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Zu einer Wiederaufnahme des Rosenkavaliers von Richard Strauß zog am 14. Juni 2025 im Opernhaus Leipzig. Die Regie von Michael Schulz entspinnt sich als epochale Zeitreise durch drei Epochen des Umbruchs. So startet der erste Akt in einem frühen Jugendstil der Kaiserzeit zur Entstehungszeit des Rosenkavaliers. Fortgesetzt wird die Thematik in den frühen Dreißigern mit einem nüchternen Bühnenbild im Stil einer faschistischen Herrschaft mit Flaggen und Arbeiterfigur. Im letzten Akt befindet man sich in den frühen Achtzigern und zitiert in einer Loftwohnung nur den Jugendstil. Die Feldmarschallin versucht noch im ersten Akt nach einem 13.ten Uhrenschlag die Zeit anzuhalten, altert aber im Laufe der Akte mit den Hauptpersonen gnadenlos. Einzig die beiden Liebenden Octavian und Sophie bleiben immer jung.

Im ersten Akt ist die Marschallin noch sehr vergnügt mit ihrem jugendlichen Liebhaber Octavian. In einer reichlich dekorierten Jugendstil-Schlafzimmer, versucht sich der Liebhaber hinter einem weißen Vorhang im Badebereich zu verstecken. Dort steht eine weiße Badewanne. Unter dem Bettlaken geht es stürmisch zur Sache, aber eigentlich ist ja alles schon gelaufen, als der Vorhang noch geschlossen war. Dann wird Szene empfindlich gestört wird durch die Ankündigung von Besuch. Der junge Mann ist aber mehrfach ungeschickt beim Versteck und lässt seinen Degen liegen und muss sich als Mariandl verkleiden. Die Bühne zeigt aber ein wahrhaftes öffentliches Schlafzimmer der Marschallin. Der Störenfried ist der dickliche Ochs von Lerchenau, der mal wieder auf Brautschau ist. Jetzt kommt eine Erfindung von Strauß. Der Baron möchten seiner Verlobten eine silberne Rose zukommen lassen. Seine Verlobte soll die Tochter des Emporkömmlings Faninal werden. Die Szenerie ist plötzlich bevölkert mit vielen Leuten unter anderem einem italienischen Tenor (Piotr Buszewski), der eine Bravour-Arie zum Besten gibt. Ochs findet Gefallen aber auch an Mariandl, dem verkleideten Octavian. Als der nun wieder aufgebrochen ist, sinniert die Feldmarschallin über die Zeit und dass sie eigentlich zu alt für Octavian sei und der sicher eine Junge finden wird. Sie lässt dem Moor eine silberne Rose in einer blauen Schatulle Octavian hinterhersenden, damit er die Werbung für den Baron Lerchenau übernimmt.

Im zweiten Akt ist man in den 30er Jahren angekommen. Viele der handelnden Personen sind gereift. Der Emporkömmling Faninal inszeniert sich im Stile faschistischer Herrscher. Gleich zu Beginn überreicht Octavian der Tochter Sophie die silberne Rose. Die beiden Liebenden tragen dabei Rokoko-Kleider und zitierten damit eine Bekannte Inszenierung von Otto Schenk in Wien. Sophie befindet sich auf einem schrägen Drehteller und kann von allen Seiten betrachtet werden, wie ein Schaustück. Octavian verliebt sich natürlich in Sophie und Sophie auch in Octavian. Es entsteht wieder ziemlich Trubel auf der Bühne, als nun der Baron von Lerchenau mit groben Manieren hereinpoltert und Sophie erfährt, wer der wahre Bewerber ist, der die Rose geschickt hat. Im Nebenraum wird der Ehevertrag unterschrieben. Sophie bleibt aber dabei, sie will den Baron nicht heiraten. Es kommt zu einem Duell, bei dem der Baron leicht von Octavian verletzt wird. Er muss sich auf einer Tür, die von Büchern gestützt wird erholen. Mit einem leichten Dreieckstuch verarztet bekommt er aber eine Notiz von Mariandl, der Zofe aus dem ersten Akt, dass sie sich mit ihm Treffen will.

Im dritten Akt gelangt man in die frühen Achtziger. Partyvolk bringt Mineralwasserkästen und die Lebenslust der Punker auf die Bühne. Das passt relativ gut zum Gasthaus-Setting, auch wenn die Diskokugel an der Decke eher in die 70er gehört. Die meisten Hauptpersonen sind erneut gealtert. An der linken Wand gibt es eine Art Tür eines Clubs. Plötzlich sieht man Telefone. Mariandl hat ein rotes Partykleid an und er verkleidete Octavian gibt sich alle Mühe, den Baron bei Laune zu halten. Die Loftwohnung ist das umgebaute Schlafzimmer aus dem ersten Akt, das mit seinen Jugendstilornamenten noch gut zu erkennen ist.  Wieder kippt die Szenerie mal kurz ins Chaos, als ein Kinderchor auftritt, der den Ochs als Papa bezeichnet. Letztlich klärt die Feldmarschallin aber die Lage auf, gibt Octavian frei. Die Liebenden finden sich am Ende, wobei nochmal das musikalische Motiv der silbernen Rose erklingt. Faninal wird von der Feldmarschallin am Ende im Rollstuhl über die Bühne geschoben, wobei sich das Bühnenbild auflöst.

Für mich war es der erste komplette Durchlauf des Rosenkavaliers überhaupt. Während ich die Schlüsselszenen immer berauschend schön finde, gibt es doch viele Stellen, wie die pseudo-lustigen Arien des Ochs oder die Szenen, die immer unnötig viele Leute auf die Bühne bringen. Manchmal möchte man im Rosenkavalier die Zeit anhalten, weil die Musik berauschend schön ist, dann wiederum gibt es Passagen, wo man sich den Knopf zum Vorspulen wünscht und auf die Uhr sieht. Dennoch ist an der Umsetzung in Leipzig wenig auszusetzen. Die Schlüsselpersonen sind ausnehmend gut besetzt. Angefangen vom Octavian (Gabrielė Kupšytė), eine – in magischen Höhen singenden – Sophie (Samantha Gaul) und einer tollen Feldmarschallin (Solen Mainguené). Ins Schwarze hat bei mir an dem Abend aber der italienische Tenor (Piotr Buszewski) getroffen, dessen Arie ich für eine der schwierigsten Tenorpartien überhaupt halte in den 2 Minuten und dem folgenden DaCapo. Die etwas schrägen Walzer sind weit entfernt von den lieblichen Klängen eines Johann Strauß und man muss oft zweimal hinhören. Das Gewandhausorchester unter Christoph Gedschold liefert einen Klangrausch in den Opernsaal, den man gehört haben muss. Dennoch liegt es am Stück, dass das Fazit am Ende durchwachsen ist: Wunderschöne Highlight und schlimme Ochs-Arien.

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