Opernblog

Tag: "turandot"

Turandot - Ein Event

26.07.15 21:43
Turandot - Ein Event

Eine Idee der ‚Opernbegeisterten Nürnberg‘ war es, einmal die Festspiele in Bregenz zu besuchen. Da hier dieses Jahr Turandot neu inszeniert wurde, war das ein Anlass, mir einen der größten Spielorte mit fast 7000 Plätzen einmal live anzusehen. Was auch sehr zu empfehlen ist, ist eine Führung durch den Spielort, bei dem man viel über die Technik des Hauses erfährt. So spielt beispielsweise das Orchester im Festspielhaus. Der Ton wird auf eine riesige Lautsprecheranlage mit 300000 Watt übertragen. Auch der Chor singt teilweise im Festspielhaus. Das hat nun einige Vorteile, aber auch ein paar Nachteile. Der Vorteil ist sicher, dass man durch das Musizieren in einem geschlossenen Haus, einen typischen Orchesterklang erzeugt. Mein Hauptkritikpunkt an einer Opern-Freiluft-Veranstaltung ist immer, dass das Orchester nicht richtig klingt. Das entfällt hier, der Klang ist wirklich nicht schlecht. Die Sänger dagegen singen mit zwei Funkmikrofonen bestückt und spielen auf der Bühne. Sie sehen den Dirigenten nur über Monitore. Die verstärkten Stimmen sind notwendig, um gegen die Anlage anzukommen. Da sind wir aber dann auch schon beim Kritikpunkt. Während in einem Opernhaus, die leisen Stellen, wirklich leise sind, ist hier alles ausgepegelt. Man merkt also, wie immer wieder mal an der Lautstärke gedreht wird. Für die Sänger ist der Wind und das Wetter sicher ein heikler Punkt. Die Partie der Turandot ist ausgesprochen schwierig und das Nessun Dorma sicher undankbar für den Calaf, da es eben jeder kennt.
Aber nun zur Handlung: Man hat auf die Seebühne eine riesige, orange chinesische Mauer gebaut. In der Mitte, vor der Mauer ist eine schiefe Ebene und darauf ein Zylinder mit einer Drehbühne. Links davor ist ein Spielfeld mit einem Bett, einem Klavier und Sesseln in Blau. Es tritt quasi Puccini als Calaf auf, der über seiner Partitur brütet. Turandot als letztes Werk Puccinis blieb unvollendet. Diese Arbeit am Stück thematisiert man hier immer wieder. Es beginnt mit einer Spieluhr, bei der Puccini/Calaf wohl aus China importiert, ein Thema abgeschrieben haben soll, das in der Oper Verwendung findet. Der Effekt am Anfang der Aufführung, als der Mittelteil der Mauer einstürzt und die chinesischen Figuren auf die Bühne stürzen, ist ein echter Hingucker, in der an Effekten reichen Inszenierung. Im Wasser und in dem freien Stück Mauer steht eine Terrakotta-Armee von Kriegern. Das Volk von Peking tritt in Grau mit Maomasken auftritt. Die behindern natürlich etwas beim Singen, was mit der Unterstützung des Chores aus dem Festspielhaus nicht weiter tragisch ist. Die Bühne dreht sich und man sieht Scharfrichter, die die Schwerter an riesigen Schleifsteinen wetzen. Gleichzeitig kommen Feuerartisten auf die Bühnen. Die Szene im Mondschein ist sehr poetisch mit riesigen Luftballons umgesetzt, die man effektvoll platzen lässt. So nutzt man beispielsweise auch den See aus, als der Prinz von Persien mit einer Barke anlandet und zur Hinrichtung geführt wird. Die Hinrichtung findet im linken Turmteil statt. Davor fährt eine Turandot in einer silbernen Barke vorbei. Das ist auch der Moment, in dem sich Calaf in Turandot verliebt und beschließt, dass er die Frau erobern muss. Der persische Prinz wird auf der Turmzinne geköpft und man wirft eine Körperpuppe ohne Kopf von oben ins Wasser. Die drei Minister erscheinen in farbenfrohen Kostümen und waren den bis dahin unbekannten Tataren-Prinzen vor seinem Vorhaben. Calaf ist nicht davon abzuhalten.
Im zweiten Akt träumen dann die Minister von ihrer Heimat. In der Drehbühne ist nun Platz für eine gruselige Galerie von 50 abgeschlagenen Köpfen. Die Minister haben rote Gummihandschuhe an, um sich die Finger nicht schmutzig zu machen. Aber nicht nur das hat der Zylinder drauf, er kann sich auch, in Form einer überdimensionalen Spieluhr öffnen. Der Deckel zeigt dann chinesische Symbole. Im Inneren dieser Spieluhr sieht man nun Altoum und Turandot. Altoum sitzt dabei in einem Rollstuhl. Während Altoum sich auf einen neuen Bewerber um seine Tochter und eine mögliche Hochzeit freut, ist Turandot entsetzt. Sie erzählt von ihrer Ahnin, die als großer Kleiderständer für ein Hochzeitskleid auf der Bühne steht. Es folgen die drei Rätsel an Calaf, die Turandot nun stellt. Dabei werden auf dem Bühnendeckel immer wieder Einspielungen von Bildern vorgenommen. Auch in dieser Inszenierung schafft es Calaf und Turandot muss sich Altoums Schwur unterwerfen. Calaf stellt nun die Gegenfrage nach seinem Namen. Die Musik ist wirklich bombastisch, und dass eine Orgel zum Einsatz kommt, verstärkt den Effekt noch.
Und im dritten Akt kommt dann wirklich das berühmte Nessun Dorma. Während die Handlung immer weiter fortschreitet, sieht man Calaf als Puccini immer mehr ans Bett gefesselt und an den Noten arbeiten. Hier singt er auch die berühmte Arie. Von diesem Hit ist man so begeistert, dass alle klatschen. Auch kommen die Figuren zu ihm ans Krankenbett. Diese Turandot will einfach nicht fertig werden. Das wütende Volk ist eine Partygesellschaft aus den 20er Jahren und man sieht auch immer wieder Aufseher in faschistischen Mänteln. Man will das Geheimnis um den Prinzen lösen. Daher foltert man Liu, die Sklavin, die den Namen weiß. Puccini ist inzwischen ans Bett gefesselt, die sterbende Sklavin legt man zu ihm ins Bett. Vom Liebestod von Liu ist Turandot fasziniert. Hier endet die Komposition Puccinis und damit die Oper, in den zwei Fassungen, die ich bisher gesehen hatte. Es folgt das Ende von Alfano, das ich unbedingt hören wollte. Turandot verliert ihren Schleier. Es kommt ein rotes Kleid zum Vorschein und es folgt der Kuss, der die Prinzessin aus Eis dann schmelzen lässt. Es kommen zum Finale alle Leute auf die Bühne. Von den Türmen werden Fahnen geschwenkt und man sieht einen blauen und einen roten Drachen. Und was das launische Wetter bisher nicht geschafft hat, wird jetzt nachgeholt. Aus den Turmzinnen spritzen riesige Wasserfontänen und sorgen so für einen feuchten Abschluss. Da hat es sich gelohnt, dass ich mit Regenjacke dort gesessen war.
Am Ende geht man wirklich mit einer gewissen Begeisterung vom Spielplatz in Bregenz. Turandot ist ein gut organisiertes Hightech-Event. Die Auf- und Abgänge erinnern fast an ein Fußballstadion und das Ankommen der Massen ist wirklich gut durchorganisiert. Man erlebt ein Hightech-Spektakel, dem vielleicht etwas die Seele des Stücks mit den ruhigen Momenten abhandenzukommen droht. Dennoch hat es mir gefallen, es ist eben eine massenkonform umgesetzte Turandot. Die Deutung Calaf und Puccini zu verquicken hat mich überrascht. Man erkennt hier doch eine deutliche Regiearbeit von Marco Arturo Marelli, die ich so auf dem Festspiel nicht vermutet hätte. Selbst für Untertitel ist gesorgt. Auf zwei riesigen Tafeln links und rechts von der Bühne kann man mitlesen, was die Sänger singen. Das Wetter hat bei uns mitgespielt. Wir hatten eine wunderschöne, pausenlose Inszenierung von Turandot, sodass ich die Oper hier klar empfehlen kann. Besonders gefallen hat mir an diesem Abend Liù gespielt von Marjukka Tepponen.

Quelle: YouTube | Bregenzer Festspiele

Von • Gallerien: Kultur, Oper • Tags: turandot
Turandot – No China Restaurant

Calixto Bieito inszeniert eine moderne Variante der Turandot von Puccini zur Eröffnung der Spielsaison 2014/15 am Opernhaus in Nürnberg. In einer Vorbesprechung sprach der Regisseur davon, keine China-Restaurant-Variante der Oper zu präsentieren, sondern eine Geschichte von einer totalitären Turandot zu erzählen, die eine Macht-Neurose hat und ihr Volk traktiert. Auch wenn ein großer Skandal bei dieser Regiearbeit ausbleibt, gelingt dem Regisseur eine beklemmend, bedrückende Deutung des letzten Werks von Puccini. Präsentiert wird das Werk in einer 1 ¾- stündigen Version, ohne große Pausen und ohne das umstrittene Ende von Franco Alfano. Die Oper wird als Fragment präsentiert und endet da, wo Puccini selbst das Werk nicht fortgeführt hat, mit dem Tod der Sklavin Liú. Vor jedem Akt gibt es eine Aktion auf der Bühne, die ohne Musik stattfindet. So beginnt die Oper mit sauber auf Kartons aufgereihten Puppen. Diese werden von dem Volk, Arbeitern in blauen Overalls, weggetragen. Im Hintergrund ist eine Wand mit Versandkartons aufgebaut, die als Projektionsfläche für eine makabre Einspielung einer Köpfung dient. Calaf kommt als Tataren Prinz mit einem Fahrrad in diese verbotene Arbeiterstadt. Hier führt Turandot ein Schreckensregime. Sie stellt ihren Prinzen, die um sie werben, Rätsel und lässt diese töten, so sie nicht auf die richtigen Lösungen kommen. Hier ist aber Calaf getarnt und ebenfalls ein Arbeiter. Begleitet wird Calaf von der Sklavin Liú und seinem Vater Timur. Ihn schreckt auch nicht, dass sein Vorbewerber im Mondschein geköpft wird. Das Fahrrad wird auf der Bühne angezündet, als er von dem schimmernden Mondschein singt. Scheinbar fängt der Prinz da selbst im Mondlicht Feuer. Calaf erblickt Turandot und verliebt sich in sie. Traktiert werden das Volk und die drei Ankömmlinge von den Ministern Ping, Pang und Pong in Militäruniform. Plakativ stehen die Drei am Bühnenrand und haben das Schild ‚Verräter‘ um den Hals. Liu wird Wasser gereicht, dass sie dem Minister in einer Fontaine entgegen spuckt. Dann ist wieder eine stille Pause zwischen den Akten. Die Minister in Uniform wechseln nun ihre Uniform gegen Brautkleider und erzählen tanzend von ihrer Heimat, was sehr abgründig ankommt. Herangetragen werden die Kleider von einer leicht bekleideten Frau in Zellophan. Als Kleiderständer dient da scheinbar die Ahnin Lou-Ling, von der Turandot noch erzählen wird. Tagsüber markieren die Minister die starken Soldaten und abends lassen sie ihre weibliche Seite aufleben. Der commedia dell'arte-Aspekt der Einlage kommt dabei ganz abhanden. Dennoch erscheinen aus dem Schnürboden zumindest die roten Laternen, die die Minister besingen. Altoum, der Kaiser von China, kommt in einer Windel und mit einer Urne auf die Bühne, aus der er Asche streut, während das Volk mit dem Gesicht zum Boden liegt. Er ist des Mordens müde und wünscht sich eigentlich nur einen erfolgreichen Bewerber. Schließlich, nachdem man viel über ihre Grausamkeit gehört hat, erscheint Turandot auf der Bühne. In einem schwarzen Businessanzug, mit einer roten Bluse und einer langen blonden Perücke, mimt sie die cholerische westliche Chefin der Arbeiterstadt. Sie kommt dabei sehr neurotisch und aufbrausend beim Publikum an. Es scheint keine nette Person zu sein, um die Calaf hier wirbt. Rachael Tovey gibt einen fulminanten, dramatischen Koloratursopran. Die Auftrittsarie ‚in questa reggia‘ gerät zu einer Glanznummer, wobei ihr das voll aufdrehende Orchester keine Mühe zu bereiten scheint. Bei der anschließenden Rätselszene werden zwei Frauen aus dem Schnürboden abgeseilt, diese darf nun Calaf bei jeder Frage von ihren Fesseln befreien. Die Frauen als Rätsel, ein schönes Bild. Die dritte Frage wird von Turandot, wie ein Hund an einem Seil über die Bühne geschleift. Über das Lösen der Rätsel ist Turandot so empört, dass sie auf den am Boden liegenden Altoum mit einem Gürtel einschlägt. Anschließend verliert sie ihre Perücke und muss nun die Frage nach dem Namen von Calaf beantworten. Dabei wendet sich Calaf der Sklavin Liú zu, die seinen Namen kennt. Wieder ist eine kurze Stille. Das Volk kauert nun auf dem Boden und verliert die blaue Oberbekleidung, während die Minister eine Leibesvisitation durchführen. Es erklingt das berühmte ‚nessun dorma‘ von Calaf. Dabei hat Calaf ein Schild mit der Aufschrift Poesie um den Hals. Die Minister fesseln auch Calaf mit Zellophan an einen Kartonmarterpfahl. Dieses Schild zerreißen sie. Dabei war die spannende Frage, ob er nun unter dem Cellophan weitersingen kann. Die Minister identifizieren nun Liú als eine der Personen, mit denen Calaf gesprochen hat. Die Minister versuchen Calaf nun mit schönen Frauen in Zellophan zu verführen. Timur wurde inzwischen durch Folter geblendet. Die Minister traktieren die hergestellten Puppen und versuchen aus Liú den Namen zu entlocken. Sie stirbt aber lieber, in dem sie sich mit einem Puppenarm den Hals aufschlitzt. In dieser Variante ereilt aber auch Timur der Tod durch den Strang von einem Minister. Nach dem Tod der Sklavin ist das Ende von Turandot offen. Zu tief scheint der Graben zwischen der allmächtigen, kalten Turandot und dem namenlosen Prinzen sein. Turandot sitzt auf einem Berg von blauer Oberbekleidung und zerpflückt die Puppen.
Diese Oper ist starker Tobak, mit Anleihen an die Massenszenen von Fritz Langs Metropolis. Es gelingt eine wirklich bedrückende Atmosphäre, wobei der große Skandal ausbleibt. Für mich wurden in einer Turandot noch nie so ausführlich die Aspekte Macht, Herrschaft und Totalitarismus beleuchtet. Die Liebesgeschichte zu Calaf gerät dabei in den Hintergrund. Calaf ist nur einer aus der Masse, der gegen das System Turandot aufbegehrt. Musikalisch ist diese Oper mit den vielen Massenchören stark im Forte, es ist wirklich sehr laut im Opernhaus. Hrachuhí Bassénz gibt eine wunderbare Liú und Rachael Tovey eine eisige Turandot, mit viel Wucht und vielen Höhen. Das ‚nessun dorma‘ ist natürlich von David Yim auch sehr gut umgesetzt. Aber auch die Nebenrollen sind stark besetzt. Es ist eine sehenswerte, wenn auch umstrittene Inszenierung, die im Gegensatz zur Interpretation der Fura dels Baus steht. Wie der Regisseur sagte: No China-Restaurant.

Quelle YouTube, Staatstheater Nürnberg

Von • Gallerien: Kultur, Oper • Tags: turandot

Die Münchner Staatsoper inszeniert Turandot zusammen mit Carlus Padrissa und seiner katalanischen Theatergruppe ‘La Fura dels Baus’. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist in jeder Hinsicht sehenswert. Da ich bereits den Ring aus Valencia aus dem Palau de les Arts Reina Sofía besitze, war der Termin quasi ein Muss. Man mag die Art von Inszenierung mit wenig Bühnenbild und vielen Menschen oder nicht, ich jedenfalls finde sie spannend.

Etwas viel ist schon los auf der Bühne, als sich das Volk Pekings vor den Mauern versammelt. Die Bühnen ist eine große, mit Schlittschuhen befahrbare Fläche aus künstlichem Eis. Turandot, die Prinzessin aus Eis fordert wieder mal ein neues Opfer. Aus einer überdimensionierten Iris verkündet man, dass es dem Prinzen von Persien nicht gelungen war, die drei Rätselfragen der Prinzessin zu lösen. Zeit also, die 3D-Brille aufzusetzen. Es betritt ein alter Greis in einem orangefarbenen Rollstuhl und dessen Sklavin Liu die Bühne. In dem Gewühl der Menschen erkennt er seinen Sohn. Auf einem großen Holzgestell, gezogen von einer singenden Kinderschar, in weißen Kutten, wird der Prinz von Persien in Richtung des-allen-überwachenden-Auges gezogen. An Seilen schwebt er seinem Schicksal irgendwo im Bühnenhimmel entgegen, während das Volk aufruft, das Henkersbeil mit einem Schleifstein zu schärfen. Beim Anblick Turandots in dem großen Auge verliebt sich der namenlose Prinz in die Prinzessin, obwohl sie den Tod des persischen Prinzen befiehlt. Mit einer großen 3D-Projektion mit viel Kunstblut wird er enthauptet. Der namenlose Prinz ist trotz der Warnungen der Palastgehilfen Ping, Pang und Pong in orange, grau und weiß, bereit die Prüfungen der Turandot anzunehmen.

Im zweiten Akt wabert ein Meer von abgeschlagenen Köpfen, während Ping, Pang und Pong schwebend, ihr Los als Erfüllungsgehilfen der Prinzessin beklagen. Unter einem großen Eisportal-Bogen sammelt sich der Hofstaat des Kaisers, eine Gruppe Schlittschuhfahrerinnen steckt stilisierte Blumen vor dem Kaiser auf. Der Kaiser mit einem goldenen Zepter warnt den namenlosen Prinzen, sein Vorhaben aufzugeben. Turandot erscheint und erklärt den Grund ihrer Grausamkeit. Wieder in einer 3D-Projektion auf das riesige Auge erklärt sie, sie müsse das Verbrechen an ihrer Ahnherrin Lo-u-ling rächen. Was der Ahnherrin zugestoßen ist, sieht man in einer Filmeinspielung. Begleitet von vier ähnlich bekleideten Hofdamen betritt sie einen schwebenden Balkon. Mit jeder Frage senkt sich der Balkon etwas weiter in Richtung des Prinzen. Der kommt bei den drei Fragen ganz schön ins Schwitzen und bemüht Google um die Lösung. Und siehe da, er landet mit dem Einsatz seines Smartphones immer wieder bei den richtigen Treffern. Die Verzweiflung bei Turandot ist nun groß, dass er alles richtig beantwortet hat. Sie fleht ihren Vater an, dass sie nicht die Frau des namenlosen Prinzen werden muss. Nun wendet der namenlose Prinz einen Trick an, in dem er Turandot die Frage nach seinem eignen Namen stellt. Sollte sie bis zum Morgengrauen den Namen richtig erraten habe, werde er sterben.

In ihren hängenden Matratzen-Türmen sucht das Volk nach einer Lösung für das Namensrätsel. Vor ihren PC-Tablets wird wieder fleißig nach den Namen gesucht. Im Hintergrund setzt sich das Straßengewimmel mit Neonreklame fort, man fühlt sich fast an die Straßenszenen in Bladerunner erinnert. In der Not ergreifen die Gehilfen Turandots die Sklavin Liu, die behauptet, den Namen des Prinzen zu kennen. Man unterzieht sie der grausamen Bambusfolter, bei dem sie den Namen nun preisgeben soll. Liu sagt, sie gibt sich aus Liebe für den Prinzen hin. Das macht Turandot nun nachdenklich. Doch der Bambus wächst gnadenlos durch Liu durch und sie stirbt schließlich, ohne ihr Geheimnis preisgegeben zu haben. Aufgespießt in einem Bambusstrahl und ganz in Grün endet Turandot und damit die Komposition durch Puccini, der sein Werk unvollendet hinterließ.

Die Auflösung wurde durch Alfano komponiert und ist orchestral überladen und passt eigentlich nicht mehr zum Rest der Oper, daher empfinde ich die Aufführung als Fragment nicht störend. Das Rascheln der 3D-Brillen in der Schlussszene, in der Liu stirbt, ist schon eher störend. Es wird aber in der Oper alles geboten, was moderne Bühnentechnik derzeit hergibt. Das ist im ersten Akt schon fast am Rande des Überladenen, da man die ganzen Details der vielen Leute, die da auf der Bühne sind, nicht mehr überblickt. Dennoch war es eine der interessantesten Opern, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Jennifer Wilson als Turandot ist sehr gut, sie leistet bei den Spitzentönen wirklich sehr gute Arbeit. Auch ihre Gegenspielerin Ekaterina Scherbachenko ist ein wunderbar lyrischer Sopran. Die Verlegung der Oper in die Zukunft und nicht irgendwo in der Vergangenheit ist ebenfalls nicht störend. Die Bild-Ästhetik ist gewaltig und er Einsatz der Artisten von Fura dels Baus ist interessant. Über Marco Berti hat die Presse viel geschrieben, mir war vor allem das ‘Nessun Dorma’ etwas zu leise. Nur streckenweise war er als Prinz überzeugend.

Für mich war es Oper im Maximalformat und ich finde es schade, dass von der Aufführung bisher keine DVD geplant ist. Die Aufführung sieht man sich gerne mehrfach an und würde gut zum Ring in meinem Regal passen.

Quelle: Bayerische Staatsoper/A trailer by Verena Maria Kalenda und Christine Rautschka (Film production: Große Klappe)

Quelle YouTube: Bayerische Staatsoper

Von • Gallerien: Kultur, Oper • Tags: turandot