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Im Nationaltheater in München läuft derzeit „of one blood“ von Brett Dean. Das ist ein Auftragswerk der Bayrischen Staatsoper. Jetzt wäre man der Meinung, das Thema Elisabeth I und Maria Stuart wäre von Donizetti und Rossini schon ausreichend thematisiert worden und es bräuchte keine weitere, zu dem moderne Oper über dieses Thema. Da mir Hamlet von ihm sehr gut gefallen hat und die Kritiken sehr gut waren, stand für mich ein spontaner Besuch in München außer Frage. Brett Dean schafft es anhand der Briefe zwischen den beiden Damen einen dokumentarischen Erzählstil zu entwickeln. Mit Mahan Esfahani ist ein hervorragender Cemballo-Spieler mit großen Soli am Werk unterstreicht den Klang der Zeit.

Da liegen sie also in ihren Gräbern in der Westminster Abbey umgeben von Arbeitern, die ihre Gruft öffnen. Ironischerweise haben sich die beiden Königinnen nie gesehen und liegen in der Kirche doch eng beieinander. Das Grab von Maria Stuart wird dabei geöffnet und mit einer lange Zange entnimmt man ihm einen Knochen und ein Armkettchen. Was die Männer aus dem Labor da treiben, kann man spekulieren, vermutlich eine DNA-Untersuchung der Knochen, ob die Damen wirklich verwandt sind. Sie waren Cousinen zweiten Grades. Der Sargdeckel ist schwer und muss mit einem orangen Greifer angehoben werden. An der Decke hängt ein gotischer Baldachin aus Holzimitat. Die Särge fahren raus und die Szenerie erwacht zum leben. Zu hören aus den Lautsprechern ist beständig das Kritzeln der Federn, wie die beiden Dame Briefe schreiben. Die Szenerie wird jetzt belebter und aus den Seiten kommen Damen in karierten Röcken. Maria Stuart hat ihre Perücke auf. In den ersten Szenen sieht man ihre Beziehung zu ihrem Ehemann, der ein klassisches Rollenbild wünschte und sie unterwerfen wollte. Ihr Vertrauter Rizzi wird von dem Ehemann Lord Danley erstochen und auf einer schwarzen Plane weggezogen, was eine Blutspur hinterlässt. Maria wendet sich mit ihren Problemen an Elisabeth, die auf der linken Hälfte mit Briefen antwortet. Es findet ein Festbankett statt, bei dem Maria Stuart drei Mörder in Kilts beauftragt, den Ehemann zu ermorden. Das orientiert sich ziemlich an der Faktenlage. Es erscheint der Hofstaat von Elisabeth ganz in schwarzer Kleidung auf der linken Seite der Bühne. Fünf Lords raten ihr, sich vor Maria in Acht zu nehmen. Während die Geschichte Maria Stuart oft als Opfer präsentiert, wird in der Oper schnell klar, dass ihre Weste bei weitem nicht rein ist. Auf zwei beleuchteten Glasflächen stehen sie nun und erhalten immer Briefe. Elisabeth hat einen Holzthron, bei Maria muss es ein Schemel tun. Ein breites schwarzes Band trennt die beiden Rivalinnen. Dennoch entwickeln die beiden Frauen ein Verständnis zueinander, sind sie doch starke Frauen in einer damals noch von den Männern regierten Welt. Der Ehemann wird nun wirklich von den drei Männern im Kilt erdrosselt. Maria hält ein Kind im Arm, ob dieser James wirklich von ihrem Ehemann ist oder von dem Liebhaber Rizzi, kann man spekulieren. Maria verfasst einen Brandbrief gegen die protestantische Elisabeth. Dennoch rebelliert nun das Volk gegen Maria, da das Volks sie für eine Mörderin halten. Es wird ein ausgestopfter Rabe herein getragen, der scheinbar Unheil bringt.

Der zweite Akt ist dann 19 Jahre später im Gefängnis in England. Die Involvierung von Maria am Mord ihres Mannes wurde entdeckt. Sie wünscht sich eine Rückkehr an die Seite ihres Sohnes James, der jetzt in Schottland herrscht. Dieser lehnt Ihr Gesuch ab. In einem Schattenspiel sieht man eine Pseudoköpfung von sechs Mägden. Maria stimmt nun einem Komplott zu. Elisabeth wünscht sich in einer Sequenz eigentlich eine bessere Beziehung zu ihrer Cousine und träumt davon, dass sie eigentlich nur zwei Mägde sind. Schließlich wären sie vom selben Blut. Der Boden in der Szene ist mit Späne gefüllt. Elisabeth unterschreibt doch mit einer Feder das Todesurteil von Maria. Man nimmt ihr die Perücke ab, die Lords bedrängen sie und es kommt zur Hinrichtung. Die Bühne ist jetzt in rotes Licht getaucht, es erscheint der Henker mit Handschuhen, der Maria letztlich köpft, was vom Parkett gut angedeutet wird, da nur ihr roter Kopf hinter dem Band allein zu sehen ist. Am Ende kommen wieder die Laborarbeiter und kehren die Bühne. Wieder ist das Kritzeln der Federn zu hören und das Wispern der Königinnen, die sich in ihren Gräbern in der Abbey in Westminster ein Gedicht rezitieren, das Maria am Tag ihrer Hinrichtung verfasst hat. In der Schlusssequenz singen die beiden Königinnen aus dem Off. 

Es ist der dokumentarische Erzählstil, der die Oper letztlich äußerst spannend macht, wie eben Hamlet. Dean schaffte es schon im Hamlet, wie hier jetzt auch einen guten Erzählstoff aufzuarbeiten. Die Musik ist schon modern, nimmt aber mit dem Cemballo auch Anleihen an die Vergangenheit. Beweist im ersten Teil eher einen spröden Charakter, während im zweiten Teil dann große Chöre und viel Schlagwerk zum Einsatz kommen. Dean nimmt das Motto der Oper wörtlich, dass es eine Verbindung von Musik, Geschichte und Bühnenbild ist. Ich weiß nicht, ob man rein an den Radios diese Erlebnis hat, wie im Opernhaus. Ohne die beiden anderen Teile funktioniert die Musik wahrscheinlich eher nicht, vor Ort im Nationaltheater aber umso besser. Es war an dem Aufführungstag sehr gut besucht. Die Darstellerinnen der beiden Könginnen, Johanni von Oostrum und Vera-Lotte Boecker, spielen und singen ihre Rollen sehr gut. Die Emotionen der beiden Kontrahentinnen kommen gut an. Der Stoff verdient also durchaus eine dokumentarische Aufarbeitung in einer neuen Oper. Und wann hat man den Komponisten selbst und lebendig auf der Bühne. Es lohnt sich also.  

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