Opernblog

Tag: "sugar"

Sugar - Nobody’s perfect?

06.11.16 23:14
Sugar - Nobody’s perfect?

In einer Inszenierung von Thomas Enzinger ist derzeit das Musical „Sugar – Manche mögen’s heiß“ im Staatstheater in Nürnberg zu sehen. Jule Styne schrieb 1973 ein Musical nach der Story des Films. Jetzt hat man in den Hauptrollen nicht Marilyn Monroe, Tony Curtis und Jack Lemmon, sondern eher Sophie Berner, Andreas Köhler und Oliver Severin. Auch wenn einen Männer in Frauenkleider eher an den Klamauk um Charlies Tante erinnern, ist die Handlung doch ausgesprochen witzig. Man greift teilweise auf Originaldialoge des Films zurück und auch wenn die Tanznummer den Abend auf fast drei Stunden strecken, man geht doch froh gelaunt aus dem Theater. Bekommt man doch solide Tanznummern, Revue-Einlagen und Gesangsnummern zu sehen. Auf witzige Weise greift das Musical das Thema Gender und Geschlechterrollen auf.

Zu Beginn sieht man einen Nachtklub, in dem sich die Halbwelt amüsiert. Die Damen der Society Syncopators sind in Revuekleidern angezogen und verbringen ihren letzten Auftritt in Chicago. Da zwei Musikerinnen, die Bassistin und das Saxofon aus der Truppe ausgestiegen sind, sucht man Ersatz. Schnell finden sich arbeitslose Musiker ein, die aber das Problem haben: Sie sind Männer. Als Ersatzjob lässt man sie einen Botendienst für den machen für Mr. Bienstock, den Manager der Truppe. Sie sollen aus einer Garage Noten aus dem Auto holen. Aber es ist Wirtschaftskrise in Chicago – 1929 - die Chance steht schlecht, sonst Arbeit zu kommen. Vor einer brennenden Mülltonne und einer Hochhausfassade sammeln sich die Musiker. Dann kommen sie wirklich zu der Garage, wo schon drei Gangster Wache halten. Argwöhnisch lassen sie Joe und Jerry passieren. Dann kommt das Unheil in Form einer steppenden Gangsterformation in Nadelstreifen. Fünf Ganoven um den Anführer Spats Palazzo (Gamasche) machen den Wächtern an der Garage den Garaus. Dies sehen nun Joe und Jerry und sind damit Zeugen der Schießerei. Im nächsten Bild sieht man eine Zugfront des Dixieland-Express. Im Seminole-Ritz-Hotel in Miami soll der nächste Auftritt der Band sein. Um sechs Uhr ist Abfahrt und die beiden Musiker reihen sich in die Damencombo ein. Ausgestattet mit Perücken, Brustattrappen und Stöckelschuhen gehen sie als etwas schrullige, heißere Neuzugänge mit der Damencombo auf Tour. Zuletzt kommt auch noch die Ukuele-Spielerin Sugar Kane zum Zug. Bienstock muss noch die Zeche für das Taxi zahlen und schon ist die Combo perfekt. Sweet Sue, die Chefin der Combo ist immer kurz vor dem Magengeschwür, wegen ihrer Mädels. Schon die Zugfahrt hat einige Tücken parat. So verliert Sugar Kane einen Flachmann, wobei Alkohol in der Mädchencombo eigentlich verboten ist. Die Zurechtweisung erfolgt umgehend. Man macht es sich in den roten Schlafabteilen gemütlich. Die Enge des Zugs ist für die Verkleidung als Frau schwierig, so verlieren die beiden Musiker ihre Perücken, die Brustattrappen verrutschen. Sie werden fast beim Rasieren erwischt und nicht zuletzt schmeißen die Mädchen eine Cocktail-Party im Abteil. Aber eines ist klar, sowohl Joe und Jerry sind dem Charme von Sugar Kane erlegen. Schließlich kommen sie doch heil in Miami an und sind noch unentdeckt. Im warmen Süden warten zur Winterszeit die reichen Millionäre auf nette Damengesellschaft. Darunter auch Sir Osgood Fielding III, der mit seinen Gefährten ein nettes Krückstockballett tanzt. Sir Osgood ist gerade frisch geschieden. Mit den anderen tanzt er mit Stock, dass er noch immer auf Abenteuer aus ist. Er verguckt sich sogleich in Daphne und singt selbst aus Opernarien den Bajazzo. Man kommt schließlich im Hotelzimmer an. Dort hat Joe den Koffer von Mr. Bienstock entwendet. Er ist entschlossen, den Traum vom Millionär für Sugar wahr zu machen. Sie hatte sich im Zug schon geäußert, wie sie sich den Millionär vorstellt.

Im zweiten Akt begibt sich Joe als Shell-Junior an den Strand von Miami Beach, während Jerry als Daphne mit den Mädchen an den Strand folgt. Um einen großen Strandball haben sich die Mädchen versammelt. In dem mittleren der drei Strandkörbe sitzt nun Joe mit einem Fernrohr. Er stellt Sugar ein Bein und nimmt so mit ihr Kontakt auf. Er hätte eine Jacht, sein Hobby wäre Muschelsammeln, daher hätten sie das auch als Firmensymbol gewählt. Jerry ist jetzt ziemlich sauer auf seinen Freund, muss aber unter einem Strandkorb die Flucht ergreifen vor Sir Osgood. Jerry alias Daphne ist sich aber sicher, dass das nichts wird. Er ruft den Musikern im Graben zu, dass sie spielen können, bis sie schwarz werden. Aber der reiche Millionär hätte eine Jacht und ein Truthahndinner arrangiert. Die Mannschaft hätte Ausgang und Daphne und er wären alleine an Bord. Jerry sieht das als Chance, die Jacht des Millionärs zu nutzen und Sugar so weiter zu täuschen. Er verdonnert Daphne dazu, mit Sir Osgood an Land tanzen zu gehen, während er mit Sugar auf der Jacht ist. Die Jacht fährt aus dem Boden und ist mit den Glühbirnen und dem Oberdeck eine beeindruckende Erscheinung. Sugar verfällt der Täuschung. Aber Joe sagt, dass er eine Blockade hat, seit seine Verlobte einen Unfall hatte. Da hilft auch eine kurze Einspielung aus Titanic und die entsprechende Pose nichts. Sein Herz wäre ein Eisblock und Sugar muss ihre gesamte Verführungskunst anwenden, um Joe zu erweichen. Unterdessen hat Daphne einen Verlobungsantrag bekommen. Kurzzeitig ist Jerry wirklich der Meinung, er könne den echten Millionär heiraten. Joe holt ihn da ziemlich unsanft auf den Boden der Tatsachen zurück. Allerdings ist er von dem diamantenen Verlobungsgeschenk beeindruckt. Jetzt haben die Damen einen Auftritt. Auch die steppende Gangstertruppe aus Chicago ist eingetroffen und sucht Joe und Jerry. Dann kommt die wunderbare Nummer „I Wanna Be Loved by You“ von Sugar Kane, sie ist noch ganz sicher, dass sie einen Millionär hat. Jetzt drohen Joe und Jerry aber aufzufliegen. Sie flüchten aus dem Ballsaal des Seminole-Ritz und geben sich Sugar zu erkennen. Diese ist deprimiert und greift wieder zum Alkohol. Spats und ein Gangster stürmen die Damentoilette. Der Rest der Gangstergang meint, in der Toilette wären Joe und Jerry. Es kommt zu Schießerei, bei der alle Gangster im Maschinengewehrhagel sterben. Am Schluss ist man wieder auf der New Caladonia, der Jacht von Sir Osgood. Nun geht auch Daphne aus der Deckung und sagt, dass er Osgood nicht heiraten kann. Sugar und Joe sind auch mit an Bord. Den finalen Satz von Jerry: Ich bin ein Mann, kommentiert Sir Osgood nur mit einem: Nobody’s perfect.

Was ein vergnüglicher Abend im Opernhaus. Auch wenn die Kritiker meinten, die Handlung wäre auf den knapp drei Stunden eher bemüht, empfand ich die Vorstellung als sehr kurzweilig. Man bekommt tolle Tanznummern, Steppnummern und Revueeinlagen zu sehen. Von den bekannten Filmhits von Marilyn Monroe gibt es aber nur einen zu hören. Der Rest wurde im Bigband-Sound dazu komponiert. Es gibt ein ansprechendes Bühnenbild und auch die Story ist frisch und immer noch sehr weit oben in den Film-Rankings. Die Vorlage von Billy Wilder ist einfach gut und gerne erinnert man sich wieder an den Film. Ein paar Ungereimtheiten gibt es in der Filmvorlage ebenfalls. So hatte Shell 1929 nur eine Tankstelle und die Bemerkung von Sugar, sie würde nach Verlassen von Joe immer an jeder Ecke an ihren Millionär durch eine Tankstelle erinnert, greift zumindest rein historisch nicht. Auch das Motiv, als Zeugen des Mordes von Spats umgebracht zu werden, lässt Joe und Jerry länger in Deckung bleiben, als es eigentlich vernünftig wäre. Während Charlies Tante nur an, der Oberfläche kratzt, war „Manche mögen’s heiß“ wegen seiner anrüchigen Story auf FSK18 hochgesetzt. Auch die Schießerei fand man damals als unpassend in einer Komödie. Solche strengen Moralvorstellungen hat man zum Glück heute nicht mehr. Inzwischen wird der Film als beste amerikanische Komödie gehandelt und ein Besuch des Musicals ist lohnenswert.

Quelle: YouTube | Staatstheater Nürnberg

Von • Gallerien: Kultur, Musical • Tags: sugar