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Die Perlenfischer in der Shopping-Mall
Ersan Mondtag verlegte die Oper „Die Perlenfischer“ kurzerhand in eine Färberei. Die Staatsoper inszeniert diese Oper von Bizet das erste Mal und mit hochkarätiger Besetzung mit Juan Diego Flórez und Ludovic Tézier. Die Kritiken dazu waren großteils ablehnend. In der Stückeinführung hat man sich quasi für den Ansatz mit der Färberei entschuldigt. Die vier Hauptpersonen haben unterschiedliche Funktionen. Während Zugra der Leiter der Färberei ist, ist Nadir ein Handelsvertreter, Leila die Influencerin einer Modekette. Im zweiten und dritten Akt verlegt man die Handlung in ein marmornes Shopping-Center, das den Brahmanen-Tempel darstellen soll. Gefeiert werden hier die Marken Versasse und Guggi. Die Einspielung des brennenden Dorfes am Ende ist nur als Nachrichtenshow auf einem Bildschirm zu sehen.
Dabei funktioniert der erste Akt noch relativ gut, denn auch der Beruf des Färbers, ist wie der des Perlenfischers gefährlich. In Sträflingskleidung und an bunten Färbebottichen geht es an die Stoffe für die Modelabels. Es wird in einer relativ plumpen Kapitalismuskritik, die Problematik der Produktion von Mode in Südostasien aufgegriffen. Auch die Oper selbst, nimmt das damalige Ceylon, nur als Anlass für einen kolonialen Ausflug in die weite Welt. So würde man das heute auf Grund der Inszenierung eher in Bangladesch vermuten. In der Mitte steht eine hagere Modepuppe, sozusagen der Götze unserer Zeit. Um sie herum führt eine Wendeltreppe. Es landet ein Schiff mit dem Namen „The Dark Pearl“ an mit Nadir als Händler mit einem weißen Sonnenhut auftritt. Diese Modepuppe wird nun mit einem schwarzen, eleganten Kleid angezogen und bekommt einen Federkopfschmuck. Zurga der Leiter der Färberei und Nadir begehrten einst dieselbe Frau Leila. Es kommt zum Freundschaftsduett. Leider ist die Novizin für das Amt im Brahmanen-Tempel aber nun genau diese Frau, wegen der sie sich gestritten hatten. Diese muss mit ihrem Gesang Schutz vor Unwetter und Gefahr erflehen und verschleiert bleiben. Leila tritt im Schleier auf und Nadir erkennt sie an ihrer Stimme. Er erinnert sich an die Zeit, als sie sich heimlich im Dschungel getroffen hatten, in dem Moment kommt ein junges selbst ihrer beiden auf die Bühne und geht die Treppe hoch. Die beiden Kinder sind ebenso angezogen wie Zurga und Leila. Aber es gibt für den Modebetrieb auch sieben Fashonistas in ausgefallenen Kostümen, die Leila bewachen vor der bösen Männerwelt. Diese Fashionistas beschützen immer die Influencerin. Mit roten Plateausohlen sind sie ein echtes optisches Highlight. Am Ende der Szene kommen Männer mit Fackeln auf die Bühne, die Stoffe sind gefärbt und man wechselt die Szene zum Brahmanentempel.
Im zweiten Akt sieht man einen großen, marmornen Shoppingtempel. Der soll den Brahmanentempel der Neuzeit zeigen. Selbst die Abfalleimer sind aus Marmor. Auf der linken Seite gibt es eine Rolltreppenattrappe und es stehen Puppen in den Schaufenstern. Man hört ein paar Sequenzen aus dem Torrero-Marsch der Oper Carmen. Es dröhnt die Stimme von Bogdan Roščić, dass die Shoppingmall Carmen seit einer Stunde geschlossen hat und die Leute die Mall verlassen sollen. Damit weist man Bizets großen Erfolg „Carmen“ Referenz. Die Läden in der Mall veralbern große Modemarken wie Versasse oder Guggi. Der Chor ist als Sicherheitspersonal aktiv. Als die letzten Leute den Tempel verlassen haben, wird klar, dass Nadir und Leila nicht voneinander lassen können. Sie vergisst sogar ihren roten Schleier aufzusetzen. Zurga versucht noch die Beziehung zu Nadir verhindern, Leila lehnt aber eine Beziehung zu Zurga ab. An einem Kettchen, dass er ihr einst gab, erkennt er aber, dass Leila ihm einmal das Leben gerettet hatte. Die Färber und das Sicherheitspersonal sind in Aufruhr und fordern den Tod für den Bruch des Treuegelübdes. Die Fashionistas haben mit Gewehren sich mit dem Rücken zur Bühne postiert und sichern die Szenerie aber ab.
Zurga legt im dritten Akt nun zur Ablenkung Feuer im Dorf, damit Leila und Nadir fliehen können. In einem großen Monitor, sieht man eine brennende Fabrik in einer imitierten Nachrichtensendung, was an den Fabrikbrand in Bangladesch erinnern sollte, als die Produktionsstätte von Kleidung dort brannte im Jahre 2025. Zurga erkennt, dass er die Liebe zwischen Nadir und Leila nicht verhindern kann. Am Ende wird Zurga von hinten für die Brandstiftung erschossen. Nadir und Leila können aber entkommen und sind gerettet.
Mit der Deutung von Mondtag hatten viele ein Problem. Der Shoppingtempel als Brahmanentempel, war vielen doch zu weit hergeholt. Die musikalische Umsetzung war aber mit der Besetzung von Tézier und Flórez wirklich hochkarätig und vor allem Tézier als Nadir konnte überzeugen. Das berühmte Duett der beiden Hauptpersonen gelingt sehr gut. Die Musik von Bizet ist ein wilder Mix aus verschiedenen Komponisten. Man hört etwas Meyerbeer, etwas Offenbach, aber auch schon in den Arien gegen Ende, die Anlage einer Carmen durch. Die Inszenierung der Staatsoper war aber endlich mal ein Bühnenbild zur Oper „Die Perlenfischer“. Wegen ihrer dünnen Handlung und des kolonialen Ansatzes, ist die Oper schwer vermittelbar in der heutigen Zeit, denn braun geschminkte Ceylonesen im Bastrock kann man nicht mehr zeigen. Mondtag hat probiert das zu umschiffen und ist dafür heftig kritisiert worden. Dabei fand ich den ersten Akt mit der Färberparabel gar nicht so schlecht und vor allem bunt umgesetzt. Der Dirigent Daniele Rustioni leistete sehr gute Arbeit mit den Off-Chören, was die Regie letztlich auch mit der Personenregie unterstützte. Und was macht schon ein Shopping-Tempel, wenn die Musik einen so hochträgt.

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