Opernblog

Tag: "rigoletto"

Rigoletto vs. Gilda (Vermisst, Troviamo, Missing)

17.06.16 23:42
Rigoletto vs. Gilda (Vermisst, Troviamo, Missing)

Verena Stoiber inszeniert in Nürnberg Verdis Rigoletto. Was zu seiner Zeit 1851 ein wahrer Theaterskandal war, nämlich die Geschichte der Ausschweifungen des Herzogs von Mantua, hat eine neue Facette erhalten. In der Inszenierung ist Gilda nicht die echte Tochter von Rigoletto dem buckligen Hofnarren, sondern des Grafen von Monterone. In der Ouvertüre sieht man, wie Rigoletto die Tochter des Grafen entführt. Das Mädchen wehrt sich heftig gegen die Entführung. Das ist vielleicht ein Erklärungsversuch, warum sich die Tochter und ihr Vater mit „Sie“ anreden und der Hofnarr seine angebliche Tochter so gerne versteckt hält. Man mixt hier den Entführungsfall von Madeleine McCann in Portugal aus dem Jahr 2007 in diesen Verdi rein. Immer wieder sieht man Plakate, auf denen in drei Sprachen (Vermisst, Troviamo, Missing) steht. Auch schleicht der Graf von Monterone wiederholt über die Bühne als Penner mit leerem Kinderwagen, in schmutziger Kleidung und mit Einkaufstaschen.

Die Szene des ersten Akts zeigt einen südländischen Innenhof mit Fenstern und Rollläden. Dieser Hof ist leider in einem erbarmungswürdigen Zustand und drückt vielleicht die Tristesse des Stücks aus. Es findet an einer u-förmigen Tafel die Hochzeit der Gräfin von Ceprano statt. Auch hier stellt der Herzog der Braut immer wieder nach, meist in Begleitung eines Glases Sekt. An der Hochzeitstafel stehen weiße Plastikgartenstühle. Um für seine Avancen freie Bahn zu haben, schlägt Rigoletto dem Grafen vor, Ceprano umbringen zu lassen. Auf der Hochzeitsgartenparty geht es daher hoch her, am Rande links wird sogar gegrillt. Mit einer Grillwurst fuchtelt auch Rigoletto rum. Rigoletto treibt es mit seinen Späßen soweit, dass er den Grafen auf der Hochzeit ins Ohr beißt. Nun taucht der Graf von Monterone mit einem Kinderwagen auf. Monterone wird als Penner mit leerem Kinderwagentrolley dargestellt, der an der Suche seiner Tochter verzweifelt ist. Er ist wirklich in einem erbärmlichen Zustand aus dem Gefängnis gekommen und bringt ein erstes Suchbild seiner Tochter mit. Dieses Fahndungsfoto zerreißt Rigoletto, der den Verbleib von Monterones Tochter verheimlichen will. Er spricht den Fluch auf den Grafen und den Herzog aus. Gilda, die angebliche Tochter von Rigoletto wird in einem Verließ versteckt gehalten. Eifersüchtig mahnt Rigoletto sie, nicht auszugehen, außer in die Kirche. Doch sie hat schon die Bekanntschaft eines armen Studenten gemacht mit Namen Gualtier Maldè, ausgerechnet beim Kirchgang. Dass das niemand anderes als der Herzog von Mantua selbst ist, ahnt Gilda nicht. Aber der versichert ihr seine Liebe und lässt sich von ihr an die Hose fassen, die er halb öffnet. Der Graf flüchtet nun. Warum sie sich bei dem Lied „Gualtier Maldé! ...Caro Nome“ in einer Nachtszene mit dem Messer ritzt, erschließt sich nicht und passt nicht unbedingt zur verträumten, spielerischen Musik. Mitten auf der Bühne sitzt sie mit ihrer Bettdecke und dem Messer, nur warum? Nun schlagen die Höflinge zu und entführen Gilda, die sie für Rigolettos Geliebte halten. Sie halten weiße Tücher hoch und schubsen Gilda hin und her. Rigoletto selbst bekommt bei der Flucht mit der Leiter eine Schweinemaske aufgesetzt, sodass er nicht weiß, dass er bei der Entführung seiner eigenen Tochter mitgeholfen hat. Die Höflinge machten ihm Glauben, man entführe die Gräfin Ceprano. Sie treiben den Spaß so weit, dass sie Rigoletto die Hose runter ziehen. Am Ende ist er verzweifelt.

Im zweiten Akt ist der Herzog nun verärgert, dass man seine neue Geliebte entführt hat. Aus Wut ballert er in die Luft. Die Geliebte wäre aber schon im Palast meinen die Höflinge. Die Höflinge stehen im ersten Stock des Hinterhofs und haben das Wort ‚Ve-nd-et-ta‘ auf die Brust gemalt. Mit aufreizenden Bewegungen im Beckenbereich ärgern sie Rigoletto, der seine Tochter sucht. Dieser ist immer noch an die Leiter gekettet. Er stellt klar, dass die Entführte nicht seine Geliebte ist, sondern seine Tochter. Gilda betritt nur in Unterwäsche bekleidet den Hof. Sie ist schockiert, dass ihr Vater der Hofnarr ist. Rigoletto ist schockiert, dass sich seine Tochter ausgerechnet in den Herzog verliebt hat. Nun taucht erneut Monterone auf mit dem Kinderwagen. Er ist auf dem Weg ins Gefängnis. Der Kinderwagen geht am Ende der Szene in Flammen auf, als Rigoletto beschließt, mit Gilda fortzugehen, und am Herzog Rache zu nehmen. Mit einem Koffer zerrt er Gilda weg vom Hof.

Im dritten Akt ist man im Hause eines Mörders und seiner Schwester. Hinter einer Stuhlansammlung links verstecken sich Rigoletto und Gilda. Rigoletto hat 20 Scudi für den Mord an den Herzog aufgetrieben. Er will seiner Tochter zeigen, dass der Herzog weiterhin Frauen nachstellt. Vier leichte Damen machen klar, dass Sparafucile, der Mörder, ein Bordell unterhält. Seine Schwester Maddalena lockt mit roter Perücke und in Leder die Gäste an. Darunter auch der Herzog, wieder mit Champagner-Flasche. Dass er total testosterongesteuert ist, bringt er mit einem Revolver zum Ausdruck, in dem er in der berühmten „La donna è mobile“-Arie mit der Pistole schießt. Ich fand das ziemlich störend. Eigentlich umgarnt er Maddalena, hier aber bedroht er mit zwei Pistolen Sparafucile und seine Schwester. In der Spelunke von Sparafucile hängen nun noch mehr Suchbilder von Gilda. Aus Liebe zu Maddalena soll aber nicht der Herzog, sondern der Erste umgebracht werden, der an die Tür klopft. Es gibt ein Gewitter und Gilda, die den Plan der Mörder mitgehört hat, beschließt sich für den Herzog zu opfern. Warum der Leichensack, den der Mörder nun übergibt, einen Koffer enthält, ist wieder so ein Rätsel. Eigentlich sollte da Gilda drin liegen, die aber blutüberströmt aus ihrem Verlies kommt. Sie kommt noch einmal zu sich, stirbt aber letztendlich vor Rigoletto, der sie versucht im Clownskostüm von der Bühne zu ziehen.

Musikalisch hat Gábor Káli den Zauber der Oper herbeiholen können. Was in der Premiere bei Markus Bosch als zu laut angemahnt wurde, erschien mir sehr ausgeglichen. Großartig war Mikolaj Zalasinski als Rigoletto. Die Rolle des Herzogs ist dabei ziemlich schwer zu besetzen, David Yim hatte an diesem Abend mit der Partie vor allem in den Höhen etwas Probleme. Michaela Maria Mayer stellte die verzweifelte Tochter gut dar. Ja, bleibt dieser Regieansatz, den ich nur zum Teil für gut befinden kann. Die Geschichte der Kindesentführung erscheint mir zu gewagt, der Borderlineansatz zu isoliert und der dritte Akt mit den Pistolen etwas zu unlogisch. Man könnte sagen, das Ganze ist überinszeniert oder recht weit hergeholt. Dennoch ist der Rigoletto eine schöne Oper, die auch an dem Freitagabend sehr gut besucht war.

Quelle: YouTube | Staatstheater Nürnberg

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Quelle: Soundcloud | Staatstheater Nürnberg
Von • Gallerien: Kultur, Oper • Tags: rigoletto
Rigoletto der Einarmige

Die Verdi-Oper des Südthüringisches Staatstheater Meiningen in einer Inszenierung von Ansgar Haag verlegt den Rigoletto nach 1962 und nach Sizilien. Im Vorspiel sieht man eine Autowerkstatt, es gibt Pasta zum Abendessen. Danach spielt das Kind, vermutlich die kleine Gilda, mit dem Wagenheber des Vaters und verletzt die Mutter tödlich. Der Vater, der versucht, seine Frau zu befreien, wird ebenfalls verletzt. Dies bildet sozusagen die Vorgeschichte während der Ouvertüre. 12 Jahre später sieht man dann, dass der Vater beim Rettungsversuch seinen linken Arm verloren hat. Rigoletto ist in der Inszenierung also nicht bucklig, sondern einarmig. Im anschließenden Ball des Herzogs von Mantua geht es ziemlich freizügig zu, man sieht einige leicht bekleidete Damen und den für Rigoletto typischen Männerchor. Man befindet sich eben in den 70ern mit Schlaghosen und Koteletten. Der Herzog schwärmt von einem Mädchen, das er in einer Kirche getroffen hatte. Der Herzog ist aber als Frauenheld bekannt und hat schon etliche Frauen erobert. So auch die Tochter des Graf von Monterone, der nun von dem Herzog eine Erklärung haben will. Rigoletto macht sich über Monterone lustig. Wutentbrannt verflucht dieser den Herzog und seinen Hofnarren. Beunruhigt durch den Fluch eilt Rigoletto zum Wohncontainer, in dem seine Tochter lebt. Unterwegs trifft er den Mörder Sparafucile, einen mächtig durchtriebenen Bass, der ihm seinen Dienst anbietet. Rigoletto überlegt aber schon dort, sich am Herzog zu rächen. Er geht weiter zu seiner Tochter. Seine Tochter ist das ein und alles. Ihr verbietet er, das Haus zu verlassen, außer zum Kirchgang. Giovanna, ihre Gesellschafterin verspricht aufzupassen. Das das nicht klappt, ist schon kurze Zeit später zu sehen, denn der mittelose Student Gualtier Maldè aus der Kirche ist in Wirklichkeit der Herzog. Auch der Herzog erkennt in der schönen Unbekannten Rigolettos Tochter. Die Tochter schwärmt auf den Stufen zu ihrem Wohncontainer von ihrem Gaultier Maldè. In der nun folgenden Nachtszene versuchen die Höflinge Rigoletto eines auszuwischen. Mit verbundenen Augen und einer Leiter geben sie vor, die Gräfin Ceprano zu entführen. Die Leiter wird aber an das Haus von Rigoletto angelehnt und Rigolettos Tochter entführt. Erst nach den Rufen Gildas nimmt er die Maske ab und erkennt, dass ihm übel mitgespielt wurde.
Im Palast des Herzogs serviert man unterdessen Espresso. Der Herzog ist ziemlich aufgebracht, dass man seine Geliebte entführt hat. Man gibt aber zu, dass Gilda inzwischen im Schlafzimmer des Herzogs ist, was diesen wiederum freut. Die Höflinge erfahren nun, dass sie mit Gilda nicht Rigolettos Geliebte, sondern dessen Tochter entführt haben. Rigoletto sieht nun, wie seine Tochter im leichten weißen Nachtkleid aus dem Schlafzimmer des Herzogs kommt. Sie wurde nun auch vom Herzog entehrt. Nun erscheint wieder Monterone. Jetzt hat Rigoletto plötzlich Sympathien für ihn, da seine Tochter ebenso vom Herzog entehrt wurde, wie die Tochter von Monterone. Er beschließt Rache am Herzog zu nehmen.
Dreißig Tage später ist man im Haus des Mörders Sparafucile. Seine Schwester ist im leichten Negligé die nächste Beute des Herzogs. Mit denselben Worten, wie er Gilda verführt hat. Das berühmte ‚La donna è mobile‘ singt der Herzog, während er Maddalenas Nylonstrümpfe auszieht. Mit 10 Scudi hat Rigoletto eine Anzahlung gemacht, um in der Gewitternacht den verkleideten Herzog umzubringen. An die Fensterscheiben tropft sogar echter Regen. Maddalena hat sich nun ebenfalls in den Herzog verliebt und fleht den Bruder an, den erstbesten zu ermorden, der bei dem Gewitter an die Tür kommt. Man kappt die Telefonleitung, damit keiner telefonisch Hilfe holen kann. Der erstbeste Besucher soll dann in einen Sack gesteckt werden und als Leiche herhalten. Gilda belauscht die Unterhaltung und beschließt nun, sich für den Herzog zu opfern. Sie wird im Bühnenhintergrund von Sparafucile umgebracht. Um Mitternacht nimmt nun Rigoletto den vermeintlich toten Herzog in Empfang. Er ist schon auf dem Weg zum Fluss mit der Leiche, als er die Stimme des Herzogs vernimmt. Er erkennt, dass er getäuscht wurde und in dem Sack ein anderer liegt. Er öffnet den Sack und sieht seine schwer verletzte Tochter drin. Diese bittet in einer langen Arie ihren Vater noch um Vergebung und stirbt schließlich. Rigoletto erkennt nun, dass sich der Fluch Monterones an ihm erfüllt hat.
Ich muss zugeben, so in den 60er und 70er Jahren einen Rigoletto spielen zu lassen, ist neu. Rigoletto ist eine sehr erfolgreiche Oper und man erwartet meist eine klassische Handlung. Der Rahmen, die Ausschweifungen des Herzogs von Mantua zu zeigen, tritt bei der Verlegung in die Neuzeit in den Hintergrund. In den 70er Jahren scheint so ein diabolischer Frauenheld eher unwahrscheinlich. So dauert es eine Weile, bis die Inszenierung funktioniert. Es bleibt bei einem Bühnenbild und der kleine Container muss mal als Gildas Wohnung, Schlafzimmer des Herzogs und als Spelunke Sparafuciles herhalten. Philippe Bach und die Meininger Hofkapelle liefern aber letztlich eine solide musikalische Begleitung ab.

Von • Gallerien: Kultur, Oper • Tags: rigoletto

Rigoletto

19.11.08 23:18

Da hatte die Aufführung in Nürnberg schon einen schweren Stand. Die Oper ist wirklich sehr eingängig, so dass sie gut in Erinnerung bleibt. Eines muss man der Aufführung lassen, sie ist sehr werkgetreu und fällt in wenigen Punkten aus dem Rahmen. Die Kostüme sind alle im Stil des 19 Jhd. angesiedelt. Die Bühnendekoration ist eher kahl und sparsam. Das rauschende Fest in dem Palast des Herzogs von Mantua ist durch schwarze Wand mit eingebauten Kassetten, in denen Menschen feiern, dargestellt. Etwas zusammenhanglos erscheint der Auftritt des Grafen von Monterone, der Rigoletto schließlich mit einem Fluch belegt für dessen Spott. Gut umgesetzt ist dagegen das Zimmer der Gilda und bei ihrer großen Arie Caro Nome, kommt die Sopranistin Claudia Katharina Braun voll zum Zug. Die Arie der Gilda ist quasi der Höhepunkt des ersten Akts. Bis auf einige Schwächen bei den Hörnern, ist die Aufführung im ersten Akt gut gelungen. Gut umgesetzt ist auch der zweite Akt, bei dem Rigoletto erfährt, dass seine Tochter den Herzog von Manuta liebt. Das La Donna e Mobile gerät im dritten Akt dann auch sehr gut. David Yim gelingt da wirklich eine sehr gute Umsetzung dieses Verdi-Hits. Auch die Schenke des Mörders Sparafucile ist gut dargestellt. In einem aufgeschnittenen Zylinder befindet sich im oberen Geschoss ein halbrundes rotes Bett, unten ein Tisch für den Herzog. Über eine Steigeisenleiter müssen die Darsteller immer wieder in den oberen Stock klettern. Etwas zu wünschen übrig lässt Gildas Verkleidung als Mann. Den Vorsatz Sparafucile, den nächsten Mann, der zur Tür hereinkommt zu ermorden, geht somit etwas daneben. Auch die Sterbeszene ist etwas eigenwillig umgesetzt. Während Rigoletto seine Tochter bereits tot in den Armen hält, steht Gilda in rot gekleidet hinter einer Parkbank und singt ihre Arie. Das kommt zwar der Arie zu gute, ist aber szenisch etwas seltsam.

Alles in allem, ein gelungener Opernabend, der auch ein kritisches Publikum zufrieden stellen kann. Die Oper hatte 2001 in der Inszenierung Premiere.

Von • Gallerien: Kultur, Oper • Tags: rigoletto