Opernblog

 

Rigoletto und der Herzog von Manuta

Im Nationaltheater in München wurde in dieser Spielzeit der Rigoletto wiederaufgenommen in einer Inszenierung aus dem Jahr 2012 von Árpád Schilling. In der Aufführung wird eine Reduktion der Oper auf das Wesentliche vorgenommen, sodass man fast von einer konzertanten Aufführung sprechen kann. Wäre da nicht eine illustre Schar von Sängern und nicht zuletzt das Bayerische Staatsorchester, das die ganze Aufführung dieser Verdi Oper vor allem hörenswert erscheinen lässt.

Schon zu Beginn sieht man eine beige Tribüne mit Schaufensterpuppen und echten Personen gemischt, was einen überraschenden Effekt hat. Man erkennt nicht so leicht aus den Rängen, welche Personen auf den Tribünen echt sind und welche nicht. Das überrascht dann teilweise doch. Bei dem Ball im Palast des Herzogs von Mantua findet mit einem Orchester auf der Bühne statt. In einer Art Stagediving wird der Herzog über die Köpfe der Höflinge heruntergereicht. Der Herzog hat Interesse an der Frau von Ceprano. Die Bühne teilt sich in einem Drittel und es erscheint der Graf von Monterone und spricht einen Fluch gegen Rigoletto und den Herzog aus, da der Herzog von Mantua seine Tochter verführt hat. Monterone erscheint in einem Anzug ohne Hemd darunter. Es ist zwar schon von Vorteil, dass die Sänger auf einer Art überdimensionalen Koffer am Rand der Bühne singen, jedoch wirkt das alles sehr statisch und sehr rückwärtsgewandt. Zudem lässt die mangelnde Ausstattung die Sänger oft ratlos auf der Bühne zurück, wie sie beispielsweise den Fluch den Monterone ausspricht, verdeutlichen sollen. Es wird auch nicht klarer, warum Rigoletto auf einer Art Hochradrollstuhl sitzt, wenn er das erste Mal mit dem Mörder Sparafucile spricht. Die nun folgende Zimmerszene bei Rigoletto im Haus, als er das erste Mal auf Gilda trifft, wird nur durch einen langen grauen Vorhang verdeutlicht. Wer jetzt die Geschichte nicht genau kennt, erahnt nicht, dass man inzwischen im Haus des Narren ist, der seine Tochter vor den Leuten versteckt. Er bittet die Gesellschafterin Giovanna, niemand ins Haus zu lassen, vor allem nicht den Herzog selbst. Diese Bitte wird ad absurdum geführt, denn bei einem Kirchgang hat Gilda, seine Tochter, schon einen angeblich jungen Studenten Gualtier Maldè kennengelernt. Hinter dem mittellosen Studenten verbirgt sich aber niemand anderes als der Herzog selbst. Der entschwindet nach einem Duett wieder und Gilda schaut ihm von dem Koffer aus nach und singt ihr Caro Nome. Nun nimmt die Handlung fahrt auf. Rigoletto wird mit einer Maske versehen und halb blind angeblich zum Haus der Gräfin von Ceprano geführt. Die Höflinge machen sich einen Spaß daraus, einen Streich zu erfinden. Rigoletto wird so blind nämlich an sein eigenes Haus geführt. Erst als er dann Gildas Hilferufe hört, wird ihm klar, dass er gerade geholfen hatte, seine eigene Tochter zu entführen.

Im zweiten Akt sieht man einen ungeduldigen Herzog in einem bunten Morgenmantel. Er vermisst seine letzte Eroberung und steht in einer Art Vorhangkreis. Die Höflinge kommen nun auf die Bühne und stehen nur als Statisten rum. Rigoletto schleicht über die Bühne und bittet flehentlich, seine Tochter wieder zu bekommen. Die Höflinge sind erstaunt, da sie nicht wussten, wer Gilda ist. Dachte sie doch, es wäre die Geliebte. Gilda erscheint nun ebenfalls im bunten Morgenmantel. Rigoletto erkennt, dass der Herzog seine Tochter entehrt hat. Nur kurz sieht man eine übergroße Pferdestatue, die die Höflinge hereinschieben. Der Vorhang geht extrem schnell zu. Es folgt eine Aussprache von Vater und Tochter vor geschlossenem Vorhang. Als nun der Graf von Monterone beklagt, dass er den Herzog vergeblich verflucht hätte, schwört Rigoletto mit der Hilfe von Sparafucile und dessen Schwester Rache zu nehmen. Der Herzog hat inzwischen Sparafuciles Schwester als neue Eroberung ausgemacht und Gilda muss zusehen, wie er die schmeichlerischen Worte wieder an einer anderen ausprobiert. Es kommt zu einem Quintett auf dem Koffer am Bühnenrand, was etwas bemüht ist.

In der Spelunke Sparafuciles sieht man nun wieder diesen Hochradrollstuhl. Auf den Stellagen sitzen die Höflinge. Diesmal leuchten deren Masken. Der Herzog ist in dieser Gewitternacht müde und legt sich auf die Ränge der Bühne. Sparafuciles Schwester bitten nun den Auftragsmord gegen den Herzog fallen zu lassen. Es soll der Erste sterben, der durch die Tür des Nachts zur Spelunke kommt. Es erscheint Gilda im weißen Kleid. Die hat alles mitgehört und beschließt als letzten Liebesdienst für den Herzog zu sterben. Statt an der Tür zu klopfen stampft sie laut auf. Wenig später sitzt Gilda in dem Hochstuhlrollstuhl und Sparafucile schneidet ihr die Kehle durch. Maddalena schüttet derweil graue Farbe auf das weiße Kleid. Anstatt in einem Sack zu landen, wie vereinbart, liegt Gilda in dem Hochradrollstuhl. Rigoletto meint, er hätte nun nach dem Auftragsmord, den Herzog von Mantua besiegt. Sein Auftritt in Frack soll ihn als Sieger dastehen lassen. Als er diesen aber nun singen hört, weiß er, dass der Mord an jemand anderem begangen sein muss. Rigoletto entdeckt nun im Rollstuhl seine Tochter, die ihr Leben gerade aushaucht. Statt aus einem Leichensack, singt Gilda die letzten Takte stehend und geht ins Licht. Rigoletto jammert über den Fluch des Monterone, der ihm die eigene Tochter genommen hat.

Hätte es nicht die tolle Besetzung gegeben an dem Abend, wäre man von der Inszenierung sicher enttäuscht. Diese lässt die Sänger oft ratlos am Bühnenrand zurück, wie sie die Leere der Bühne jetzt am besten füllen sollen. Benjamin Bernheim, der an dem Abend sich wegen Erkältung ansagen ließ, lieferte dennoch eine hervorragende Gesamtleistung als Herzog von Mantua ab und stand hoch in der Publikumsgunst. Man fragt sich, wie der eigentlich singt, wenn der gerade mal nicht erkältet ist. Das kann man sich auf einer CD mit der Prague Philharmonia anhören, die wirklich sehr schön ist. Bernheim war für mich an diesem Abend eine echte Entdeckung. Ludovic Tézier als Rigoletto stellt den gebrochenen Vater mit einem wunderbaren Bartiontimbre dar. Erin Morley als Gilda hatte eine sehr schöne, zarte Gilda parat, die vor allem an den leisen Stellen brillierte. Das Bayerische Staatsorchester unter der Leitung von Paolo Carignani spielte sehr sauber durch diesen packenden Verdi. Wäre da nicht die Regie gewesen, hätte es ein ungetrübter Opernabend werden können.

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Von • Gallerien: Kultur, Oper

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