Opernblog

Tag: "die regimentstochter"

Der Anfang der Regimentstochter im Nürnberger Opernhaus will so gar nicht zu einer komischen Oper passen. Etwas zu düster fällt der Beginn aus, als das 21. Regiment in einer Art Bunker mit Schießscharte und Maschinengewehr gegen die Feinde kämpft. Man hört ein Feuergefecht. Auch die Baronin von Berkenfield ist auf der Flucht vor den Feinden und sichtlich erregt, dass sie sich auch in die Bastion der Soldaten retten muss. Ihr Leibarzt muss ihr da zur Beruhigung schon einmal die eine oder andere Spritze gegen die Nervosität einverleiben. Es folgt der Auftritt von Marie, die Soldaten sind irgendwo in den Kriegswirren zwischen den 30er und den 50er in Tirol Jahren gefangen. Eine Nachricht aus einem Volksempfänger kündigt jedenfalls den Abzug der Feinde an. Mit einem Panzerimitat rücken die Soldaten an und durchbrechen die Wände der Festung. Man ist erleichtert und feiert den Sieg. Marie ist Marketenderin und wurde von dem Regiment adoptiert. Sie nennt die Soldaten des Regiments ihre Väter, ein besonderer Vater scheint ihr aber Sulpice zu sein. Sie verkauft Dosenbier und Zigaretten an die Soldaten und kümmert sich um deren Socken. Es tritt Tonio auf, der Marie immer wieder besucht. Aber Marie darf nur einen aus dem Regiment zum Mann nehmen. Tonio hat ihr an einer steilen Schlucht das Leben gerettet und dafür scheint sie ihm dankbar zu sein. Die Liebe zu Tonio nimmt sie scheinbar zuerst nicht recht ernst. Die Blume hat sie aber behalten, die er ihr damals gegeben hat. Diese zerpflücken sie in einem netten Duett. Tonio ist aber fest entschlossen, Marie zu heiraten. Dazu ist er sogar bereit Soldat des 21. Regiments zu werden. Hierfür singt er eine der schwierigsten Arien für Tenöre mit neun hohen C’s, was aber im Endeffekt wenig bringt. Die Marquise von Birkenfield hat andere Pläne. Sie sagt, dass sie einen Brief hat, der eindeutig besagt, dass Marie ihre Nichte ist. Sie wäre das Kind von Robert und ihrer Schwester und wäre Erbin von Berkenfield. Sie solle eine vornehme Erziehung erhalten und mit auf das Schloss kommen. Die Soldaten nehmen von ihr Abschied, in dem jeder ein paar Socken bekommt, mit denen sie die Tränen trocknen dürfen. Unter hohen Belcanto-Tönen wird Marie von der Bühne in Richtung Schloss getragen. Sulpice darf aber mit auf das Schloss kommen, da er alt und invalid ist.
Im zweiten Akt muss Marie immer wieder Gesangsübungen machen, sie singt immer wieder haarsträubend schwierige Belcanto-Arien. Im Petticoat, mit Ballerina und Büchern unter dem Arm muss sie Haltungsübungen und Sprechübungen machen. Aus einem Plattenspieler in der rechten Bühnenhälfte spielt die Pausenmusik. Ein Elektriker kümmert sich um die Stehlampe, die während der Belcanto-Übungen auch krachend den Geist aufgibt. Die Gräfin von Berkenfield hat aber die Hochzeit mit dem Sohn der Herzogin von Crakentorp eingefädelt. Ein Notar ist bestellt, der die Formalitäten abwickeln soll. Anders als sonst, tritt hier der Sohn der Herzogin selbst auf. Der Herzogssohn von Crakentorp ist ein Klaus Lagerfeld-Imitat, der von den Formalitäten und dem Notar mit dem Sprachfehler ziemlich angenervt ist. Wieder braucht die Herzogin von Birkenfield eine Beruhigungsspritze. Denn inzwischen erscheinen die Soldaten des 21. Regiments im Schloss um die Heirat zu verhindern. Sie bringen ihre Socken Marie zum Waschen mit. Sobald die Soldaten auf dem Schloss sind, vergisst Marie ihre gute Erziehung und verfällt wieder in alte Töne und singt das Lied des 21. Regiments. Auf einer Couch liegend gesteht die Marquise von Birkenfield schließlich, dass Marie ihr Kind mit Robert, dem Offizier des 21. Regiments ist. Die Blume von Tonio taucht ein weiteres Mal auf. Wieder bricht der Panzer durch die Schlossmauern und bringt die Wendung. Die Hochzeit mit dem Herzogssohn von Crakentorp platzt schließlich, als herauskommt, dass sie Marketenderin war. Marie wäre aber inzwischen sogar bereit den Ehevertrag zu unterzeichnen. Es hat sich inzwischen auch schon die noble Hochzeitsgesellschaft eingefunden. Nach einem weiteren Wiederbelebungsversuch durch eine Spritze schließlich, gesteht die Marquise aber alles und gibt die Ehe frei für Tonio und Marie.
Ich weiß nicht, ob man als Zuschauer wirklich die Leistungen von Leah Gordon als Marie und von Martin Nyvall als Tonio ausreichend würdigen kann. Die Oper gilt wegen dieser beiden Rollen als extrem schwer zu besetzen und ist daher aus dem Repertoire vieler Opernhäuser gestrichen worden. Wer sich die Aufnahme einmal anhört, kann das gut verstehen. Das „Pour mon âme“ ist enorm schwer zu singen wegen der vielen hohen C’s. Auch Marie leistet im zweiten Akt Schwerstarbeit bei den Belcanto-Übungen der Herzogin. Andreas Baeslers Inszenierung gerät am Anfang etwas zu düster, karikiert aber das Soldatentum ausreichend, um dann doch noch komisch rüber zu kommen. Wie sich Sulpice immer wieder am Gürtel hochzieht, ist ein Runnig Gag, ebenso wie der Panzer, der zweimal das Geschehen stört. Die Sprechpassagen sind in Deutsch, was ein sinnvoller Einfall ist.

Quelle: Staatstheater Nürnberg

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