{"id":1085,"date":"2026-03-27T22:54:25","date_gmt":"2026-03-27T21:54:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.stephan-grysczyk.de\/wordpress\/?p=1085"},"modified":"2026-04-04T23:17:57","modified_gmt":"2026-04-04T21:17:57","slug":"la-finta-giardiniera-im-rausch-der-pilze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stephan-grysczyk.de\/wordpress\/2026\/03\/27\/la-finta-giardiniera-im-rausch-der-pilze\/","title":{"rendered":"La finta giardiniera &#8211; Im Rausch der Pilze"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"577\" src=\"https:\/\/www.stephan-grysczyk.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_20260325_213109-1024x577.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1086\" srcset=\"https:\/\/www.stephan-grysczyk.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_20260325_213109-1024x577.jpg 1024w, https:\/\/www.stephan-grysczyk.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_20260325_213109-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.stephan-grysczyk.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_20260325_213109-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.stephan-grysczyk.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_20260325_213109-1536x865.jpg 1536w, https:\/\/www.stephan-grysczyk.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_20260325_213109-2048x1153.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Brigitte Fassbaender inszeniert am Staatstheater N\u00fcrnberg die \u201efinta giardiniera\u201c von Wolfgang Amadeus Mozart in einer \u00e4u\u00dferst witzigen Form. Sie bezeichnete das St\u00fcck in einem Interview als ein Jugendmonsterwerk, was es in ungek\u00fcrzter Fassung zweifellos ist. Das Original erstreckt sich auf 3 Cds \u00fcber 3. Akte und 4h, da sage noch einer, nur Wagneropern sind lange. Das will man in N\u00fcrnberg dem Publikum nicht zumuten und hat das Werk intelligent gestrafft. Mit 2 \u00bd Stunden inklusive Pause ist man hier dabei. In der Vorbesprechung meinte Brigitte Fassbaender, dass der Stoff heutzutage nur noch schwer darstellbar ist, da er mit einem quasi Femizit an der Hauptperson beginnt. Belfiore hatte seine Geliebte Violante vermeintlich get\u00f6tet und ist geflohen. In der Folge der Oper finden die beiden aber wieder zueinander, was f\u00fcr die Regisseurin schwer erkl\u00e4rbar ist. Zudem ist die Handlung wunderbar verworren und ebenfalls in der Einf\u00fchrung fiel der Satz, dass in Mozart Opern immer darum geht: wer liebt wen, warum und vor allem wie lange. Schon allein diese heikle Vorgeschichte auf die B\u00fchne zu bringen ist eine Leistung und dann noch im zweiten Teil eine logische Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Verliebtheit zu liefern, ist einfach gro\u00dfartig gel\u00f6st. Neben den sieben Hauptpersonen gibt es noch ein \u00e4lteres Ehepaar in dem Gem\u00fcsegarten des B\u00fcrgermeisters Don Anchise. Die beiden Personen \u00e4hneln sehr dem Ehepaar auf dem \u00d6lgem\u00e4lde \u201eAmerican Gothic\u201c von Grant Wood.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Oper startet also mit einem Kreuz auf der B\u00fchne und einem Kranz. Man betrauert den vermeintlichen Tod der Marchesa Violante Onesti durch einen Dolch. Im Hintergrund ist die Trauergemeinde versammelt, die den Tod betrauert. Violante sollte sp\u00e4ter als Sandrina auftauchen. Die Handlung ausf\u00fchrlich zu erkl\u00e4ren, w\u00fcrde den Blog hier sprengen. Es ist aber eine klassische Kom\u00f6die, in dem sich drei Paare finden aus den drei Gesellschaftsschichten. Allein der B\u00fcrgermeister und st\u00e4ndig am Handy telefonierende Onkel bleibt alleine, die Liebe zu Violante, die sich als G\u00e4rtnerin Sandrina ausgibt, bleibt unerwidert. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als die Oper beginnt, sitzen die Personen in einer Art Stuhlkreis. Violante hatte geh\u00f6rt, dass sich ihr vermeintlicher M\u00f6rder Belfiore in der N\u00e4he des Gartens aufh\u00e4lt. W\u00e4hrend des ganzen St\u00fccks klettert eine gro\u00dfe spanische Wegschnecke links im ersten Teil die Wand hoch und im zweiten Teil rechts runter. Man hat also mit Sch\u00e4dlingen zu k\u00e4mpfen, die man mit einem Spr\u00fchkanister bek\u00e4mpfen muss. Das scheint den \u00fcbergro\u00dfen Karotten auf der B\u00fchne sichtlich zu bekommen. Es klingelt ein Handy, der Schrecken f\u00e4hrt einem ins Genick, nein es ist nur das Handy von Don Anchise und ist Teil der Inszenierung. In dem Garten wird Gem\u00fcse geputzt. Mit einer Schubkarre werden verschieden Fl\u00f6ten und Geigen auf die B\u00fchne gefahren. Aus einem Marmorblock wird ger\u00e4uschvoll ein Gartenzwerg gemeiselt. Es w\u00e4chst der Spargel von der Decke, jetzt in dem Moment, wo Graf Belfiore Arminda mit einer \u00fcbergro\u00dfen gelben Sonnenblume macht er eine Aufwartung. Der f\u00e4hrt hupend vor dem Garten vor. Aber Arminda l\u00e4sst keinen Zweifel aufkommen, dass sie eifers\u00fcchtig ist. Der scharfe Sopran von Caroline Ottocan, da nimmt man sich lieber in Acht. Schon alleine, was in den vielen Gep\u00e4ckst\u00fccken ist, die sie mit den Schubkarren anbringen l\u00e4sst. L\u00e4ssig mit Sonnenbrille meint Belfiore die Situation im Griff zu haben. Arminda macht mit einem Selfiestick und Blitz Erinnerungsfotos, auf die sich auch Don Anchise dr\u00e4ngt, als Fotobomber. Zu den Erdbeeren im Bild gesellen sich stilisierte gro\u00dfe Bohnen aus dem B\u00fchnenhimmel. Die Gerbera wird in die Vase platziert. Jetzt vermasselt Violante ihm aber die Tour mit Arminda, da Belfiore und Violante sich pl\u00f6tzlich erkennen. Sehr sch\u00f6n seufzen in dem Moment die Geigen, das st\u00fcrzt die Gesellschaft in ein Chaos, das der telefonierende Don Anchise versucht am Souffleurkasten zu l\u00f6sen. Dann erscheint die Handpuppe eines Maulwurfs und h\u00e4ngt ihm scheinbar auch noch am Bein. Arminda ist jetzt richtig w\u00fctend und wirft dem Belfiore die Blume vor die F\u00fc\u00dfe. Sie zieht einen Revolver und droht Belfiore umzubringen. Der Revolver produziert aber nur eine kleine Flamme, an der sich Arminda eine Zigarette anz\u00fcndet. Belfiore versucht Arminda mit einer Mannerkeks-Packung zu bes\u00e4nftigen. Das Gep\u00e4ck wird von dem stummen Ehepaar mit der Schubkarre abtransportiert. Im Chaos endet der erste Akt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der Pause sieht man die Akte zwei und drei in einem Akt zusammengefasst. Es gibt einen Haftbefehl aus Mailand gegen Belfiore, wegen eines Gewaltverbrechens. Mit einem gro\u00dfen \u201eWanted\u201c Plakat, wird der Dolchm\u00f6rder gesucht. Violante wird in dem Moment f\u00e4lschlicherweise als Violetta bezeichnet und seufzt ein &#8222;\u00c8 strano&#8220; aus Verdis Traviata. Sie ist im Hochzeitskleid und barfu\u00df, gibt aber zu verstehen, dass die vermeintliche Tote noch lebt. Jetzt bekommt die Oper durch den Einsatz psilocybinhaltige Pilze auf der B\u00fchne eine sehr komische Wendung, da sich Belfiore in einer Nachtszene im Garten pl\u00f6tzlich schockverliebt zeigen. Die \u00fcbrigen Personen sind an Seilen verbunden ebenfalls auf der B\u00fchne. Ramiro bringt mit einem leuchten Pilz Aufkl\u00e4rung in das Dunkel im Garten und die Personen erkennen sich gegenseitig. Violante und Belfiore geraten in einen verr\u00fcckten Geisteszustand und behaupten von sich, Merkur bzw. Medusa und Erminia zu sein. Die Regisseurin konnte das nur mit der Magie der Pilze erkl\u00e4ren. Chlo\u00eb Morgan als Violante albert unglaublich auf der B\u00fchne im Vollrausch der Pilze, singt Phrasen aus der Zauberfl\u00f6te als K\u00f6nigin der Nacht. Sie l\u00e4sst die Hauptpersonen alle an den Pilzen kauen.  Am Ende \u00fcbergibt sich Violante nach dem Rausch zu einem &#8222;L\u00e0 ci darem la mano&#8220; aus dem Don Giovanni. Sie wachen aber in einer sch\u00f6nen Umgebung auf, die Pilze werden mit einer gro\u00dfen Schere nun restlos beseitigt. Ramiro findet schlie\u00dflich zu Arminda, obwohl sie immer wieder beteuert, dass er nicht ihr Typ ist. Unter den Tr\u00e4nen einer gro\u00dfen Zwiebel auf der B\u00fchne bereut Belfiore seinen \u00dcbergriff. In der Schlussszene w\u00e4chst ein gro\u00dfer, symboltr\u00e4chtiger Spargel, der aber brutal von Violante mit der Schere gekappt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Regisseurin muss man alle Achtung zollen, was sie aus diesem wirren, eigentlich unspielbaren St\u00fcck entwickelt hat. In der Form ist einem auch dieses Jugendwerk von Mozart zug\u00e4nglich, dass in der Salvator-Oper nach drei Auff\u00fchrungen eingestellt worden ist. Man erkennt die Genialit\u00e4t schon und hat die Oper clever gek\u00fcrzt. Jeder der sieben Charaktere hat noch seine einzelne Arie und das Ganze f\u00fcgt sich sehr organisch zusammen. Die vielen Gags gerade in der zweiten H\u00e4lfte retten \u00fcber die L\u00e4ngen einer Mozartoper. Mit einem jungen, sehr spielfreudigen Team ist man am Start und hat an diesem Mittwoch auch junges Publikum angezogen, was bei einem unbekannten, selten gespielten Werk eher die Ausnahme ist. Christopher Schumann bringt die Anspielungen an andere B\u00fchnenwerke \u00fcberraschend, ausreichend lange ins Werk ein, ohne dass es platt wirkt. Respekt also f\u00fcr Brigitte Fassbaender in diesem Fall, das ging wunderbar auf. Am Ende gibt sogar die Handpuppe des Maulwurfs Applaus.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brigitte Fassbaender inszeniert am Staatstheater N\u00fcrnberg die \u201efinta giardiniera\u201c von Wolfgang Amadeus Mozart in einer \u00e4u\u00dferst witzigen Form. Sie bezeichnete das St\u00fcck in einem Interview als ein Jugendmonsterwerk, was es in ungek\u00fcrzter Fassung zweifellos ist. Das Original erstreckt sich auf 3 Cds \u00fcber 3. Akte und 4h, da sage noch einer, nur Wagneropern sind lange. 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