Opernblog

 

Don Giovanni von Statue zertreten

31.03.10 23:48

Don Giovanni

Don Giovanni ist ohne Zweifel, eine der großen Opern von Mozart. Dieses Drama über den Wüstling, der sich über alle Konventionen hinwegsetzt, wurde von Helmut Polixa und dem Opernhaus Halle fast ganz ohne Bühnenkulissen dargebracht. Die Sänger stehen dabei vor dem Orchester und haben, bis auf hier und da mal ein Bild oder einen Vorhang, nichts, hinter dem man sich verstecken kann. Dies stellt an die schauspielerische Leistung hohe Anforderungen, da alles ohne viel Dekoration erklärt werden muss. Ein Metergroßes Gemälde geht gleich am Anfang beim Auftritt Don Giovannis zu Bruch und kann als Dekoration nicht mehr dienen. Die Szene im dunklen Garten, bei dem Don Giovanni den Mord am Komtur begeht, verlangt viel Akrobat von den Sängern und man wundert sich, wie gut das Singen klappt. Man bemerkt auch, dass jeder Sänger in einer Farbe bekleidet ist. Don Ottavio ist ganz in Grün, Donna Anna ganz in Blau, Don Giovanni Grau, sein Diener Leporello Lila. Don Giovanni ersticht den Komtur und kann unerkannt entfliehen. Don Ottavio, der Verlobte Donna Annas schwört Rache. Donna Elvira tritt ganz in Rot auf, mit einem roten Herzen, das sie vor sich herträgt. Das Herz blinkt zu ihrer Arie rot. Sie sucht Don Giovanni, wird aber von ihm rechtzeitig erkannt. Don Giovanni entkommt, indem er Leporello nach vorne schiebt. Dieser versucht Donna Elvira die Augen zu öffnen, in dem er in einer sehr lustigen Szene, ein meterlanges Protokoll mit allen seinen Liebschaften entrollt und dabei aufzählt, wie viel Frauen er in den verschiedenen Ländern hatte, allein in Spanien 1003! Respekt. Dass die Liste entsprechend lang ist und bis zum Bühnenrand reicht, ist ein gelungener Gag. Eine bäuerliche Hochzeit mit Masetto und Zerlina erscheint. Don Giovanni versucht mit einem wunderschönen ‘La ci darem la mano’ Zerlina zu verführen. Donna Elvira versucht ihm die Tour zu vermasseln, wird von ihm aber als irre hingestellt. Donna Anna erkennt den Mörder ihres Vaters und Don Ottavio beschließt ihn zu beobachten. Don Giovanni lädt Masetto und Zerlina in seinen Palast ein. Don Ottavio, Donna Anna und Donna Elvira beschließen, sich in den Palast als maskierte Ballgäste einzuschmuggeln. Leporello lädt die drei Maskierten ein. Auf dem Ball, bei dem alle Damen fast gleiche Kostüme mit weißen Perücken tragen, tanzen die Maskierten und versuchen während des Tanzes Don Giovanni zu stellen. Der versucht derzeit Zerlina zu verführen. Aus dem Hintergrund widersetzt sich die dessen Versuchen. In einer Finte, versucht er wieder Leporello vorzuschieben. Don Giovanni flieht also von dem Ball. Im 2. Akt muss Leporello schon wieder für Don Giovanni einspringen und Elvira ablenken. Durch die getauschte Garderobe gelingt dies. Don Giovanni singt eine Serenade, wobei er die Mandoline locker neben sich hinstellt. Das Orchesterdouble erledigt seine Aufgabe und er kann sich ganz auf seine Angebetete konzentrieren. Don Giovanni wird aber von Masetto und seinen Freunden gestellt. Don Giovanni als Leporello verprügelt Masetto, der aber ganz lieb von seiner Zerlina, die immer noch im Hochzeitgewand umherläuft, getröstet wird. Donna Anna ist sich inzwischen sicher, dass Don Giovanni der Mörder ihres Vaters ist und gibt Don Ottavio eine Pistole in die Hand, dass er Don Giovanni beseitige. Dann kommt es zu der entscheidenden Szene, als Don Giovanni die Marmorstatue des Komtur zum Abendessen einlädt. Die Statue wird durch einen übergroßen Fuß symbolisiert, der von der Bühnendecke schwebt. Der Komtur nimmt seine Einladung zum Essen an, zum Entsetzen von Leporello. Donna Elvira versucht mit vielen roten Plastik-Rosen, Don Giovanni einen letzten Beweis ihrer Liebe zu geben. Sie trifft dabei auf ein goldenes und ein schwarzes Double von Don Giovanni. Elvira geht ab und trifft im Abgehen auf dem Komtur, der im blauen Bademantel und mit grauen Socken seine Arie singt. Der Komtur ist also tatsächlich zum Abendessen erschienen, will aber nichts von den Speisen bei Don Giovanni und lädt ihn im Gegenzug wieder ein. Don Giovanni schlägt ein und merkt erst, wie kalt die Hand des Komtur ist. Der Komtur fordert von Don Giovanni, sein Leben zu bereuen, dieser lehnt aber ab. Don Giovanni verschwindet unter dem riesigen Fuß von der Decke in einem Loch in der Bühnenmitte. Er wird von dem gigantischen Fuß regelrecht zerquetscht. In der Schlussarie tritt Don Giovanni wieder auf und läuft quasi als Geist zwischen den übrigen Personen hin und her.

Alles in allem, war das ein schöner Abend in der Oper. Durch die eingeblendeten Übertitel kam viel von dem Witz in dem Libretto an. Die Sänger waren gut in Form, das Orchester ebenfalls. Für einige Verwirrung sorgte jedenfalls ein schwarzes und ein goldenes Body-Double von Don Giovanni. In allen Prügelszenen durfte ein schwarzes Double Don Giovannis die Prügel beziehen.

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