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Die Aufführung der Oper von Richard Wagners Walküre an der Staatsoper in Wien ist leider für mich die erste Walküre, die nicht aufging. Verantwortlich ist dafür die trockene, einfallslose Umsetzung von Sven-Eric Bechtlof und Rolf Glittenberg. Während andere Inszenierungen in der Walküre mit guten Einfällen aufwarten, muss man hier leider einen herben Rückschlag hinnehmen. Es macht diese fünf Stunden teilweise quälend lange. Dafür können aber weder die Sänger etwas, noch Pablo Heras-Casado. Michael Spyres als Siegmund ist ein Reißer, sein Wälsungen-Rufe von einer Kraft, die unerhört ist. Er legt mit seinem wunderschönen, etwas Retro-Timbre vielleicht den besten Siegmund hin, den ich live gehört habe. Camilla Nylund als Brünhilde ist vielleicht bisweilen etwas scharf in den Höhen, aber ebenbürtig. Groissböck als Hunding ist ein langhaariger Finsterling mit schräger Miene. Michael Volle als Wotan kommt etwas hinkend daher, was aber stimmlich auf hohem Niveau bis zum Ende ist. Die acht Walküren sind bisweilen etwas textunverständlich, aber wann hat man das schon mal Textverständlichkeit in dem Gesang der Sängerinnen der Walküre. Die schwenkbaren Monitore helfen einem dennoch am Ball zu bleiben. Pablo Heras-Casado gibt Vollgas und lässt es richtig krachen, dennoch verpuffen schöne Momente, wie die Arie über die Winterstürme oder der Feuerzauber in der drögen Inszenierung.

Zu Beginn sieht man weiße Wölfe an den Seitenwänden über die Bühnenwände. Selbst in den langen Pelzmänteln kommt man bei 30 Grad Außentemperatur nicht ins Schwitzen. Auf dem Tisch in der Mitte steigt immer wieder mal Sieglinde. In der Mitte ist eine Esche, die eher an den Nürnberger Steckerles-Wald erinnert. Dennoch steckt darin ein Schwert Nothung. Groissböck als Hunding und ungeliebter Ehemann ist Sieglinde teilweise ziemlich übergriffig und trotzt sich immer wieder Küsse von ihr ab. Siegmund kommt gehetzt in das Haus von Hunding und Siegmund und Sieglinde erkennen sich nach und nach als Zwillingsgeschwister. Sie gibt Hunding einen Schlaftrunk und packt Spielsachen, wie ein Holzpferd und ein Holzschwert aus. Nothung wird wie geheißen aus dem Stamm gezogen. Jetzt kann man sagen, nichts was nicht im Regiebuch steht, aber auch nicht viel mehr. Mit dem minimalistischen Ansatz meint man nichts falsch zu machen, oder gerade doch?

Auch im zweiten Aufzug fällt der Regie nicht viel mehr ein. Nun befindet man sich wirklich im Steckerles-Eschenwald, es liegen vier Steinquader auf der Bühne und man sieht zwei goldene Puppenköpfe, die wahrscheinlich die abgeschlagenen Köpfe von Kriegern sein sollen. Fricka tritt als wahre Götterfrau auf mit dem schimmernden, dunkelblauen Kleid und der Federnumhang. Sie weißt aber ihren Ehemann an, Siegmund den Garaus zu machen mit Hunding. Klar legt Wotan jetzt noch einen toten Wolf auf die Bühne, der mindestens ebenso tot ist, wie die Regieeinfälle im zweiten Akt. Das macht den sowieso schon langatmigen zweiten Teil besonders schwierig. Nicht nur Siegmund stirbt daher in diesem Aufzug.

Warum im Dritten Aufzug dann die Walküren dann New Yorker Börsenmakler über die Bühne prügeln, ist mal ein Regieeinfall, der auch für mich zwar Stoff bietet zum Schreiben, den ich aber an dieser Stelle lieber verschwiegen hätte. Wo sind hier die Helden, die die Damen nach Walhalla bringen? Es stehen acht weiße Gips/Plastikpferde auf der Bühne, die ebenso erstarrt sind wie die Regie. Da hilft auch nicht mehr, der sonst rührende Abschied von Wotan an Brünhilde, als er sie mit einem Feuerzauber umgibt. Man braucht nicht unbedingt den Feuerzauber mit echtem Feuer auf der Bühne. Aber die platte Projektion des Feuers auf die weißen Pferde und Wände lässt diese Walküre dann vollständig implodieren.

Ich hätte mir nie vorstellen können, dass einmal eine Walküre so langatmig werden könnte, daran konnte auch die umwerfenden Sänger nichts ändern. Während andere Kritiken hier die Sänger und das Orchester loben, hilft das alles nichts, wenn die Regie so untertourig daherkommt. Ich zweifle zwar, ob eine marmorne Shopping-Mall die Inszenierung erretten könnte, aber es wäre zumindest keine totale Implosion wie in diesem Fall. Bei aller Begeisterung im Publikum, selten so eine Walküre gesehen, die so wenig zum Schreiben hergibt, wie diese. Dann lieber doch Werkstatt Bayreuth und den aktuellen Ring dort.

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