Opernblog

 

Turandot - Ein Event

Eine Idee der ‚Opernbegeisterten Nürnberg‘ war es, einmal die Festspiele in Bregenz zu besuchen. Da hier dieses Jahr Turandot neu inszeniert wurde, war das ein Anlass, mir einen der größten Spielorte mit fast 7000 Plätzen einmal live anzusehen. Was auch sehr zu empfehlen ist, ist eine Führung durch den Spielort, bei dem man viel über die Technik des Hauses erfährt. So spielt beispielsweise das Orchester im Festspielhaus. Der Ton wird auf eine riesige Lautsprecheranlage mit 300000 Watt übertragen. Auch der Chor singt teilweise im Festspielhaus. Das hat nun einige Vorteile, aber auch ein paar Nachteile. Der Vorteil ist sicher, dass man durch das Musizieren in einem geschlossenen Haus, einen typischen Orchesterklang erzeugt. Mein Hauptkritikpunkt an einer Opern-Freiluft-Veranstaltung ist immer, dass das Orchester nicht richtig klingt. Das entfällt hier, der Klang ist wirklich nicht schlecht. Die Sänger dagegen singen mit zwei Funkmikrofonen bestückt und spielen auf der Bühne. Sie sehen den Dirigenten nur über Monitore. Die verstärkten Stimmen sind notwendig, um gegen die Anlage anzukommen. Da sind wir aber dann auch schon beim Kritikpunkt. Während in einem Opernhaus, die leisen Stellen, wirklich leise sind, ist hier alles ausgepegelt. Man merkt also, wie immer wieder mal an der Lautstärke gedreht wird. Für die Sänger ist der Wind und das Wetter sicher ein heikler Punkt. Die Partie der Turandot ist ausgesprochen schwierig und das Nessun Dorma sicher undankbar für den Calaf, da es eben jeder kennt.
Aber nun zur Handlung: Man hat auf die Seebühne eine riesige, orange chinesische Mauer gebaut. In der Mitte, vor der Mauer ist eine schiefe Ebene und darauf ein Zylinder mit einer Drehbühne. Links davor ist ein Spielfeld mit einem Bett, einem Klavier und Sesseln in Blau. Es tritt quasi Puccini als Calaf auf, der über seiner Partitur brütet. Turandot als letztes Werk Puccinis blieb unvollendet. Diese Arbeit am Stück thematisiert man hier immer wieder. Es beginnt mit einer Spieluhr, bei der Puccini/Calaf wohl aus China importiert, ein Thema abgeschrieben haben soll, das in der Oper Verwendung findet. Der Effekt am Anfang der Aufführung, als der Mittelteil der Mauer einstürzt und die chinesischen Figuren auf die Bühne stürzen, ist ein echter Hingucker, in der an Effekten reichen Inszenierung. Im Wasser und in dem freien Stück Mauer steht eine Terrakotta-Armee von Kriegern. Das Volk von Peking tritt in Grau mit Maomasken auftritt. Die behindern natürlich etwas beim Singen, was mit der Unterstützung des Chores aus dem Festspielhaus nicht weiter tragisch ist. Die Bühne dreht sich und man sieht Scharfrichter, die die Schwerter an riesigen Schleifsteinen wetzen. Gleichzeitig kommen Feuerartisten auf die Bühnen. Die Szene im Mondschein ist sehr poetisch mit riesigen Luftballons umgesetzt, die man effektvoll platzen lässt. So nutzt man beispielsweise auch den See aus, als der Prinz von Persien mit einer Barke anlandet und zur Hinrichtung geführt wird. Die Hinrichtung findet im linken Turmteil statt. Davor fährt eine Turandot in einer silbernen Barke vorbei. Das ist auch der Moment, in dem sich Calaf in Turandot verliebt und beschließt, dass er die Frau erobern muss. Der persische Prinz wird auf der Turmzinne geköpft und man wirft eine Körperpuppe ohne Kopf von oben ins Wasser. Die drei Minister erscheinen in farbenfrohen Kostümen und waren den bis dahin unbekannten Tataren-Prinzen vor seinem Vorhaben. Calaf ist nicht davon abzuhalten.
Im zweiten Akt träumen dann die Minister von ihrer Heimat. In der Drehbühne ist nun Platz für eine gruselige Galerie von 50 abgeschlagenen Köpfen. Die Minister haben rote Gummihandschuhe an, um sich die Finger nicht schmutzig zu machen. Aber nicht nur das hat der Zylinder drauf, er kann sich auch, in Form einer überdimensionalen Spieluhr öffnen. Der Deckel zeigt dann chinesische Symbole. Im Inneren dieser Spieluhr sieht man nun Altoum und Turandot. Altoum sitzt dabei in einem Rollstuhl. Während Altoum sich auf einen neuen Bewerber um seine Tochter und eine mögliche Hochzeit freut, ist Turandot entsetzt. Sie erzählt von ihrer Ahnin, die als großer Kleiderständer für ein Hochzeitskleid auf der Bühne steht. Es folgen die drei Rätsel an Calaf, die Turandot nun stellt. Dabei werden auf dem Bühnendeckel immer wieder Einspielungen von Bildern vorgenommen. Auch in dieser Inszenierung schafft es Calaf und Turandot muss sich Altoums Schwur unterwerfen. Calaf stellt nun die Gegenfrage nach seinem Namen. Die Musik ist wirklich bombastisch, und dass eine Orgel zum Einsatz kommt, verstärkt den Effekt noch.
Und im dritten Akt kommt dann wirklich das berühmte Nessun Dorma. Während die Handlung immer weiter fortschreitet, sieht man Calaf als Puccini immer mehr ans Bett gefesselt und an den Noten arbeiten. Hier singt er auch die berühmte Arie. Von diesem Hit ist man so begeistert, dass alle klatschen. Auch kommen die Figuren zu ihm ans Krankenbett. Diese Turandot will einfach nicht fertig werden. Das wütende Volk ist eine Partygesellschaft aus den 20er Jahren und man sieht auch immer wieder Aufseher in faschistischen Mänteln. Man will das Geheimnis um den Prinzen lösen. Daher foltert man Liu, die Sklavin, die den Namen weiß. Puccini ist inzwischen ans Bett gefesselt, die sterbende Sklavin legt man zu ihm ins Bett. Vom Liebestod von Liu ist Turandot fasziniert. Hier endet die Komposition Puccinis und damit die Oper, in den zwei Fassungen, die ich bisher gesehen hatte. Es folgt das Ende von Alfano, das ich unbedingt hören wollte. Turandot verliert ihren Schleier. Es kommt ein rotes Kleid zum Vorschein und es folgt der Kuss, der die Prinzessin aus Eis dann schmelzen lässt. Es kommen zum Finale alle Leute auf die Bühne. Von den Türmen werden Fahnen geschwenkt und man sieht einen blauen und einen roten Drachen. Und was das launische Wetter bisher nicht geschafft hat, wird jetzt nachgeholt. Aus den Turmzinnen spritzen riesige Wasserfontänen und sorgen so für einen feuchten Abschluss. Da hat es sich gelohnt, dass ich mit Regenjacke dort gesessen war.
Am Ende geht man wirklich mit einer gewissen Begeisterung vom Spielplatz in Bregenz. Turandot ist ein gut organisiertes Hightech-Event. Die Auf- und Abgänge erinnern fast an ein Fußballstadion und das Ankommen der Massen ist wirklich gut durchorganisiert. Man erlebt ein Hightech-Spektakel, dem vielleicht etwas die Seele des Stücks mit den ruhigen Momenten abhandenzukommen droht. Dennoch hat es mir gefallen, es ist eben eine massenkonform umgesetzte Turandot. Die Deutung Calaf und Puccini zu verquicken hat mich überrascht. Man erkennt hier doch eine deutliche Regiearbeit von Marco Arturo Marelli, die ich so auf dem Festspiel nicht vermutet hätte. Selbst für Untertitel ist gesorgt. Auf zwei riesigen Tafeln links und rechts von der Bühne kann man mitlesen, was die Sänger singen. Das Wetter hat bei uns mitgespielt. Wir hatten eine wunderschöne, pausenlose Inszenierung von Turandot, sodass ich die Oper hier klar empfehlen kann. Besonders gefallen hat mir an diesem Abend Liù gespielt von Marjukka Tepponen.

Quelle: YouTube | Bregenzer Festspiele

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Von • Gallerien: Kultur, Oper • Tags: turandot

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