in den Kitsch abzugleiten. Auch Thomas Borchert als Dan ist in seiner ‚Alles-wird-gut‘-Manier umwerfend gut. Sabrina Weckerlin als Natalie gelingt es geschickt, die vernachlässigte, ungeliebte Tochter zu spielen. Die Musik kommt mit einem kleinen Sechsmannorchester aus, die bisweilen etwas E-Gitarrenlastig und rockig aufspielen. Mit dem Kniff, Gabriels Tod erst weit im zweiten Akt aufzuklären, gelingt es, die Spannung aufrechtzuerhalten, das ist hier deutlich besser gelöst, als in der Vorlage. Dass Gabriel als Untoter auftritt hat, etwas von der Spannung in Sixth Sense. Man braucht etwas, um zu verstehen, warum sein Vater ihn am Anfang so permanent ignoriert. Die deutsche Erstaufführung dieses Stück war sicher ein großer Coup des Stadttheaters und die Besetzung ebenfalls. Die Karten für diesen Abend besaßen wir schon seit fast einem Jahr und das Warten hat sich gelohnt. Der Stoff ist neuartig und wird gekonnt in Szene gesetzt. Allen, die noch Karten bekommen haben, einen Glückwunsch: es lohnt sich wirklich.

Nachtrag: Die CD-Aufnahme ist nun auch verfügbar zum Beispiel hier.

Quelle: MERCUTIOmedia

Bericht in der Abendschau des BR

Fokus Fürth - Das Broadway-Musical: Next to normal

Von • Gallerien: Kultur, Musical • Tags: fast normal