Opernblog

Gallerie: "Musical"

Hair - Let the Sunshine In

27.02.18 22:10
Hair - Let the Sunshine In

Als Gastspiel der Frank Serr Showservice Int. wurde in Fürth einmalig Hair gezeigt. Das Musical aus der Flower-Power-Zeit sorgte seinerzeit mit der Geschichte um Drogen, freie Liebe und Frieden für ziemlichen Aufruhr. Man muss sich aber vor Augen halten, dass man hier die Musicalversion von Hair sieht und nicht die Filmadaption von Miloš Forman. Es gibt keine Geschichte um die Millionärstochter und Claude, auch die Eltern hat man gnadenlos gestrichen. Auch fehlt die Verwechslungsgeschichte am Ende, als George und Claude die Rollen tauschen.

Los geht es eigentlich schon im Foyer, als uns ein Hippie um ein Bier anschnorrt. Er gibt nicht nach, bis wir wirklich den 1,50 EUR springen lassen und ihm ein Pils kaufen. Auch auf der Bühne im Stadttheater entfaltet sich schon vor dem eigentlichen Stück Flower-Power. Auf der Bühne wird getanzt und geklatscht, in den ersten Reihen wird rumgetollt. Echte Anarchie eben. Die Generation 50 plus im Saal nimmt es gelassen hin. Es steht ein Stahlgerüst auf der Bühne, das etwas an eine Mondlandefähre erinnert. Links daneben ist eine Liveband. Man bezeichnet das Stück gerne als Musical ohne Libretto, denn die Handlung ist nur schemenhaft zu erkennen. Claude hat seinen Einberufungsbescheid erhalten und trifft in New York Berger und Sheila. Während sich Claude entscheiden muss, ob er dem Einberufungsbescheid nach Vietnam Folge leisten will, versuchen sich die Hippies in einem Tribe um Berger als Aussteiger. Es gibt eine Friedensdemo, bei dem das Publikum mitskandieren soll. Gespielt wird meist in Englisch, aber zum besseren Verständnis hat man auch eine deutsche, schwangere in den Tribe gemischt. In der WG geht es nur um Drogen. Die Frage ist nicht, ob man hier in der WG Drogen nimmt, sondern warum es Leute gibt, die keine nehmen. Es stellen sich einige Mitglieder des Tribes vor. Es erscheint sogar ein Mitglied des Tribes mit einem Freiheitsstatuen-Kostüm und einer übergroßen Tüte Marihuana. Zwischen George Berger und Sheila ist es auch nicht unbedingt einfach, als sie ihm ein gelbes Satinhemd schenkt, dass er vor ihren Augen zerreißt. Er mag kein Gelb, die Begründung. Man feiert sich im ersten Akt hauptsächlich selbst und verhackstückt schon mal die US-Hymne. Dies ist bisweilen ziemlich laut. Man entledigt sich der Zwänge und verbrennt in einer Tonne symbolisch BHs und Einberufungsbescheide. Es folgt das Hare-Krishna-Lied und gegen Ende des ersten Akts sind die Darsteller tatsächlich fast nackt, was durch das Dunkel auf der Bühne etwas verschämt angedeutet wird.

Im zweiten Akt nimmt die Handlung etwas Fahrt auf. Der Tribe will seine Liebe als Protest gegen die Einberufung von Claude an das Wehramt senden. Die Rassenthematik kommt zum Thema, wobei die Mulit-Kulit-Truppe damit scheinbar kein Problem mehr hat. Es gibt eine schöne Musiknummer mit LED-Kerzen, die der Anfangsszene des Films angelehnt ist, bei der die Einberufungen verbrannt werden. Man veralbert mit einer Pseudoerschießung das Militär. Auch wenn es damals keine LED-Effekte gegeben hat, so in bunt ist das schon sehr schön anzusehen. Claude bekommt schließlich seine langen Haare geschoren. Der Tribe kann die Einberufung von Claude nicht verhindern. Claude stirbt letztendlich im Vietnamkrieg und bekommt ein Heldenbegräbnis unter der Flagge. Zum Finale kommt das Bekannte: Let the sun shine in… Spätestens hier, rockt das ganze Publikum mit. Die Musik mit seinen 30 Einzeltiteln von Galt MacDermot hat letztendlich gesiegt. Im Programmheft wird versprochen, dass man sich nach der Aufführung jünger fühlt. Auf einen Teil des Publikums scheint dies wirklich zuzutreffen.

Das Ganze mutet etwas wie ein blumiger Blick zurück in die 68er Generation an. Die hat längst selbst im Saal des Stadttheaters Platz genommen und sieht ihrer eigenen Vergangenheit entgegen. Es ist eine Zeitreise, bei der man heute oft fragt: War das wirklich alles so? In Zeiten von sozialen Netzwerken scheinen solche Freiräume pure Utopie. Liebe, Drogen und Musik: Kein Blick aufs Handy oder mal kurz was auf Facebook checken. Die Freiheit liegt wohl schon 50 Jahre zurück. Allerspätestens im Finale des zweiten Akts ist man mitten drin: Let the Sunshine In.

Von • Gallerien: Kultur, Musical • Tags: hair

In einer deutschen Erstaufführung zeigt das Stadttheater Fürth ‚Die Story meines Lebens‘, ein Musical von Neil Bartram und Brian Hill. Das zwei Personen-Stück kommt dabei ohne großes Bühnenbild aus. Ein paar Stapel mit dickem, weißen Papier, eine Leiter von der Decke, eine Tür und ein Podium; das war es dann aber auch für Martin Maria Blau. Man soll sich bei dem Stück ganz auf die Dialoge der beiden Hauptdarsteller konzentrieren. Im Wesentlichen geht es dabei um einen erfolgreichen Buchautor namens Thomas Weaver, der eine Grabrede für seinen besten Freund Alvin Kelby halten soll. Thomas Borchert als Thomas versucht dabei, die leeren Blätter mit Inhalten zu befüllen. Leider fällt ihm zu seinem Freund zuerst nicht viel ein, als er alleine auf der Bühne sitzt. Ein paar Minuten später kommt sein Freund als Geist ihm zu Hilfe. In 1h 45min ohne Pause entwickelt sich zuerst langsam, dann aber doch spannend die Geschichte seiner Freundschaft mit Alvin (Jerry Marwig). Thomas leidet etwas unter einer Schreibblockade. Aufgezogen ist die Story chronologisch in Geschichten der beiden Personen seit ihrer Schulzeit. Es beginnt mit einer Episode aus der ersten Klasse. Eine Miss Wilkinson mit Damenbart ist Lehrerin. Thomas verkleidet sich zu Halloween als Engel Clarence aus dem Film: Ist das Leben nicht schön? Alvin ist der einzige, der seine Verkleidung erkennt. Alvin hat sich als seine Mutter mit Bademantel und Lockenwickler verkleidet, die zu dem Zeitpunkt schon tot ist. Etwas später bekommt Thomas von Alvin im Buchladen von Alvins Vater ein Buch mit den Abenteuern von Tom Sawyer geschenkt. Das Buch verändert Thomas Leben und er beschließt, Autor zu werden. Alvin ist immer der Außenseiter, der als Freigeist beschrieben werden kann. Während Thomas aus der Kleinstadt ausbrechen will und auf das College will, bleibt Alvin als Hilfe beim Buchgeschäft seines Vaters. Es kommt noch mal zu einem Halloween, wo sich Alvin noch Mal als seine Mutter mit Lockenwicklern verkleidet. Highschool-Jungs verfolgen ihn, ziehen im den Nachtmantel der Mutter aus und werfen ihn in den Fluss. Alvin erzählt nun, dass die Erinnerungen an seine Mutter verblasst sind und der Nachtmantel die einzige Erinnerung war. Zur Aufnahme ins College muss Thomas eine Geschichte abgeben. Er schreibt die Geschichte vom Schmetterling, der das Wetter mit seinem Flügelschlag beeinflusst. Dies ist eine Geschichte, die er zusammen mit Alvin erlebt hat. Zum Abschied gibt Alvin Thomas einen Kuss auf den Hals, es soll der erste von vielen Abschieden werden. Regelmäßig zu Weihnachten kommt Thomas aber wieder nach Hause und macht mit seinem Freund Engel im Schnee und sehen den besagten Film. Thomas schreibt wieder an einer Kurzgeschichte, hat aber immer noch keine Idee. Es kommt, wie es kommen muss. Thomas bringt eines Tages Anne mit, ein Fan. Alvin ist wenig begeistert. Aber auch für Thomas läuft es nicht rund. Er überlegt, ob die Beziehung zu Anne nicht etwas früh kommt. Überhaupt hat er wenig Zeit, wegen seiner Karriere. Er kommt auf die Idee nach dem Tode von Alvins Vater, diesen in die Stadt einzuladen. Während sich Alvin ziemlich freut, ist Thomas immer mehr im Stress. Er erzählt seinem Freund nicht, dass er die Beziehung zu seiner Freundin pausieren will, um an seiner Karriere zu arbeiten. Die Freundin reagiert mit Unverständnis. Thomas bitte darauf hin Alvin nicht in die Stadt zu kommen. Alvin ist bitter enttäuscht, dennoch bleibt er ein großer Fan von Thomas, der als Kurzgeschichten immer Geschichten aus der Jugend mit Alvin niederschreibt. Er erinnert sich daran, als er Alvin das letzte Mal gesehen hatte. Jetzt kommt raus, dass Alvin Selbstmord begangen hatte. Eine Enttäuschung mit Thomas war die Grabrede für Alvins Vater. Statt eine eigene Geschichte für den Vater von Alvin zu schreiben, zitiert Thomas nur einen bekannten Schriftsteller. Wieder ist Alvin enttäuscht und hält die Grabrede für seinen Vater selbst. Eine Woche später, so erfährt man dann springt Alvin an Weihnachten von der Brücke. Diesmal überwindet Thomas seine Schreibblockade und schreibt eine Grabrede für Alvin, die als einer Sammlung Geschichten für Alvin besteht.

Das Musical beginnt sehr langsam, fast zäh. An vielen Stellen diktiert Alvin Thomas, was er schreiben soll. Thomas wiederholt das Gesprochene, während er es niederschreibt. So nach und nach dämmert es auch Thomas, dass er am Tode Alvins nicht unschuldig ist. Ein wesentliches Element ist dabei der Film ‚Ist das Leben nicht schön?‘ aus dem Jahr 1946. Dort will sich die Hauptperson Weihnachten von der Brücke stürzen, wie es dann Alvin auch getan hat. Ein Engel hält ihn davon im Film ab, der ihm zeigt, wie seine Heimatstadt ohne ihn aussehen würde. In einer Tradition sehen sich Thomas und Alvin den Film immer wieder zu Weihnachten an. Während Thomas die Trauerrede entwickelt, stellt er fest, dass er am Tode seines Freundes nicht unschuldig ist. Gerade der Moment, wo man entdeckt, wie wichtig Alvin im Leben des Schriftstellers Thomas war, macht das Musical spannend. Zu recht erhält Thomas Borchert und Jerry Marwig am Ende stehende Ovationen. Mir hat es gefallen, ein leises Musical mit Emotionen, sehr weit von den poppigen Disney-Musicals weg, die man so kennt. Die Texte wurden von Thomas Borchert selbst aus dem Englischen übertragen. Eine Viermann-Band liefert die Musik zu den Texten.

Quelle: YouTube | Stadttheater Fürth

Von • Gallerien: Kultur, Musical • Tags: die story meines Lebens
Kiss me Kate-Festspielzeit

Manchmal nutzt man die letzte Chance, so wie diese Aufführung von ‚Kiss me, Kate!‘ bei den Feuchtwanger Festspielen. Johannes Kaetzler inszeniert relativ sparsam, nur zwei verschiebbare Quader bilden die Garderoben der Künstlertruppe, die eine musikalische Umsetzung der ‚Widerspenstigen Zähmung‘ von Shakespeare in Baltimore wagt. Dieses Stück im Stück war der größte Erfolg von Cole Porter. Dass die Big Band nur aus sieben Mann besteht, tut diesem Stück dabei aber keinen Abbruch. Was zählt, ist die Spielfreude der Truppe um Fred Graham. Natürlich hat er die Hauptrolle des Stücks mit sich selbst besetzt. Die weibliche Hauptfigur der Katharina spielt prickelnder Weise, seine Ex-Frau, die vor einem Jahr die Scheidung eingereicht hatte. Diese ist inzwischen mit dem Gerneral Howell liiert, mit dem sie auch regen Telefonkontakt pflegt. Unterdessen stellt Fred Lois Lane nach, der er auch Blumen schickt. Dabei müssen das Veilchenimitat aus Plastik einiges aushalten, denn anstatt bei seiner Geliebten, bei seiner Frau. Einzig ein Brief verrät, dass die Blumen an die falsche Adresse geliefert wurden. Fred weiß um die Brisanz des Briefes und versucht an diesen zu kommen, der landet aber bei Lilli Vanessi im Ausschnitt. Sie soll ihn später während der Vorstellung lesen und mit dem Ausruf ‚Miststück‘ zu einer Schlagattack in den Unterleib von Fred ausholen (im Original beißt sie ihn sogar). Dieser lässt sich das auch im Stück nicht gefallen und schlägt massiv zurück, sodass Lilli in der Folge nicht mehr sitzen kann. Sie beschließt, ihren Mann anzurufen und die Vorstellung abzubrechen. Fred sind schon in den ersten Szenen zwei Gangster aus der Unterwelt von Baltimore auf den Versen. Er hätte einen Schuldschein über 10000 Dollar unterzeichnet. Zuerst leugnet er, die Unterschrift sei falsch. Dann kommt er aber auf die Idee, den Gangstern die Lage zu erklären. Diese sind mit Pistolen bewaffnet und wollen das Geld. Fred sagt, er könne das Geld nur zahlen, wenn sie Lilli dazu zwingen, die Vorstellung zu Ende zu spielen. Die Gangster bekommen auch Pumphose und Perücken, tragen allerdings Jacketts. Sie sind somit die absolute Lachnummer, allein die Mimik der beiden Darsteller spricht Bände. Sie passen auf der Bühne immer auf, dass Lilli ihren Auftritt auch weiterspielt. Als ein kleiner Vogel von dem Baum auf der Bühne mit einem Draht herabgelassen wird, schießt einer der Gangster den Vogel wirklich ab. In der Zwischenzeit macht das Ensemble Pause. Bei 15 Grad ist das ‚Viel zu heiß‘ eher ein frommer Wunsch. Auch die zwei Bühnenarbeiter, die eine Flasche Bier auf Ex trinken, haben eine Erfrischung an diesem Abend sicher nicht nötig. Lilli holt nun den General zu Hilfe. Dieser erscheint polternd mit viel Soldaten im Schlepptau auf der Bühne. Ein paar Gags zur Anspielung auf die Präsidentenwahl in den USA, das ist die Karriere, die General Howell plant, lassen einen ob der politischen Lage außerhalb des Theaters eher erschaudern. Auch hatte der General eine Affaire mit Lois Lane, die er auch nach der Heirat mit Lilli fortzusetzen gedenkt. Alle Andeutungen von Lilli, dass sie bedroht wird, weiterzuspielen, schlägt der General in den Wind. Die anschließende Wendung, dass die Gangster den Schuldschein schließlich zerreißen, weil der General und ihr Chef gemeinsame Sache machen, erscheint etwas unplausibel. Im Original wurde der Auftraggeber liquidiert. Als sie nun die finale Szene ohne Lilli spielen sollen, kommt Lilli doch auf die Bühne, diesmal freiwillig und spricht ihren Dialog mit Fred zu Ende.

Ich war von der Vorstellung sehr angetan. Es gab zwar einige Anspielungen auf die Provinz, die politische Lage in Amerika und ein paar platte Gags - so hatte ein Schauspieler einen Geldbeutel zum Ausstopfen der Hose verwendet - dennoch fand ich die Aufführung sehr gelungen. Nach wie vor finde ich die Botschaft des Stücks: Verprügle die Ex-Frau und sie kommt zurück, fragwürdig. Das sah man 1949 sicher noch anders. Die beiden Gangster bei ihrer Nummer: ‚Schlag nach bei Shakespeare‘ sind einfach köstlich. Die Herren sehen teilweise in den Langhaarperücken des Stücks ganz anders aus und man muss zweimal hinsehen, bis man die Schauspieler wieder erkennt. Zum Shakespeare-Stück hat man aber auch Kostüme aus der Zeit an. Eine gute Lautsprecheranlage kommt eigentlich nur bei den Gesangsstücken zum Einsatz, die Texte sprechen die Schauspieler ganz unverstärkt. Gefallen hat mir an diesem Abend auch Judith Peres, welche die Lilli ganz emanzipiert und mit gute Stimme spielte. Auch der fränkische Himmel hielt seinen Regen an diesem Abend zurück bis zum Ende der Vorstellung, sodass die Notfallponchos ungeöffnet blieben.

Von • Gallerien: Kultur, Musical, Festspiele
Bodyguard – verblasster Glanz

Was macht man mit einer einst sehr erfolgreichen Sängerin, die 2012 gestorben ist und viele Nummer 1 Hits hatte. Bevor sie ganz in Vergessenheit gerät, setzt man ein Musical auf mit allen ihren Hits. Das Ganze verpackt man in ein Zelt an den Dom und schon hat man einen Musical Hit. Vielleicht liegt der ausgebliebene Wow-Effekt einfach daran, dass hier die Rede von Whitney Houston ist und ich schon damals kein großer Fan ihrer Songs war. Jemand zu finden, der die Songs genauso bringt, wie diese Ausnahmekünstlerin, ist sicher sehr undankbar. Zudem saßen wir in Reihe 9, Platz 40/41 und damit direkt vor der Box.

Der laute Knall vor dem ersten Stück „Queen of the Night“ lässt einen ziemlich zusammenzucken. Whitney Houston spielte in dem Film aus dem Jahr 1992 eine erfolgreiche Sängerin namens Rachel Marron, die von einem Stalker verfolgt wird. Man sieht in den ersten Szenen, wie der Bodyguard namens Frank Farmer angeworben wird, für die Sicherheit des Stars zu sorgen. Dieser weigert sich und wird mit Geldangeboten geködert. Schließlich wird er doch schwach und willigt ein, Rachel zu beschützen. Es gibt einen Vorfall, bei dem ein rotes Kleid entwendet wird. Die Sicherheitsstandards sind niedrig in dem Haus von Rachel, sodass es ihm ohne Probleme gelingt ins Haus vorzudringen. Frank bringt also die Sicherheitsstandard auf Vordermann, worüber Rachel gar nicht begeistert ist. Sie möchte nicht in Angst leben, die Briefe des Stalkers hat man vor ihr geheim gehalten. Rachel hat zudem ein 10-jähriges Kind, das Frank ein rotes ferngesteuertes Auto zeigt. Beide kommen ins Gespräch. Rachel hat auch noch eine Schwester Nicki, die in einem Nachtclub singt. Frank besucht deren Auftritt, um sie zu beschützen. Schließlich wird die Lage brenzlig, als der Stalker sich ins Haus einschleicht und den Sohn Fletcher bedroht. Rachel möchte einmal in die Stadt gehen und da der Bodyguard keine Begleitung erlauben würde, entschließt sich Rachel, mit Frank in die Stadt zu gehen. Sie gehen in eine Karaoke-Bar, in dem schrecklich schräg gesungen wird. Auch Frank gibt ein Lied zum Besten und der Darsteller kann tatsächlich nicht singen. Als Frank Rachel auffordert, einen ihrer Songs zu singen, wird dieser Auftritt viral und findet sich auf vielen Handys wieder. Sie ist das Gespräch der Stadt anschließend. Anschließend ist Frank mit Rachel im Bett. Inzwischen versucht man die Herkunft einer E-Mail zu klären. Man bekommt bei der Schlussszene einen Verdacht, dass Nicki aus Eifersucht gehandelt haben könnte und den Stalker selbst engagiert hat.

Wieder mit einem lauten Knall beginnt der zweite Akt. Frank ist mit der ganzen Gefolgschaft in das Blockhaus seiner Eltern geflohen. Hier erfährt man, dass Frank bei einem Einsatz bei einem Gouverneur versagt hat. Auch wäre er zu spät wegen des Einsatzes zum Tod seiner Mutter gekommen. Nicki gibt schließlich zu, auf eine E-Mail des Erpressers an ihre Schwester geantwortet zu haben. Der Erpresser schleicht sich in die Blockhütte und ersticht Nicki, als sie im Wohnzimmer des Blockhauses alleine ist. Es kommt zur Oscar-Verleihung, bei der man einen erneuten Anschlag auf Rachel erwartet. Der Erpresser hat die Beziehung zu Frank mitbekommen, daher beschließt Frank sich zu trennen. Beruf und Karriere gehen ihm vor. Inzwischen hat Rachel auch eingesehen, dass sie Schutz braucht. Es kommt zum großen Finale. Es rückt die Security im Musicaldome aus und erschreckt unbedarfte Handynutzer bei der Nutzung von WhatsApp mit einem barschen: Handy aus! Bei der Oscar-Verleihung wirft sich Frank vor Rachel und schützt sie. Angeschossen treffen sie sich ein letztes Mal in der Wohnung, wo Frank seinen Nachfolger vorstellt. Mit der letzten Nummer „I will always love you“ endet das Musical.

Wenn man jetzt ein Fan von altersgerechter Beschallung ist, ist man nach dem Muscial hin und weg. Die Auftritte der Rachel werden eingerahmt mit Tänzern und Feuerfontänen. Die Gigs sind echt ein Hingucker und als sie zum Schluss mit vielen Spotlights angeleuchtet nach oben fährt im schwarzen Kleid, ist gelungen. Leider muss ich sagen, dass ich auch nach dem Musical und der ganzen Lektüre über Whitney Houston kein Fan der Diva geworden bin. Es war ok, da wir in Köln waren und die Kartenpreise stark gefallen waren, haben wir uns das Stück angesehen. Whitney Houston quasi im Ausverkauf – oder wie schnell doch der Starruhm verblasst.

Von • Gallerien: Kultur, Musical • Tags: bodyguard
Luther - Rebell Gottes

Am Stadttheater in Fürth kann man derzeit die Uraufführung des Musicals Luther-Rebell Gottes sehen. Nina Schneider erzählt dort in einem Rückblick Luthers Leben nach einer Idee von Wolfgang Adenberg. Die Inszenierung von Werner Bauer setzt dabei ganz auf Lichteffekte und Projektionen, sonst wären die 21 Ortswechsel schwer zu stemmen. Durch neue Überblendungen entsteht so eine rasante Revue durch Luthers Leben.

Es startet mit einer Kutschenszene bei Nacht, ein Schlagzeuger macht im Proszenium Hufgeklapper. Albtraumartig erlebt Luther die fiktive Gefangennahme auf der Pleißenburg bei Leipzig durch Herzog Georg von Sachsen. Dort trifft er im Kerker auf seinen Gegenspieler Johannes Eck. Vom Standpunkt 1530 sieht man das Leben Luthers in Rückblicken. Man sieht feiernde Studenten, das Studentenleben von Luther mit einer Tanzeinlage, wie es sich wohl Eck vorgestellt hätte. Es folgt das Sturmerlebnis mit Sichtung der heiligen Anna und sein Beitritt ins Kloster. Der Auftritt der rockenden Mönche hat so etwas von Gregorian ("Ecce Advenit"). Luther liegt am Boden, als er in den Orden der Augustiner aufgenommen wird. In Glanz für die Ewigkeit lässt man den Papst und einen Kardinal in einer Gondel die Ausmalung der Sixtinischen Kapelle. Man beschließt das mückengeplagte Gebäude durch einen protzigen Neubau, den Petersdom zu ersetzen und unterlegt das mit Broadway-Sound. Wieder sieht man Luther beim Bodenschrubben hadern, dass er sich seinem Gott nicht würdig erweist. Er geht nach Wittenberg. In Wittenberg wird der fromme Landesfürst Friedrich der Weise sein Förderer. Der ist Luthers Lehren sehr aufgeschlossen gegenüber und leidenschaftlicher Reliquiensammler, wobei ihm aber selbst Zweifel kommen, als er den vierten Kopf eines Heiligen sammelt. Nun wird die Politik als großes Schachspiel inszeniert. Luther trifft in Wittenberg auf Mathis, dessen Bruders wegen Diebstahls im Gefängnis sitzt. Mathis bittet Luther um Verzeihung für seinen Bruder. Das ist eine erfundene, aber nette Nebengeschichte. Statt sich mit den Lehren Luthers zu befassen, gibt es beim Bau des Petersdoms Schwierigkeiten. Papst Leo X. braucht Geld und erfindet den Ablasshandel. Unter Höllenandrohung versucht er, mithilfe von Tetzel, das Volk zum Kauf von Ablassbriefen zu bewegen. Tetzel sieht dabei aus wie ein Rammstein-Rocker und singt ein Lied von "der höllischen Qual". Die Ablassbriefe verkaufen sich prächtig. Luther deckt den Skandal auf und hält Predigten von der Güte Gottes ("Gott Allein"). Er schlägt 1517 seine Thesen an die Tür der Kirche in Wittenberg. Nun kommt es zum Disput zwischen Eck und Luther im Jahre 1519. Das ist als Battle-Rap aufgezogen, wieder mit einer Tanzeinlage. Schließlich wird er von den Reichstag in Worms zitiert. Dort widerruft er seine Thesen nicht, worauf die Reichsacht verhängt wird. Es kommt zu einem großen Finale des ersten Akts.

Im zweiten Akt sieht man zu Beginn wieder eine Kutschenszene. Friedrich der Weise lässt Luther auf die Wartburg entführen. Dort wird er von Visionen und Albträumen geplagt ("Kyrie Eleison"). Den Teufel vertreibt er mit einem Tintenfass. Den Tintenfleck sieht man dort wirklich, und wenn man selbst schon mal auf der Wartburg war, kennt man den Fleck. Er kommt auf die Idee, das Neue Testament zu übersetzen. Man sieht wie die Worte aus den Seiten wachsen und wie das Volk plötzlich versteht, was in der Bibel steht. Friedrich der Weise trägt schließlich einen Abdruck der Lutherbibel über die Bühne. Das war die eigentliche Revolution der Zeit, der Buchdruck. Aber es entstehen plötzlich Unruhen. Luthers Lehrern werden zum Auslöser eines großen Krieges. Gegen den Rat Friedrich des Weisen verlässt er die Wartburg. Nun findet Luther aber privat sein Glück mit der Heirat der Nonne Katharina von Bora. Die Szene, in der die neun Nonnen in einem Verwandlungsbilderbuch sieht man die neun geflüchteten Nonnen. Das Ganze kommt so wie ein Kinderlied von den „Zehn kleinen Negerlein“, übrig bleibt Katharina von Bora, die zu gebildet und zu eigenwillig für andere Männer war. Die Heirat mit Katharina von Bora wird eher als Zufall dargestellt. Sie flohen 1523 zu Ostern aus dem Kloster. Zwei Jahre später hat er sie geheiratet, was hier stark verdichtet dargestellt wird ("Ich gehör zu Dir"). Gleichzeitig lehnt sich Luther gegen den Zölibat auf. Auf der Pleißenburg ist nun auch Mathis eingetroffen, als Anführer der Aufständischen. Herzog Georg lässt auf Anraten seiner Frau Luther frei. Es kommt zu einem Aufstand, bei dem die Aufrührer Freiheit wollen.

Wer hätte gedacht, dass zwischen Sister Act, Monty Python und Les Misérables noch Platz für ein Luther-Musical ist. Anfangs hatte ich mit der lauten Musik und mit den Szenen aus Rom so meine Probleme. Ich war am Zweifeln, ob das wirklich gut geht. Ja, es geht gut. Gerade die Balladenszenen, bei denen Luther mit Gott hadert oder auch der Battle-Rap zwischen Eck und Luther sind charmante Einfälle. Durch die weiße Bühne und die Lichtprojektionen ist eine schnelle Szenenabfolge möglich und gerade zu Anfang hat die Inszenierung ein ziemliches Tempo. Es kommt auch der ein oder andere zotige Spruch von Luther dazu, ohne sich dabei in Zitaten zu verlieren. Es gibt tolle Lichtprojektionen von der Heimsuchung auf der Wartburg. Im Nu ist man in Klöstern, Kirchen, großen Hallen und das alles nur mit Projektion ohne eine Umbaupause. Dass das Ganze letztendlich doch aufgeht, ist auch Verdienst von Thomas Borchert (Martin Luther) und Ramin Dustar (Johannes Eck). Aber auch die vier Musiker leisten eine gute Arbeit, einschließlich des Schlagzeugers im Proszenium. Letztendlich nimmt sich das Musical doch ernst, was auch dem Thema angemessen ist.

Quelle: YouTube | Stadttheater Fürth

Quelle: YouTube | Kati Heidebrecht

Von • Gallerien: Kultur, Musical • Tags: luther