Opernblog

 

Les Troyens - Die statische Oper

15.10.17 23:38

Bei der dritten Regiearbeit von Calixto Bieito an der Oper in Nürnberg darf man wieder einmal gespannt sein. Zum Einen ist das Stück von Hector Berlioz mehr als wuchtig und verlangt einen großen extra Chor. Zum anderen steht es in Konkurrenz zu der Inszenierung in Dresden, die wenige Wochen vorher an den Start ging. Zu hören ist ein Werk, das der Komponist so ziemlich gegen Ende seiner Schaffensphase geschrieben hat. Es beinhaltet in seinen zwei Teilen den Untergang Trojas und den Aufbruch der Trojaner mit der Liebesgeschichte um Dido und Aeneas in Karthago. Dabei hat das Werk auch einige Kürzungen erhalten, die nicht immer geglückt sind.

Im ersten Teil der Geschichte wir mit langem Pinsel ein Pferd gemalt. Es ist das Pferd, das die Griechen hinter die Mauern von Troja bringen soll. Die tragende Figur in diesem Teil ist Cassandra, die das Unheil heraufziehen sieht und den Untergang Trojas. In der ersten Sequenz sieht man sie mit einen von Andromaches Söhnen. Cassandra ist isoliert, selbst ihr Gatte Chorèbe mag ihr nicht folgen. Nach den 10 Jahren Belagerung erfreut man sich des Abzugs der Griechen und gibt eine Party. Dabei tragen die Trojaner das Mobiliar vor der Stadt. Es ist auch wieder eine leicht bekleidete Frau auf einem Tisch zu sehen, die vermutlich Andromache ist. Sie holt sich ihren Sohn und verschwindet in der Bühne. In den Erzählungen von den Göttern greift man aber auf die römischen Namen zurück. Cassandra (Roswitha Christina Müller) kann ihre Warnungen nicht anbringen. Die Trojaner ziehen das gemalte Pferd in die Stadt. In einem nicht gezeigten Teil, schwärmen die Griechen aus dem Bauch des Pferdes aus und ziehen mordend durch die Stadt. Fassungslos sieht Cassandra den prophezeiten Untergang. Durch einen kollektiven Selbstmord der Trojanerinnen versuchen sie sich, dem Los des Unterlegenen zu entziehen. Das Pferdebild wird zerrissen und macht Platz für den riesigen Schiffsbauch, einer Holzkonstruktion, in dem Aeneas mit dem Schatz des Priamos nach Karthago flieht.

Im zweiten Teil muss Aeneas, wie ihm im Traum geweissagt wurde, ein neues Troja in Italien erbauen. Er landet in Karthago mit seinen Mannen an. Diese rüsten sich zusammen mit den Karthagern zum Krieg gegen den Numidierkönig Jarbas. Die Kriegserprobten kommen da genau zur rechten Zeit. Die Königin Dido im blauen Abendkleid trauert um ihren Mann. Ihre Schwester versucht sie etwas abzulenken. Die Karthager sind als Schar in weißen Schutzanzügen und mit Lilien auf der der Bühne, die sie zum Ende des ersten Akts in einen großen Behälter werfen. Vier Frauen halten den Perlenschatz des Priamos auf der Bühne. Aeneas bringt viel Geld nach Karthago für die anschließende Siegesfeier über Jarbas. Die Geldscheine werden dabei teilweise an die Balken geklebt. Bei der Siegesfeier singt Iopas, nur an einem Seil gesichert, zwischen den Holzbalken ein Lied zu Ehren von Ceres. Grün angestrahlt kommt das wirklich gut rüber, das Lied über den Ackerbau. Mit afrikanischen Masken übernehmen die Hauptpersonen nun die Erzählungen über die Kriegsverluste der Karthager. Auch ein Kampf mit einem Plüschlöwen schildert die Mühen. Es kommt zu einem großen Liebesduett zwischen Aeneas und Dido, wobei diese einen Karthager aus dem weißen Anzug auspacken und mit stilisiertem Erdöl aus grünen Kanistern begießen. So gelingt das Liebesduett wirklich zum sinnlichen Erlebnis und am Ende sind alle drei mit grüner Farbe bekleckert. Auf die Rücken der Karthager wird jetzt groß das Wort: ABONDANCE geschrieben (Überfluss). Es folgt eine Sprechpassage. Aeneas hat Albträume, er muss weiter. Die Trojaner drängen ihn dazu. Von seinem Schicksal in die Ecke gedrängt, kotzt Aeneas auf die Bühne. Kein Wunder, wenn einem Hectors Geist erscheint im Traum. Es wird heimlich ein Aufbruch geplant, an einem Morgen. Dido wird den Verlust ihres Geliebten nicht überleben. In einer großen Abschlussarie beschwört sie den Hass auf das neue Rom und Hannibal, der ihre Schmach rächen soll. Der Schiffsbauch wird auseinandergenommen in vier Teile, die Andenken an Aeneas verbrannt. Man erlebt eine lange Sterbearie, wo sie sich mit Pillen vergiftet.

Das Positive vorweg. Chor und Solisten, die Staatsphilharmonie, alle liefern musikalisch eine großartige Arbeit ab. Mit der Inszenierung hatte ich etwas Probleme, denn die Bilder geraten etwas zu statisch. Es ist aber auch schwierig, eine Choreografie für soviele Menschen auf der Bühne zu erarbeiten. Wie bei Wagner, wird viel von den Heldentaten und den Ereignissen erzählt. Die kleinen Seitenmonitore machen einem das Mitlesen des Textes ziemlich schwer. Die großen Übertitel scheinen wegen des Bühnenaufbaus gewichen zu sein. Es ist eine typische Bieito-Inszenierung mit den leicht bekleideten Damen auf der Bühne, die teilweise wie Schaufensterfiguren einfach nur rumstehen. Berlioz-Musik trägt dick auf, was ihm aber nicht so fesselnd gelingt, wie einem Wagner. Die Oper wurde teilweise nur in Fragmenten aufgeführt, man hat sich bei der Uraufführung auch auf den Teil 2 zurück gezogen (Die Trojaner in Karthago). Gleich zweimal geht in der Inszenierung ein Volk unter, zuerst die Trojaner, dann die Karthager. Virgil hatte damals die Auftragsarbeit, eine geschichtliche Verbindung zwischen Troja und Rom herzustellen. Heute würde man da von Fake News sprechen oder von alternativen Fakten. Insgesamt wundert es nach der Vorstellung aber nicht, dass die Inszenierung so von noch keinem anderen Opernhaus übernommen wird. Es bleibt, sperrig, ein wenig starr und eben typisch Bieito.

Staatstheater Nürnberg – Die Trojaner

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Von • Gallerien: Kultur, Oper

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