Opernblog

Archiv für: "Juli 2016"

Orfeo ed Euridice - Eine Rarität

Manchmal kommt einen der Zufall zu Hilfe und man darf nach 247 Jahren die Orpheus und Eurydike-Version für einen Soprankastraten erleben. Countertenor Valer Sabadus sang hier am Markgrafentheater unter der Leitung von Michael Hofstetter und dem Vocalforum und Orchester namens recreationBarock die Titelrolle. Gesungen wurde in Italienisch mit deutschen Übertiteln. Man spielte eine 80-minütige Fassung der Oper. Die szenische Umsetzung übernahm das Kabinetttheater Wien. Geschickt wurden hier die Sänger teilweise in den Bühnenkasten mit einbezogen. Leider sind die Figuren aus dem zweiten Rang etwas klein, sodass man mit einem Opernglas besser dran gewesen wäre. Das ein oder andere Detail im Bühnenbild ist mir dadurch vielleicht entgangen. Dennoch steht das Musikfestival Styriarte in Graz für eine Größe der alten Musik, den verstorbenen Dirigenten Nikolaus Harnoncourt und man muss vor allem die musikalische Qualität der Aufführung loben. Valer Sabadus ist als Orpheus eine hörenswerte Sensation. Gluck versuchte mit dieser Reformoper einen Neuansatz in der Musik. Die handelnden Personen sollen fühlende Wesen sein und nicht nur flache Charaktere, die sich in Vokalakrobatik ergießen. Die Geschichte von Orpheus wurde auf Wunsch von Maria Theresia mit einem Happy End versehen.

Zu Beginn sieht man im linken Guckkasten einen Grabhügel und eine Hand, die Sand schaufelt. Den Tod von Eurydike hat Orpheus nicht verwunden. Etwas später sieht man in einem Schattenspiel, wie er nach einem Rotweinglas greift. In endloser Mühe versucht ein Sisyphos, einen Stein einen Hügel hochzuschieben. Es werden im Mittelteil der Bühne Trauerbriefe geschrieben. Doch Orpheus will den Verlust nicht hinnehmen. Aus einem Kirchenmodell entspringt ein kleiner Amor. Dieser meinte, Zeus hätte ein Einsehen und wenn es Orpheus gelänge, die wilden Furien am Eingang der Unterwelt milde zu stimmen. Zudem müsste er seine Frau aus dem Hades heraus führen, ohne diese anzusehen. Zerberus wird als Teufel mit einem Drachen dargestellt und die Furien sind weiße Masken, die sich zur Musik bewegen. Der grüne Drache funkelt mit gelben Augen, lässt aber dann Orpheus passieren. Es folgt ein Bild vom Elysium in einem goldenen Rahmen. Man sieht eine grüne Landschaft, einen Regenbogen und Zebras, Schafe, Tiger und Löwe friedlich vereint. In der Zwischenmusik des „Reigens seliger Geister“ sucht Orpheus seine Frau. Von den Klängen seiner Leier wird sie schließlich angelockt und durch eine Felsenschlucht heraus aus der Unterwelt geführt. Im mittleren Bühnenkasten spielen dabei die Puppen und links und rechts singen die Sänger. Aber es kommt, wie es kommen muss. Eurydike stellt die Frage, warum Orpheus sie nicht ansehen würde, und meinte, sie würde lieber sterben, als so ignoriert zu werden. Schließlich kann Orpheus nicht anders und dreht sich um. Da sieht man, wie Eurydike in eine Puppe verwandelt im linken Bühnenkasten erstirbt. Das nun folgende „Che farò senza Euridice“ ist wirklich der größte Hit aus der Oper und wird von Valer Sabadus wunderbar verziert. Nie klingt er an der Stelle an der Oberkante, was die Stimme hergibt. Erneut beklagt er sein Leid und will sich umbringen. Da hat der Amor ein Einsehen und vereint die Liebenden. Am Ende sieht man eine Prozession von Bischöfen, die Amor als Heiligen verehren.

Am Ende gab es lang anhaltenden Applaus für diese Opernaufführung im schönen Markgrafentheater in Erlangen. Gerade dieser Raum ist mit dem kleinen Orchester, dem Chor und den wunderbaren Solisten gut beschallt. Das war wirklich ein Highlight, den Orpheus in dieser Fassung erleben zu dürfen. Aber auch Tatjana Miyus als Eurydike und Tanja Vogrin als Amor wurden mit viel Applaus bedacht. Einen Eindruck vom Hit der Oper vermittelt dieses YouTube-Video. Zu hören ist Valer Sabadus:

Quelle: YouTube | galahadlancerot

Von • Gallerien: Kultur, Oper • Tags: Orfeo ed Euridice
Cats in Oberfranken

Wer das Musical Cats von Andrew Lloyd Webber derzeit sehen will, muss auf die Luisenfestspiele nach Wunsiedel fahren. Basierend “Old Possums`s Book of Practical Cats” von T.S. Elliot kann man die Geschichte der Jellicle-Cats in einem Steinbruch erleben. Hardy Rudolz hat den Spielort von einer Müllkippe in der Nähe von London in den Steinbruch verlagert. Das ist in Ordnung so weit, und dass er selbst in seiner eigenen Inszenierung als Kater Bustopher Jones auf der Bühne steht, ist bemerkenswert. Man hat zudem eine Rahmenhandlung feiernder Jugendlicher eingebaut, die zu Beginn auf dem Steinbruch einfallen. Mit gelben Bierkästen im Schlepptau verscheuchen sie zuerst die Katzen, nehmen aber zurück und hören den Katzengeschichten zu. Eigentlich ist das Ganze eine Nummernshow, in der Katzencharaktere vorgestellt werden. Es geht darum, eine Katze aus der Schar auszuwählen, die am Jellicle-Ball wiedergeboren werden soll. Die Besetzungsliste ist lang und von der Katzenschar wird einiges an tänzerischem Können abverlangt. Zu Beginn des Balls sprechen die Katzen synchron über die drei Namen, die jede Katze hat. Einen Namen für den Hausgebrauch, einen zweiten einmaligen Namen und einen geheimen Dritten. Es folgt eine lose Folge von Katzenvorstellungen und Gesangseinlagen. Nehmen wir nur einige Charaktere heraus. Da ist Jenny Fleckenreich, die Gumbie-Katze, die den ganzen Tag sitzt und nachts die Mäuse jagt. In einem Barockkostüm umhüllt von einem orangenfarbenen Mantel, mimt sie mal die träge, mal die gewitzte Katze. Dann platzt der Rum-Tum-Tugger rein, eine aufgedrehte Rock n‘ Roll-Katze, die sich am Kran weit ins Publikum schwenken lässt und allen am Kopf rumtanzt. Und dann schleicht Grizabella über die Bühne, einst eine Glamour-Katze mit Pailletten-Kleid mit Glitzerschuhen, die von einem grauen Mantel bedeckt werden. Mit ihr will niemand recht zu tun haben, denn sie zog einst hinaus, die Welt zu entdecken. Dann folgt Bustopher Jones, eine Dandy-Katze mit weißen Gamaschen. Er ist den Leckereien der Pubs nicht abgeneigt und kugelrund, macht aber der Gumbie-Katze schöne Augen. Dann wird das erste Mal von Macavity, dem Bösewicht erzählt. Man hört Polizeisirenen, Macavity ist auf der Flucht. Aus der Luke kommen jetzt zwei Regionalkatzen: Mungojerrie und Rumpleteazer. Mit unüberhörbaren oberfränkischem Akzent und in einem angedeuteten Trachtenlook in Blau, mischen die zwei jede Wohnung auf. Auch im Original haben die beiden Katzen einen Cockney-Akzent. So geht die Ming-Vase zu Bruch und an einem Seil werden Mäuse über die Bühne gezogen. Nun kommt mit viel Würde die Oberkatze zum Ball, Old Deuteronomy (Martin Sommerlatte) hat schon viele Katzenleben hinter sich, eine große Gefolgschaft. Er nimmt auf einem Sessel rechts Platz und wird die Katze auserwählen, die wiedergeboren werden soll. Eine Stimme hat der Anführer, die sofort zu beeindrucken weiß. Der Anführer ist nun eingetroffen und er Ball kann beginnen. Nach dem Ball kommt Grizabella wieder und singt den Song „Erinnerung“, wobei ein Teil des Liedes von der jungen, weißen Katze gesungen wird. Dann geht es ohne Pause weiter. Es erzählt der Theaterkater Gus von seinem größten Erfolg, dem Growltiger. Blitzartig verwandelt sich die Bühne in ein ostasiatisches Piratensetting mit Dschunke. Aus dem müden Gus wird wieder der Held, der seine Geliebte Griddlebone vor den Siamesen retten muss. Aber er meint, früher wäre das Theater besser gewesen. Nun erscheint Skimbleshanks, die Eisenbahnkatze. Mit einem blauen Zug mit vier Waggons wird eine Eisenbahn improvisiert. Erinnerungen kommen an Jim Knopf den Lokomotivführer auf. Bis schließlich Macavity mit roter Irokesen-Frisur und Schottenrock Old Deuteronomy entführt. Mr. Mistoffelees wird nun engagiert, der Old Deuteronomy mit einer großen Feuershow wieder herbeizaubern soll. Aus einem großen Rohr kommt er schließlich aus einer Nebelschwade. Nun muss die Katze gewählt werden, die wieder geboren wird. Grizabella erscheint nun wieder und singt den zweiten Teil von „Erinnerung“. Nun wählt er doch diese Katze aus, die wiedergeboren werden darf. Grizabella steigt über die Leitern zum oberen Ende der Bühne auf. Begleitet von drei Feuer Sprühern erklimmt sie auf die Leiter das Jenseits. Abschließend gibt Old Deuteronomy noch eine Rede darüber, wie man eine Katze ansprechen soll. Am Ende sind auch die Jugendlichen vom Anfang begeistert, dass sie etwas über Katzen erfahren durften.

Etwas irritiert war ich in der Vorstellung dadurch, dass es keine Pause gab, sondern das Stück in einem Zug durchgespielt wird. Die Naturbühne der Luisenburg kommt als Steinbruch sehr gut zur Geltung und bei der Abendvorstellung tut die Abendsonne der Bühne guten Dienst. Man hat die Luisenburg 2010-2013 saniert, sodass man auch als Zuschauer eventuelle Regengüsse nicht mehr fürchten muss. In meiner Serie Musicals hatte ich bisher um Cats immer einen Bogen gemacht. Das Musical hatte mir zu wenig Handlung, war mir von den Nummern her nicht eingängig genug und zu jazzig. Dennoch sollte man diesen Erfolg von Andrew Lloyd Webber einmal live gesehen haben. Die Choreografie und Tanzszenen verlangen den Darstellern viel sängerische Kondition ab. Dabei immer wieder zu singen und sich als Chor über die Bühne zu bewegen, ist schon sehenswert. Was hier an Kostümzauber und aufwendiger Schminke fehlt, wird hier durch die Naturbühne und bezaubernde Einfälle ausgeglichen. Ich werde durch die Vorstellung sicher nicht zum Fan dieses Musicals, aber gesehen haben sollte man diesen Bühnenerfolg schon.

Von • Gallerien: Kultur, Musical • Tags: cats