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Tristan und Isolde - Mild und leise

17.11.12 23:37
Tristan und Isolde - Mild und leise

Monique Wagemakers Tristan in Nürnberg wurde schon in die Kinos in Deutschland und auf BR-Klassik übertragen. Wer beide Termine versäumt hat, hat jetzt noch Gelegenheit, diese Oper live zu erleben. Zu sehen und zu hören gibt es einen sehr stimmigen Tristan, während die Bayreuther Inszenierung von Marthaler so seine Tücken hatte, ist hier die Umsetzung durchaus gelungen. Zu Beginn der Aufführung gab es einen Hinweis, dass die Isolde dargestellt von Lioba Braun etwas indisponiert sei. Davon war in der folgenden Aufführung vielleicht im dritten Akt etwas leicht zu spüren. Lioba Braun absolvierte die Isolde mit Bravour.

Der erste Akt scheint in einem überdimensionalen nautischen Kompass zu spielen. Das zeltartige Gemach ist eine Vertiefung im Boden. Kurwenal und Tristan scheinen auf der Überfahrt nach Cornwall, die Richtung vorzugeben. Sie haben beide lange Samurai-Hosen an. Ihre Mannschaft scheint an roten Seilen die Segel zu hissen. Isolde hat ein langes, rotes Abendkleid an. Alle Darsteller sind barfüßig. In einer Vertiefung beklagt Isolde ihr Los, dass gerade Tristan der Brautwerber für König Marke ist, der ihr den Verlobten Morold getötet hat. Als Tantris suchte er einst Heilung bei Isolde, da er durch Morolds vergiftetes Schwert verwundet wurde. Isolde heilte ihn damals, erkannte aber an einer Scharte im Schwert, dass Tantris in Wahrheit Tristan ist. Der Splitter steckte noch in Morolds Kopf. Sie wollte damals schon Tristan umbringen, hat die Tat aber nicht durchführen können. Tantris schwor ihr damals Dankbarkeit und Treue. In einer kleinen braunen Schatulle hat Isoldes Vertraute Brangäne Zaubertränke von Isoldes Mutter aufbewahrt. Isolde sagt, dass der Todestrank allein, sie aus dieser Lage befreien könnte, und weißt sie an, den Todestrank in eine goldene Schale zu gießen. Tristan verspricht sie Sühne, wenn sie beide den Trank trinken werden. Als Tristan den ersten Teil des Tranks getrunken hat, entreißt ihm Isolde die goldene Schale und trinkt hastig den Rest. Die Schale fliegt in das Unterdeck. Brangäne hat aber den Todestrank mit dem Liebestrank vertauscht. Nur mit Mühe kann man die Liebenden auseinanderhalten, als König Marke, der eigentliche Brautwerber für Isolde, erscheint.

Im zweiten Akt wird aus dem Kompass der Brunnen in einem Innenhof von König Marke. Wie ein Mond brennt eine runde Fackel über dem Brunnen, ihr Verlöschen ist das Zeichen für Tristan, dass er zu Isolde kommen darf. Isolde gibt ihm das Zeichen selbst. Die Szene spielt wirklich im bläulichen Dunkel. Wie zwei Teenager fallen die Liebenden übereinander her und wälzen sich am Boden. Sie preisen die Nacht in einem langen Liebesdialog, wobei die Übertitel im Opernhaus wirklich eine große Hilfe sind, dem Gespräch der beiden zu folgen. Sie ignorieren Brangänes Warnrufe und ersehnen den Liebestod als höchste Vollendung ihrer Liebe. Markes Hofstaat kommt von der nächtlichen Jagd zurück. Tristan und Isolde werden von Melot verraten. Tief enttäuscht erinnert Marke Tristan daran, wie er ihn quasi als Sohn aufgenommen hatte, als seine Frau keine Kinder bekommen konnte. Tristan beschließt, sich der Realität zu stellen und in den Tod vorauszugehen. Er fragt Isolde, ob sie ihm folgen würde. Mit einem letzten Kuss von Tristan an Isolde fühlt sich Melot so provoziert, dass er schließlich ausholt und Tristan eine große Bauchwunde verpasst.

Im dritten Akt wird aus dem Brunnen ein Platz mit Erde in Tristans Burg Kareol in der Bretagne. Ein Hirte spielt auf einer Schalmei, von diesen Tönen geweckt, erlebt Tristan noch mal im Fiebertraum sein Leben und seine Liebe zu Isolde. Kurwenal sagt, er habe bereits nach Isolde geschickt, die auch dieses Mal die Wunde von Tristan heilen soll. Mehrere Male scheint Tristan ein Schiff zu sehen, es entpuppt sich aber immer wieder als Täuschung. Als Isolde dann wirklich kommt, liegt Tristan in den letzten Zügen auf der Erde. Tristan darf in dieser Inszenierung in den Armen Isoldes sterben, wie es vorgesehen ist. Ein zweites Schiff legt an, Kurwenal meint, es seien feindliche Eindringlinge und veranstaltet mit seinem Schwert ein Blutbad. Kurwenal selbst fällt auch. Tatsächlich ist Marke aber gekommen, der inzwischen die Sache mit dem Liebestrank weiß und die beiden vermählen wollte. Er beklagt die Toten. Bei Isoldes Verklärung zu ‘Mild und leise’ steht Tristan aber noch einmal auf. In einer Vision ähnlich der Szene auf der Titanic, steht Tristan bei dem letzten Takten der Oper hinter Isolde.

Bei allen modernen Ansätzen schafft es Monique Wagemakers, entscheidende Schlüsselszenen werksgetreu umzusetzen. Die eingeblendeten Übertitel offenbaren, wie textlastig dieser Tristan doch ist. Ich hatte die Oper auch auf BR-Klassik gehört, aber das Erlebnis live mit Bildern ist noch ein ganz anderes. Nach mehreren Versuchen mit dem Tristan findet man mit dieser Inszenierung, sich recht gut zurecht, auch wenn man das Stück bisher nicht kennt. Dennoch ist der Tristan sehr wagneresk, d. h. lange Monologe, volles Orchester, wenig Handlung. Auch mit den Harmonien im Tristan hat man als Anfänger sicher etwas mehr zu kämpfen, als bei anderen Wagneropern. Lioba Braun als Isolde und Vincent Wolfsteiner als Tristan schaffen es, die hoffnungslos verliebten überzeugend darzustellen.

Quelle: Staatstheater Nürnberg

Kritik in den Nürnberger Nachrichten: Tristan ‘janz weit draußen’

Von • Gallerien: Kultur, Oper • Tags: tristan und isolde

Marthaler lässt Wagners Tristan in Bayreuth auf einem Kreuzfahrtschiff spielen. Von den Kostümen her ist es von Anna Viebrock in die 60er Jahre versetzt. Während der drei Akte begibt man sich immer weiter in die unteren Geschosse des Schiffs. Marthalers Inszenierungen zeichnen sich immer durch kleine Details aus. Kritiker werfen in in diesem Stück vor, es würde zu sehr stagnieren, nur das ist gerade das Ziel.

Im ersten Akt sieht man Isolde und Brangäne in Sesseln sitzen. Schon während der Ouvertüre hat so einer der Fußschemel ein gewisses Eigenleben und rutscht am braunen Oberdeck hin und her. Das Schiff steuert nach Cornwall. Im Bühnenhintergrund sieht man Kurwenal und Tristan stehen. Kurwenal hat einen Schottenrock an. Brangäne wird vorgeschickt, die beiden Herren heranzuholen. Diese Mission ihrer Begleiterin scheitert aber. Wütend wirft Isolde immer wieder Klappstühle an Deck um, bis sie ihrer Begleiterin den Grund ihres Aufruhrs zu verstehen gibt. Ihr Verlobter Morold wäre von Tristan getötet worden. Im Zweikampf wegen Zinsstreitigkeiten hätte auch Tristan eine Wunde erhalten. Unter dem Decknamen Tantris wäre er aber erschienen bei ihr, um Heilung zu erbitten. An einem Stück Klinge in Morolds Schädel hätte sie erkannt, dass Tantris in Wahrheit Tristan ist. Diese Stück Klinge passte genau in Tantris Schwert. Tristan wäre genesen, aber bald als Werber für die Hand Isoldes im Auftrag seines Onkels König Marke erschienen. Brangäne überlegt nun, wie sie König Markes Gunst mithilfe eines Tranks gewinnen könne. Den hat sie in einer braunen Reisetasche dabei. Die Giftküche stammt von Isoldes Mutter und enthält einen Liebestrank und einen Todestrank. Isolde meint nun, mit dem Todestrank den Mord an Morold rächen zu können. Als Tristan wieder die Bühne betritt, beschließt er den Trank zu sich zu nehmen. Als er das Fläschchen halb getrunken hat, entreißt Isolde aber den Trank und nimmt den Rest zu sich. Brangäne hat den Todestrank aber mit dem Liebestrank vertauscht.

Im zweiten Akt befindet man sich im gelben Mitteldeck des Schiffs. Brangäne und Isolde habe sich im Abendkleid auf zwei Sitzen bequem gemacht. Tristan eilt herbei und wartet auf ein Zeichen. Isolde gibt ihm das in Form einer verlöschenden Deckenbeleuchtung. Das Duett zwischen Tristan und Isolde gerät so intensiv, dass sie Brangänes Mahnrufe überhören. Brangäne hat in Melot einen Feind Tristans ausgemacht. Dieser bricht nun zusammen mit König Marke und Kurwenal herein. Irritiert schaut Isolde immer wieder an die Decke, wie dort einzelne Lampen ausgehen. König Marke sieht sein Vertrauen in Tristan als seinen Brautwerber betrogen. Tristan fragt nach, ob Isolde bereit sei, ihm in die Nacht zu folgen und führt das Messer Melot gegen sich. Dieser wendet sich und wird mehrfach von Melot mit dem Messer verletzt.

Im letzten Akt befindet man sich im weißen Unterdeck des Schiffes. Der Hirte eher ein Elektriker, der sich um die Neonleuchten kümmert. Kareol, die Burg von Tristans Vätern liegt also im Unterdeck. Tristan liegt in einem Pflegebett, das von einer Eingrenzung umgeben ist. Kurwenal hat Isolde als Heilerin für Tristan gerufen. Mehrfach glaubt dieser nun, Isoldes Schiff zu sehen. Wieder und wieder verwünscht er den Liebestrank. Als nun Isolde endlich ankommt, fährt er das Bett hoch, bricht aber dann vor dem Lager zusammen. Leider stirbt nun Tristan nicht in Isoldes Armen, wie vorgesehen, sondern bleibt am Boden liegen. Nun kommen auch Melot und Marke an. Isolde ist nun selbst ohnmächtig im Pflegebett. Als Brangäne Melot vom Liebestrank berichtet, erwacht Isolde noch mal kurz, nur um sich dann endgültig das Laken über den Kopf zu ziehen. Unter den Klängen von Isoldes Verklärung endet die Oper.

Das Bühnenbild von Marthaler steht und fällt mit der Schiffsparabel. Das mag man nun passend finden, oder wie es eine englisch-sprechende Youtube-Nutzerin bezeichnet, als den worst-Tristan-ever. Marthalers Bühnenbilder leben von Ruhe und Details, da rutscht hier mal ein Hocker über die Bühne, dort flackert mal eine Neonleuchte. Leider beschränkt sich das bei dieser Inszenierung auf weniger Einfälle, als sonst üblich. Das lässt natürlich Raum für die Musik, die entweder als zartes Duett, wie im zweiten Akt oder im Vollformat, wie bei Isoldes Verklärung einher kommt. Die Hauptpersonen, allen voran Kurwenal von Jukka Rasilainen gespielt oder König Marke von Kwangchul Youn, waren sehr gut. Robert Dean Smith wusste sich in der Partie des Tristan zu behaupten und Iréne Theorin als Isolde verdient ebenso Beachtung.

Kritik in der Nürnberger Zeitung: “Tristan und Isolde” in Bayreuth

Von • Gallerien: Kultur, Oper • Tags: tristan und isolde