Opernblog

Tag: "sunset boulevard"

Es muss nicht immer Hänsel und Gretel zur Weihnachtszeit sein. Aufgrund der guten Kritiken hat es uns am 1. Weihnachtsfeiertag ins Stadttheater nach Fürth verschlagen. Der Musical-Hit von Andrew Lloyd Webber läuft sehr erfolgreich in einer Eigenproduktion des Stadttheaters Fürth. In der Hauptrolle ist Helen Schneider zu sehen, im Orchestergraben sitzen Sinfonierorchestermusiker des Nationalen Akademischen Bolschoi Opern- und Balletttheater der Republik Belarus. Beide liefern solide Arbeit ab. Dass eine Aufführung in diesem Rahmen möglich ist, ist der Tatsache zu verdanken, dass 2010 die Aufführungsrechte für Stadttheater freigegeben wurden. Bislang war das Ausstattungsstück den großen Musical-Bühnen vorbehalten. Vorlage des Stücks ist ein Film von Billy Wilder: Boulevard der Dämmerung und eigentlich relativ schnell erzählt.
Schon am Anfang hört man drei Schüsse und erlebt quasi schon das Ende des Musical. Aus einem runden blau beleuchteten Pool-Ersatz werden Briefe von der Polizei gefischt. Nun erzählt das Opfer selbst, wie es zu diesem Mord kam. Es findet ein Zeitsprung zu einem Punkt 6 Monate vor der Tat statt. Das Opfer ist Joe Gillis und befindet sich zu dem Zeitpunkt auf der Flucht vor seinen Gläubigern im Trenchcoat. Die haben es auf seinen Wagen abgesehen, denn sein freiberufliches Geschäft als Filmautor läuft schlecht. In der ersten Szene sieht man ihm, wie ihn zwar am Drehset von Paramount jeder Darsteller kennt, aber leider keinen Job für ihn hat. Man sieht die silbernen Sterne von Paramount und eben den bekannten Schriftzug. Man befindet sich auf der Bühne 18. Nur die Produktionsassistentin Betty Schäfer hat Interesse an einem Drehbuch, das man aber noch komplett bearbeiten müsste. Als er wieder die Gläubiger sieht, lenkt diese Betty kurz ab, indem sie ihnen das Set zeigt. Dennoch findet eine Autojagd im Bühnennebel statt, der mit vier Lampen improvisiert wird. Dabei gerät er auf das Anwesen von Norma Desmond. In der ersten Begegnung sieht man, wie sie einen Affen bestatten will. Dieser wird durch eine Stoffpuppe dargestellt. Um den verstorbenen Affen trauert Norma, wie um ihr eigenes Kind. Sie meinte, vor dem Tonfilm hat man die Geschichten mit Gesichtsausdruck erzählt (With One Look). Er lässt beim Gehen eine Bemerkung fallen, er sei Filmautor. Das erweckt Normas Interesse, sie zieht ein selbst geschriebenes sechs Bücher langes Konzept mit dem Titel Salomé aus dem Sofa, mit dem sie ihr Comeback plant. Aufgrund der Geldsorgen nimmt Joe dieses Angebot an. Ihr Diener Max hat schon mal die Sachen in ein Zimmer in einer Garage bringen lassen. Die Bestattung des Affen in einem Kindersarg erlebt man als Schattenspiel. Diese Bestattung findet Joe sehr merkwürdig. Da es Dezember ist und stark regnet, ist das Quartier bald unbewohnbar und er zieht in das Schlafzimmer der Ehemänner ein. Das Umarbeiten des Skripts gestaltet sich aber schwierig. Max hat auch die Eigenheit auf der hauseigenen Orgel zu spielen. Die Korrekturen werden von Norma fast immer abgelehnt und Kürzungen muss er immer wieder zurücknehmen. Da er schon eine Weile bei ihr wohnt, muss er sich abends auch immer die alten Stummfilme ansehen, bei denen Norma auflebt. Von ihrem größten Erfolg, dem Film über Jeanne d’Arc hat Joe schon sichtlich genug. Für eine Silvester-Party lässt Norma zum Geburtstag von Joe die Modeschneider anrücken. Joe soll sich fein kleiden. Die Szene, bei der Joe einen Vicuna-Mantel bekommen soll, ist wirklich witzig. Er widersetzt sich zunächst, gibt aber schließlich nach. Schließlich findet die Feier statt, bei der Joe dann rausbekommt, dass die Feier nur aus Norma, ihrem Diener Max und Joe besteht. Norma gesteht ihm ihre Liebe. Er hätte Jugend, was sie mit ihren fast fünfzig nicht mehr hätte. Jetzt wird es Joe zu unheimlich und er geht zurück zu den Filmleuten zu einer Silvesterfeier. Dort hat sich Betty Schäfer inzwischen seinen Freund Artie verlobt. Betty will aber weiterhin an dem Drehbuch mit Joe schreiben. Vom schlechten Gewissen geplagt, ruft Joe schließlich bei Norma an. Am Telefon erzählt ihr Max, dass sich Norma die Pulsadern mit dessen Rasiermesser aufgeschnitten hätte. Mit verbunden Armen kommt sie die Treppe herunter und Joe bereut seinen Entschluss, Norma verlassen zu haben.
Nach der Pause kommt der bekannteste Titel: Sunset Boulvard. Es ziert sich Norma etwas, das Filmstudio bezüglich des Salomé-Skripts zu kontaktieren. Cecil B. DeMille, ein US-amerikanischer Regisseur für die Vorläufer des Popcorn-Kinos, hätte nicht persönlich angerufen und Norma eingeladen. Sie wartet dann lieber noch drei Tage, bis die Sterne laut ihrer Astrologin günstig stehen. Dann wird auf der Bühne ein luxuriöser Isotta Fraschini aus den 1920ern zusammengebaut, mit dem Norma schließlich ins Filmstudio fährt. Die alten Mitarbeiter an der Bühne 18 erkennen sie wieder und lassen sie rein. Als sie wieder im Scheinwerferlicht steht, ist sie nun ganz in ihrem Element. Es kommt schließlich heraus, dass Paramount nur an dem Wagen für 100 Dollar die Woche interessiert ist. Ein Comeback war nie geplant. Das Skript zu Salomé wäre unmöglich. Dennoch trifft Joe am Set Betty wieder. Sie nehmen die gemeinsame Arbeit auf und arbeiten zusammen an dem ersten Skript für Betty. Dabei verlieben sie sich ineinander. Schließlich bekommt Norma Wind von der Sache und findet eine Telefonnummer von Betty. Sie ruft Betty an und sagt ihr, dass Joe bei ihr im Haus wohnt. In dem Moment nimmt Joe ihr den Hörer ab und bittet Betty durch das Gewitter zu kommen. Schließlich kommt heraus, dass ihr Diener Max nicht nur ihr erster Mann war, sondern auch ein berühmter Stummfilm-Regisseur. Er ist bemüht, den Glanz des größten Stars aller Zeiten zu bewahren. Zudem schreibt er ihr die ganze Fanpost. Diese Wahrheiten tischt nun Joe Norma auf. Es kommt zum Showdown und Norma erschießt Joe schließlich. Mit den Polizisten kommen schließlich am Schluss auch Kameramänner an den Tatort. Ganz ohne rote Perücke kommt sie nun die große Treppe im Haus herunter. Sie ist der Meinung, der Film Salomé wird gedreht.
Mit der Garderobe darf sich Helen Schneider sehr oft umziehen. Die extravaganten Roben der Filmdiva stehen ihr ausgezeichnet. Auch die rote Perücke dazu im Stil der 20er passt. Ihr gelingt es wirklich, diese labile Filmdiva am Ende ihres Ruhmes darzustellen. Sie war ja 1995 auch in Niedernhausen die Hauptdarstellerin der Norma, wobei sie jetzt vom Alter her eher in die Rolle passt. Im Stimmbild hat sie eine gewisse Charakterschärfe bei den Tönen, die aber gut zur Rolle passt. Der Kontrast zum jugendlichen Liebhaber ist nun sicher noch größer als vor 20 Jahren. Dass das Bühnenbild ohne große Umbauten auskommt, kann man verschmerzen. Dass das ganze Haus voll Bilder aus Normas Glanzzeit hängt, wird am Schluss einmal kurz angedeutet. Man befindet sich meist in der Empfangshalle der Villa mit großer Treppe und Panoramafenster. Die Musik selbst besteht aus wenigen musikalischen Einfällen, die immer wieder aufgegriffen werden, und ist sehr im Big Band-Stil der 40er und 50er Jahre verankert. Wobei mir die Ouvertüre mit ihren düsteren Klangfarben und der Harfe am besten gefällt. Ja, wer Karten hat, unbedingt hingehen.

Quelle: YouTube | WERKSBILD GmbH

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