Opernblog durchsuchen
Der Freischütz – Nimm das Original

Die Landesbühne Sachsen gastierte erneut auf der Felsenbühne in Wunsiedel. Man hatte ein Out-Door-Version für Felsenbühne Rathen entworfen, die sich relativ problemlos in die Felsenbühne in Wunsiedel transferieren ließ. Die Inszenierung von Manuel Schöbel ist quasi ein Gegenpol zur Starken Umarbeitung der Oper in Bregenz. Die Darsteller sind von Anja Furthmann in weitgehend historischen Kostümen gekleidet. Die Wolfsschlucht am Ende des zweiten Akts ist für die Naturbühne eine hervorragende Kulisse.
Schon zur Ouvertüre sieht man oben links das Gasthaus zur Kugel. Eine etwas undurchsichtige, rauchende Bedienung sollte als Gag immer wieder genervt sein, wenn die Kunden Kartenzahlung im Lokal verlangten. Die Personen treten schon zur Ouvertüre auf, grüßen sich und laufen aneinander vorbei. Auf einem Jägerstand rechts gibt ein etwas älterer Max einen Schuss ab. Der Erbförster der Agathe benötigt schon einen weißen Rollator. Da Max aber nicht trifft, wird er verspottet. Zum morgigen Schützenfest tanzen die Darsteller schon einmal einen Landler/Walzer. Über ein Mikrofon mit Echo werden die Regeln für das morgige Schützenfest deklariert und der Ahn beschworen, der sich einst mit einem Freischuss die Jagd gesichert hat. Ein erstes Highlight ist Max Arie „Durch die Felder, durch die Auen“, die er auf einer Bank balancierend singt. Ein Kriegsveteran Kaspar kommt und bietet ihm sein Gewehr an, mit dem Max einen Adler schießt. Diesem werden blutig die Flügel ausgerissen und als Trophäe steckt sich Max eine Feder an den Hut. Dass es immer wieder mit dem Teufel zugeht, beweisen vier tanzende, schwarze Augen. Mit langen Fingernägeln und in schwarz, zeigt der Teufel Samiel sich schon immer wieder im Gefolge der Augen, wenn es nicht mit rechten Dingen zugeht. Max möchte jetzt natürlich noch mehr Freikugeln, die gäbe es aber nur in der Wolfsschlucht. Damit er gefügiger wird, kippt Kaspar Max schon mal eine undefinierte Substanz in seinen Becher und massiert ihn, bis er schließlich nachgibt.
Seine Geliebte Agathe sitzt derweil neben einem rostigen, rauchenden Kamin. Sie hat weiße Rosen in einer Vase, die Ännchen umkippt. Es wäre ein Bild von der Wand gefallen zur siebten Stunde. Hier kommt der Grusel etwas im Hitchcock-Stil. Es passieren immer wieder Dinge, die die Damen merkwürdig finden. Die weißen Rosen wären von einem Eremiten zum Schutz Agathe übergeben worden. Das runtergefallene Bild montiert Ännchen in einer waghalsigen Kletterei auf einer Stehleiter. Max lässt sich von seinem Vorhaben nicht abbringen, mit dem Vorwand, er müsse nochmal einen Sechzehnender jagen, verabschiedet er sich in die Wolfsschlucht. Jetzt kommt der Moment, den Stölzl beschrieben hat, der in Bregenz tatsächlich besser funktioniert hat. Donner aus den Lautsprechern und blauer Himmel, passen einfach nicht. Die Naturbühne passt aber dann doch wieder sehr gut. Die Darsteller treten mit noch mehr Augen und schwarzen Kutten auf. Max bereitet vor einem Lagerfeuer den Kugelzauber vor, bei dem die sieben Freikugeln gegossen werden sollen. Max ist zögerlich und kommt nur sehr unwillig in die Schlucht. Er ahnt vielleicht, dass er dort seine Seele an den Teufel gegen die Kugeln verkaufen muss. In einem weißen Gewand sieht er zuerst seine Mutter oben am Felsen, dann Agathe, die sich in den Fluss stürzt. In dem Moment öffnet sich am oberen Ende eines Felsvorsprungs ein Wasserfall. Beim Kugelzauber gibt es zu jeder Kugel einen heftigen Schuss. Man hört Wildschweingrunzen und Tiergeräusche, als der Guss der Kugeln weiter fortschreitet. Als die letzte Kugel gegossen ist von Kaspar endet der zweite Akt.
Im dritten Akt sieht man Ännchen und Agathe sich um einen großen weißen Schleier winden, der mit einem großen A bestickt ist. Sie hätten von den Ereignissen in der Schlucht erfahren. Die vier Jungfern, die den Jungfernkranz singen, wickeln Agathe in Frischhaltefolie ein. Scheinbar soll dies die Braut konservieren. Annchen bringt den Kranz, der eine leuchtende Kette ist und eigentlich eine Totenkrone. Jetzt winden sich die weißen Rosen des Eremiten zum Jungfernkranz. Max zieht sich im Gasthaus einen weißen Brautanzug an und ist bereit für den Freischuss. Es kommt aber zum Streit mit Kaspar um die letzte Kugel. Der Fürst tritt zu Fuß auf, denn für ein Einritt auf dem Pferd, wie in Rathen reicht vermutlich der Platz nicht. Er verkündet die Regeln des Freischusses. Agathe nimmt zwischen geschlachteten Wild-Teilen Platz. Die Kugel wird von Samiel umgeleitet und trifft Agathe eigentlich, aber der weiße Kranz der Rosen des Eremiten beschützt sie. Max gesteht die Schummelei mit den Freikugeln, wird zwar geläutert, aber muss ein Probejahr bestehen, bis er Agathe heiraten darf. Unterdessen rekrutiert die zwielichtige, rauchende Bedienung an einer Nudelkanone, an der es Spaghetti für die Bevölkerung gibt, neue Augen für Samiel. Sie verteilt die Krücken. Die Wirtin zur Kugel ist also verantwortlich, dass sich die ganze Geschichte wiederholen wird, obwohl der Fürst den Freischuss offiziell abschafft.
So seltsam es sich anhört, während Bregenz eher effektvolle Geisterbahn ist, konnte mich Wunsiedel dann doch mehr überzeugen, vor Allem dass man das Finale so gelassen hat, wie es eigentlich das Stück vorsieht. Es wirkt einfach besser, wenn der Eremit am Ende nicht doch auch noch der Teufel ist. Hans-Peter Preu dirigierte sehr stimmungsvoll an der Naturbühne. Kay Frenzel war zwar ein etwas älterer Max, jedoch sehr stimmstark, denn die Partie erfordert vom Tenor einiges an schweren Partien. Menna Cazel als Gast war eine Agathe im Brünnhildenformat mit viel Dramatik, was zur Rolle auch passt. Als leichtgewichtige Gegenspielerin war Anna Maria Schmidt als Ännchen überzeugend. Jan Meyer als Samiel sah etwas aus wie Edward mit den Scherenhänden und wir durchaus öfters zu sehen, wenn das Libretto von Spuk und Unheil berichtete, da trat er immer wieder kurz, begleitet von seinen vier Augen auf. Der Extra Chor der Landesbühne Sachsen überzeugte mit viel Bewegung. Insgesamt steht es der Oper „Der Freischütz“ meiner Ansicht nach besser, wenn man die Handlung nicht so stark modifiziert. Man darf gespannt sein, was das Staatstheater Nürnberg 2026 aus diesem Stoff machen wird.
Schreibe einen Kommentar