Opernblog

Tag: "carmen"

Carmen - Ein Besuch in Dresden

08.05.16 23:33
Carmen - Ein Besuch in Dresden

Die Inszenierung von Axel Köhler der Oper Carmen von Georges Bizet in Dresden ist gekonnt umgesetzt. Das Bühnenbild ist wandlungsfähig genug, um die vier Akte gekonnt darzustellen. Es besteht aus zwei großen Zylinderhälften, die gegeneinander verschoben werden können. Der Zylinder ist innen rot und kann da auch prima als Taverne des Lillas Pastia dienen.

Zu Beginn der Aufführung sieht man drei Gauner auf der Bühne, die Drogen verschieben. Sie klopfen auf den Souffleurkasten und lassen sich ein paar Päckchen mit weißem Pulver reichen. Es folgt eine Ouvertüre ohne szenische Umsetzung. Man befindet sich im ersten Akt auf einem Platz in Sevilla vor dem Speicher der Zigarettenfabrik. Eine lebhafte Truppe von Melonen-, Wasser- und Blumenhändler hat sich eingefunden, um die Wachablösung vor der Fabrik beizuwohnen. Diese werden alle mit Metalldetektoren auf Waffen überprüft. Das Militär selbst hat martialische Uniformen in Grau/Schwarz an. Micaëla tritt auf und fragt nach Don José, dem sie Grüße seiner Mutter überbringen will. Don José ist aber nicht in der Wache. Es tritt ein großer Kinderchor mit einer einstudierten Choreografie auf. Es folgt die Wachablösung. Der Zylinder geht auf und man sieht Zigarettenrauchschwaden. Dann ertönt die Pausenglocke der Zigarettenfabrik und die Arbeiterinnen haben sich alle wie in einem Harem um eine große Zigarettenschachtel aus Pappe gruppiert. Auf den Kartons der Zigarettenschachtel sieht man die Umrisse einer Frau aufgemalt. Alle Frauen sind gleich angezogen mit kurzen Arbeiterinnenkitteln, nur Carmen sticht mit ihrem Leopardenoutfit heraus. Sehr impulsiv wirft sie die Kartons ein und darf dann die berühmte Habanera singen. Am Ende wirft sie Don José eine rote Blüte zu, die dieser etwas irritiert auffängt. Es tritt noch einmal Micaëla auf und überbringt Don José einen Kuss der Mutter. Zwischen den zwei Frauen hin und her gerissen, scheint er sich zuerst für Micaëla zu entscheiden. Das ändert sich aber in dem Moment, wo eine Messerstecherei in der Fabrik einsetzt. Man beauftragt Don José, die Übeltäterin zu finden und es ist natürlich Carmen. Zuerst sieht der Offizier vor, Carmen verhaften zu lassen. Don José kettet Carmen mit Handschellen an sich. Nun überredet Carmen ihn, er solle sich fallen lassen und ihr so die Flucht ermöglichen. Eine wunderbare Nacht in der Taverne von Lilas Pastia wäre die Belohnung. Schließlich erliegt Don José Carmens Charme und lässt sie entkommen.

Im zweiten Akt befinden wir uns in der Kneipe von Lilas Pastia. Der Zylinder ist wieder offen und man sieht die roten Innenwände. Von oben hängt eine große Blechlampe über einem großen, runden Tisch. In den Zylinderwänden sind nun drei Klappen eingelassen, aus denen drei Tänzerinnen kommen, darunter auch Carmen. Sie geben eine kokette Tanzeinlage auf dem Tisch. Don José wurde mit einem Monat Haft bestraft, dafür, dass er Carmen entkommen ließ. Er soll aber in der Nacht wieder freikommen. Es tritt der Stierkämpfer Escamillo auf, der singt von seinen Stierkämpfen und in Strapse bekleidete Frauen, stellen die Stiere da. Dennoch verliebt sich der Womanizer sofort in Carmen. Carmen weißt den Annäherungsversuch zunächst zurück. Sie überlegt stattdessen, wie sie Don José zum Schmuggeln in die Berge überreden könne. Sie versucht es zunächst mit einem Tanz. Da ertönt der Zapfenstreich und Don José sollte eigentlich zurück in die Kaserne. Es kommt der Offizier herein und zieht Don José auf. Er meint zu Carmen, warum sich mit dem Soldaten begnügen, wenn man den Offizier haben kann. Darauf hin bekommt Don José einen Eifersuchtsanfall und fesselt den Offizier mit den Schmugglern mit Paketklebeband. Der Rückweg in die Kaserne ist damit nicht mehr möglich und Carmen hat ihr Ziel erreicht, dass er Schmuggler im Gebirge wird.

Im dritten Akt dienen die Zylinderhälften als Bergmassiv. Links ist ein halbrunder Steg aufgebaut. Vorn rechts ist ein umgekipptes Auto, dessen Unterseite mit einer Matte versehen ist. Die Schmuggler arbeiten mit Leitern und Stirnlampen im halbdunklen. Carmen hat sich inzwischen von Don José abgewendet. Sie legt für sich die Karten, die ihr aber nur Unheil und den Tod verheißen. Es folgt eine nette Choreografie der Schmuggler. Erneut tritt Micaëla auf und versteckt sich im Auto, als Escamillo erscheint. Der Torero ist auf der Suche nach Carmen und erkennt in Don José zunächst nicht seinen Rivalen. Es kommt zur Auseinandersetzung und Carmen schreitet ein und verhindert den Angriff von Don José. Schließlich kommt Micaëla aus dem Auto und sagt, dass seine Don Josés Mutter im Sterben liegt und sie ihm alles verzeiht. Don José ist bewegt und geht in Richtung seiner Mutter, prophezeit Carmen aber ein Wiedersehen in Sevilla.

Im vierten Akt kommt es vor der Stierkampfarena zur Katastrophe. Die Zylinder sind halb ineinander verschoben und bilden so eine Arena. Nun erlebt man einen bunten, farbenfrohen Aufmarsch der Toreros und aller ihrer Helfer in der Arena. Die rosafarbenen Strümpfe der Toreros sind echt der Hingucker. Carmen ignoriert die Warnungen, dass der eifersüchtige Don José aufgetaucht sei. Schließlich entdeckt sie ihn aber. Er hat einen blauen Strauß Blumen für Carmen dabei. Sie hat aber für ihn nur noch Spott übrig. Die Situation eskaliert, als sie ihm den Ring vor die Füße wirft und meint: Stich mich doch nieder oder lass mich vorbei! Dann sticht Don José zu. Am Ende der Inszenierung ist er allein mit der sterbenden Carmen auf der Bühne.

Elena Maximova als blonde Carmen ist in der Aufführung sicher ein Hingucker. Die Rolle der Micaëla habe ich bisher nie so richtig wahrgenommen, aber Heidi Stober sang diese Partie eindrucksvoll. Daniel Johansson als Don José war ebenfalls gut besetzt. Im Orchestergraben lieferte Giuliano Carella einen schönen Sound. Dennoch muss ich gestehen, dass Carmen nicht zu meinen Favoriten unter den Opern zählt. Dieses spanisch angehauchte Kolorit in der Musik mit den Kastagnetten in Kombination mit der hohen Hitdichte ist nicht so mein Fall. Es war zudem der zweite Bizet in der Woche und die Perlenfischer liegen mir da mehr. Ein Besuch lohnt sich dennoch, schon allein wegen der üppigen Semperoper und der guten Inszenierung.

Quelle: YouTube | Semperoper Dresden

Rundgang durch die Semperoper Dresden

Von • Gallerien: Kultur, Oper • Tags: carmen
Carmen - Der Tod lauert überall

Carmen wird in der Neuinszenierung in Nürnberg vom Süden Spaniens nach Mexiko versetzt. Der Ort heißt nicht mehr Sevilla, sondern vielleicht Ciudad Juárez. In der Nähe einer Grenze zu den USA steht eine Fabrik, in der an der Nähe eine Wache steht. Eine junge Frau namens Michaela erkundigt sich nach José. Sie hätte einen Brief seiner Mutter. Der Offizier sagt, dass José erst mit der nächsten Wachablösung kommt. Auf der anderen Seite der Absperrung läuft ein veritabler Rottweiler Wache. Das bunte Treiben vor der Mittagspause kumuliert in einer Müllschlacht zwischen den Soldaten und den Straßenjungen. Die Damen aus der Fabrik haben Pause und kommen rauchend und lärmend aus der Zigarrenfabrik. In blauen Waschzubern befreit sich Carmen vom Staub der Arbeit. Carmen stimmt ihre Habanera an und schafft es alle Männer außer José zu fesseln. Provozierend wirft sie ihm eine Blume ins Gesicht. Danach verschwinden Sie wieder in der Fabrik. Etwas später kommt es zu einem Streit in der Fabrik. Carmen hat eine ihrer Kolleginnen mit dem Messer verletzt. Die raufenden Frauen sind nur schwer auseinander zu bringen. José fesselt Carmen an das Absperrgitter. Nun beginnt Carmen gezielt José zu umgarnen. Er solle sich von ihr in den Staub stoßen lassen, den Rest würde sie schon erledigen. Man träfe sich in Lila Pastias Kneipe wieder. Er erliegt schließlich ihrem Plan und Carmen entkommt. Lilas Pastias Kneipe sieht aus wie ein Biergarten mexikanischer Prägung. Es betritt der Stierkämpfer Escamillo die Szene. Auf seinem schwarzen Kostüm ist ein Skelett aus silbernen Pailletten genäht. Von vorn sieht das noch einigermaßen passabel aus, aber die Beckenknochen auf der Rückseite wirken schon sehr albern. Escamillo singt sein ‘Toreador’ und verschwindet wieder. Es folgen ihm Schmuggler. Die Frauen sollen den Schmugglern mit ihren Verführungskünsten die Zöllner vom Hals halten. Mit einer kleinen Choreografie heitern sie die Szene auf. José muss wegen der Freilassung der Carmen eine einmonatige Strafe absitzen, die just an diesem Abend zu Ende ist. Die Blume, die ihm Carmen zugeworfen hat, hat in seiner Gefangenschaft geduftet. Mit ihren Verführungskünsten versucht sie José rum zu bekommen. Als der Zapfenstreich erklingt, will José aber aufbrechen. Carmen ist enttäuscht. Sie verwickelt ihn in eine Diskussion um die wahre Liebe und sagt, wenn er sie wirklich lieben würde, würde er mit ihr in die Berge gehen. Man sieht im Hintergrund wieder den Tod lauern. Der Offizier kommt rein und ist rasend eifersüchtig auf José. José hat nun keine Wahl mehr, als sich den Schmugglern anzuschließen. Die Berge sind in dieser Inszenierung der Zaun zwischen den USA und Mexiko. Durch ein Loch im Zaun, der wieder von dem Rottweiler bewacht wird, treiben die Schmuggler ihr Unwesen. Das Lagerfeuer ist ein brennendes Ölfass. Dort legen Carmens Freundinnen die Karten. Während die Karten bei den Freundinnen Reichtum voraussagen, ist es für Carmen immer nur der Tod. José muss das Schmugglerlager bewachen. Er feuert auf den sich nahenden Escamillo, ohne ihn zu treffen. Escamillo hat auch die Leidenschaft zu Carmen hierher getrieben. Es kommt zu einem Messergefecht zwischen Escamillo und José. Den Schmugglern gelingt es nur mit Mühe, die beiden zu trennen. Zum Dank lädt Escamillo alle nach Sevilla zum Stierkampf ein. Wieder lauert der Tod über der Absperrung. Auch im letzten Akt hat sich der Tod unter die Besucher des Stierkampfes gemischt. Dem Stierkampf zugewandt, singen alle Akteure mit dem Rücken zum Publikum. José lauert Carmen auf. Am Ende sind José und Carmen allein auf der leeren Bühne. José versucht verzweifelt Carmen noch einmal umzustimmen und von Escamillo ab zu lassen. Bei Carmen hält aber keine Liebe länger als sechs Monate. Carmen wirft José den Ring vor die Füße. Statt mit dem Messer, bringt José Carmen mit lautstarken Schüssen um. Tödlich getroffen sinkt diese am Zaun zusammen.
Wegen der zurückhaltenden, leidlich, modernisierten Inszenierung, wird diese mexikanische Carmen sicher ein Publikumserfolg. Nicht umsonst gehört dieser Opern Hit zu den meistgespielten Opern der Welt. Die häufige Herbeizitierung des Todes in Form eines kostümierten Skelettes nervt etwas und ist nichts für schreckhafte Zeitgenossen mit Opernglas. Etwas zu krachig kommt das Orchester bisweilen daher. Anna Lapkovskaja war in unserer Inszenierung die Carmen und sie macht ihre Sache sehr gut.

Quelle: Staatstheater Nürnberg



Von • Gallerien: Kultur, Oper • Tags: carmen