Opernblog

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La Forza Del Destino - Erstklassig

In einer Wiederaufnahme zeigt die Bayrische Staatsoper München Verdis ‚La Forza del Destino‘ in einer Regiearbeit von Martin Kušej. Diese Inszenierung überzeugt vor allem sängerisch, die Darsteller sind ganz famos und es ist schwierig, an Karten zu kommen. Kein Wunder: Es singen Jonas Kaufmann und Anja Harteros in den Hauptrollen. Nicht nur das: Beide Sänger geben hier ihr Rollendebüt als Alvaros und als Leonora. So gelingt ein schöner Opernabend in München, für den die Anfahrt durchaus lohnt.
Die Inszenierung beginnt mit einem Abendessen im Hause Calatrava zur Symphonie am Beginn der Oper. Man sieht die gesamte Familie versammelt bei Rotwein und Suppe. Es steht ein silbernes Kreuz am Tisch. Dazu wird Brot gereicht. Am Boden sind Laubblätter verstreut. Die Szenerie versprüht einen Hauch der 70er Jahre. Dominiert wird die Szene durch einen großen Tisch, der sich wie ein roter Faden, in fast jedem Bühnenbild wieder findet. Der Bruder von Leonora ist bei dem Essen noch ein Knabe, der die folgenden Verwicklungen traumatisch erleben wird. Im ersten Akt erwartet Leonora de Vargas ihren Geliebten Alvaro, der indianischer Herkunft ist. In der Rolle des Mestizen Alvaro erlebt man Jonas Kaufmann mit langem Haarteil, wie er sich in den Vorhängen versteckt. Da der Vater nicht mit der Verbindung einverstanden ist, beschließt er, seine Geliebte zu entführen. Sie will sich aber erst noch von ihrem Vater verabschieden. Dieses Zögern führt nun zu der Wendung, dass ihr Vater erscheint und die Festnahme von Alvaro anordnet. In dem Moment ziehen auch die beiden Bodyguards ihre Pistolen, die vier Männer bedrohen sich gegenseitig mit den Pistolen. Schließlich gibt Alvaro doch auf und wirft die Pistole vor dem Marchese auf den Fußboden. Dabei löst sich ein Schuss, der den Marchese von Calatrava tödlich trifft. Sterbend verflucht er seine Tochter, diese fliehen und verlieren sich dabei aus den Augen.
Die nun folgende Schenke im Dorf Hornachuelos in Spanien, sieht eher aus, wie eine Burgruine. Im dortigen Treiben der Leute begegnen sich wieder zufällig der nun erwachsene Don Carlo de Vargas. Er schwört Rache für den Tod an seinem Vater, dessen Schuld er eindeutig bei seiner Schwester und dessen Geliebten vermutet. Seine Schwester ist ebenfalls unter der Menge als Mann mit schwarzem Hut verkleidet. Als sie ihren Bruder erkennt, entfernt sie sich von der Menge. Es erscheint eine junge Zigeunerin, die Freiwillige für den Krieg in Italien sucht. Don Carlo glaubt nun, die Spur seiner Schwester verloren zu haben, und beschließt in den Krieg zu ziehen. Dabei erzählt er, er sei ein Student namens Pereda. Der Schwester gelingt es nun, in der Nacht zu fliehen. Die nun folgende Szene vor dem Franziskanerkloster spielt an einer faltbaren Trennwand. Wieder steht der Tisch auf der Bühne. Links steht ein Gummibaum, vielleicht ein Symbol für die Hoffnung. Leonora ist immer noch als Mann verkleidet und möchte ins Kloster aufgenommen werden. Mit der wunderbaren Arie (Madre, pietosa Vergine) versucht sie in der Einsiedelei von dem Fluch ihres Vaters zu entkommen. Pater Guardian erzählt sie nun ihre Geschichte und sie gibt sich als Frau zu erkennen. Sie möchte nicht in ein Kloster, sondern in der Einsiedelei ihr Heil finden. Dieser weist ihr nun eine Einsiedelei zu, die sie nicht mehr verlassen soll. In dem nun folgenden Einweihungsritual taucht ein Double in ein großes weißes Wasserbecken ein. In einer Art Wiedertäuferritual wird Leonora aufgenommen. Die Mönche sind alle in weißen Anzügen. Pater Guardian befiehlt allen Mönchen, das Geheimnis von Leonora zu bewahren. Er belegt einen weiteren Fluch auf denjenigen, der dieses Geheimnis verraten soll.
Die vorderste Stellung bei Velletri in Italien ist eher ein Schlachthaus mit gekachelten Wänden, in das eine riesige Granate eingeschlagen hat. Hier sinniert Alvaro über seine Geburt nach. Es steht auch ein Verhöropfer mit schwarzer Kutte auf der Bühne. Es geht ziemlich zu, der Krieg scheint eine sehr dreckige Angelegenheit zu sein. Alvaro hat einem Hauptmann, der rein zufällig der Bruder von Leonora war, das Leben gerettet. Beide erkennen sich nicht und schwören sich ewige Freundschaft. Don Carlo war wohl an der linken Schläfe verwundet. Die Schlacht beginnt in rotem Licht und die Soldaten rennen von rechts nach links über die Bühne. Schließlich wird auch Alvaro verwundet. In einer Art Vision sieht er Leonora aus dem Grab aufsteigen und die Bühnenwand hochlaufen. Don Carlo soll ein Päckchen ins Feuer werfen, das die Herkunft von Alvaro preisgeben würde. Fast will er es öffnen, besinnt sich aber auf seinen Schwur, dieses Päckchen ungeöffnet zu verbrennen. Dennoch findet er nach etwas Suchen ein Bild von Leonora. Dann besteht kein Zweifel: Er hat da wirklich den gesuchten Liebhaber seiner Schwester vor sich. Dennoch beschließt er, Alvaro erst gesund zu pflegen, um sich später zu rächen. Die beiden ehemaligen Freunde gehen nach der Genesung auch aufeinander los, nur mit Mühe kann man sie trennen. Alvaro geht daraufhin ins Kloster. Es findet eine wüste Siegesfeier statt, bei der am Ende alle sortiert am Boden liegen. Die Zigeunerin Preziosilla geht zwischen den liegenden Personen durch und singt ihren Kriegsgesang, ein Rataplan.
Fünf Jahre später hat sich Alvaro genau in das Kloster geflüchtet, in der auch Leonora Zuflucht gesucht hat. Hinter der Schiebewand wartet das hungrige Volk auf Essensbehältnisse aus Styropor, die die Mönche verteilen. Aber auch hier ist das Verstecken von Don Carlo zwecklos. Die beiden treffen wieder aufeinander. Alvaro hat auf ein Duell aber keine Lust, er bleibt so lange zurückhaltend, bis ihn Don Carlo eine Ohrfeige gibt und ihn wegen seiner Herkunft beleidigt. Es kommt schließlich zum Kampf. Die nun folgende Arie der Leonora wird etwas zum Suchspiel. Leonora singt ihr (Pace, pace, mio Dio) hinter einem dieser vielen weißen Kreuze, die plötzlich auf der Bühne sind. Sie nimmt auch das Brot von Anfang in die Hand und sagt, dass sie dieses Brot nicht satt macht. Am Ende der Arie schleppt sich Don Carlo durch die Kreuze an den Tisch und stirbt schwer verletzt. Als er seine Schwester sieht, gelingt es ihm noch, die Rache an seinem Vater durchzuziehen und ersticht Leonora. Zurück bleibt ein verstörter Alvaro, dem Pater Guardian einen Ausblick auf ein Wiedersehen im Himmel bieten. Alvaro nimmt das silberne Kreuz vom Tisch und verschwindet in der Ferne.
Was für eine tolle Kombination an Sängern, die hier in der Aufführung auftreten. Lang anhaltender und verdienter Applaus für Jonas Kaufmann und Anja Harteros. Diese Aufführung ist wirklich ein Genuss, bei dem man ins Schwärmen kommt. Der Weg zu den Karten war auch dem entsprechend lange und die Erwartungen dementsprechend hoch. Gerade die beiden Arien der Leonora sind große Klasse. Das Stück in sich soll als Vision von Leonora aufgezogen sein. Wie es bei Visionen so ist, werden nicht alle Fragen in der Inszenierung beantwortet. Es gibt aber tolle Effekte, wie die Szene im dritten Akt, bei der Leonora aus dem Grab steigt und senkrecht an der Bühnenwand hochgeht. Auch die Kriegsszene im gekachelten Schlachthaus ist drastisch umgesetzt. Hingehen lohnt also in jedem Fall.

Von • Gallerien: Kultur, Oper • Tags: la forza del destino