Opernblog

Tag: "cosi fan tutte"

In Nürnberg hat Jens-Daniel Herzog Mozarts Komödie ‚Così fan tutte‘ auf den Spielplan gesetzt. Diese Letzte der drei großen Da Ponte Opern war kein großer Durchbruch für Mozart. Kurz nach Erscheinen wurde die Oper wegen des Todes Kaiser Joseph II. vom Spielplan genommen. Etliche Schmähungen und Kürzungen im 19. Jahrhundert durch Ludwig van Beethoven und Richard Wagner führten zu einer teils fragmentarischen Aufführung. Man übte Kritik an dem unmoralischen Stoff und an der albernen Handlung. Auch hier in Nürnberg scheint man den Kritikern noch mehr Futter zu geben. So wurden die italienischen Texte durch vulgäre Sprache aufgepeppt, was beim Mitlesen immer recht witzig ist, beim Bayerischen Rundfunk aber überhaupt nicht gut ankam. Man muss sich bei der Handlung auch drauf einlassen, dass alle das Spiel von der Untreue durchschaut haben, bis auf die beiden Frauen. Selbst der dreimal einsetzende Chor weiß Bescheid.

Dieser feiert schon am Anfang mit einem Kasten Bier und Sekt, die Wette von Don Alfonso. Man platzt mitten in eine Diskussion der männlichen Hauptrollen, nämlich Guglielmo und Ferrando gegen Don Alfonso. Während die beiden Männer Guglielmo und Ferrando die Treue ihrer Frauen beschwören, wettet der Chor mit Zetteln dagegen, die in einem Sektkübel gesammelt werden. Es wird ein goldenes Wohnzimmer herausgefahren, in dem auf zwei blauen Sesseln die Opfer der Komödie Platz genommen haben. Während Dorabella scheinbar Bilder von Ferrando am Handy hat und immer auf dem Smartphone zoomt, hat Fiordiligi ein ovales Bildnis ihres geliebten Guglielmo bei sich. Die beiden Damen sitzen im 50er-Jahre Petticoat in Himmelblau und Schwarz und ahnen nichts von dem üblen Spiel, das gleich beginnen wird. Ihre Verlobten spielen vor, in den Krieg zu ziehen. Der Chor erscheint teilweise in Tarnuniform und die Geliebten salutieren mit Waffen im Hintergrund. Die Frauen bedienen jetzt das Klischee, dass sie noch Brotdosen für ihre Männer mit Sandwiches und Salat schmieren müssen. Sie tun dies so heftig, dass die Butter über die Bühne fliegt, auf einem goldenen Bügelbrett am rechten Bühnenrand unter vielen Tränen. Dorabella ist so verzweifelt, dass sie sich an der Gardinenkordel erhängen will, was natürlich misslingt. Am nächsten Morgen bringt Despina im Leopardenlook mit Leggings ein Tablett mit Cappuccino. Dabei nimmt sie selbst einen großen Schluck aus der Kanne. Jetzt testet Alfonso die Verkleidung der beiden Herren an Despina. Die kommen als Erkan und Stefan-Imitat als albanische Freunde unter dem Namen Sepronio und Tizio. Die beiden scheinen eher einem Ghetto der Hauptstadt in Berlin entsprungen zu sein. Mit dicker Goldkette, Sonnenbrille, Jeans bzw. Jogginghose sind sie kaum wieder zu erkennen. Guglielmo hat eine Mütze auf, auf der steht: I am a muslim, don’t panic. Sie machen nun der jeweils anderen Dame die Aufwartung und erfreuen sich an deren barscher Zurückweisung. Die Damen werfen im Takt der Musik Schuhe nach den Männern, die sich hinter den Sesseln verstecken müssen. Als Ferrando von der Liebe schwärmt, scheinen die Damen standhaft und die Wette gewonnen. Die zurückgewiesenen Albaner nehmen nun angeblich Arsen, weil sie von den Frauen verschmäht wurden. Mit Blaulicht kommt eine Despina als Ärztin mit Mundschutz, Stirnreflektor und Stethoskop. Die Wiederbelebungsversuche erfolgen mit einer großen Spritze, einem Hammer und schließlich am Ende erfolgreich mit einem Magneten. Die Herren deuten eine Brücke an und zucken mit dem Unterkörper: Wiederbelebung erfolgreich. Die erwünschte Nachbehandlung durch einen Kuss unterbleibt aber.

Zu Beginn des zweiten Aktes zeigt Despina, dass sie selbst das Schlagen einer Brücke nicht vom Singen abhalten kann. Als sie abtritt, schlägt sie noch ein perfektes Rad. Sie animiert dabei die Damen, es mit der Treue nicht zu genau zu nehmen. Der Garten wird durch das Ziehen einer bunten LED-Girlande angedeutet. Schließlich kommen die beiden Männer in einer Jalabiya mit echter Kopfbedeckung. Jetzt nimmt man ihnen den Albaner auch wirklich ab. Ferrando hat dabei ein rosa Plastikalpenveilchen und Guglielmo ein Rotes dabei. Der Chor reiht die Alpenveilchen an dem Wohnzimmerrand auf. Dorabella fällt als Erstes unter Guglielmos werben. Er schenkt Dorabella ein rotes Papierherz. Als er daraufhin Ferrando von seiner Eroberung berichtet, haut der einen Teil der Blumentöpfe runter. Fiordiligi scheint dagegen vor einer Bildergalerie von ihrem Verlobten standhaft. Schließlich gibt auch die nach. Nun ist Guglielmo außer sich und zerreißt mit nacktem Oberkörper eine Frauenzeitschrift. Die Männer kämpfen nun richtig miteinander, da sie nun Rivalen sind. Don Alfonso tritt auf und hat die Wette gewonnen. Despina tritt als Notar auf und hat die Ehekontrakte dabei. Da ereignet sich an diesem Abend ein Zwischenfall.

Einer der Ensemblemitglieder des Chores kippt bei dem Auftritt des Chores um. Während ich die Szene irgendwie merkwürdig fand, als der Darsteller des Guglielmo sich umdreht und dem Mann auf die Beine hilft und auf die Schulter klopft, war mir irgendwie sofort klar, dass da was nicht stimmt. Da sah ziemlich echt aus. Kurz darauf wurde der Vorhang runtergelassen und die Vorstellung unterbrochen. Nach einigen Minuten im Dunklen erklärte die Sprecherin, dass es einen Zwischenfall auf der Bühne gegeben hätte und die Vorstellung in Kürze fortgesetzt wird.

Mit der Teezeremonie setzte man die Vorstellung dann fort. Über die blauen Sitzkissen der Sessel wurden orientalische Tücher gebreitet. Der Ehevertrag ist nun unterschrieben. Es ertönt Marschmusik, die Verlobten kommen zurück vom Krieg. Blutverschmiert scheinen sie aus dem Kampf zu kommen. Sie entdecken die Ehekontrakte mit den Albanern und richten die Gewehre auf ihre Frauen. Nun bekommen auch die Damen mit, dass ihnen übel mitgespielt wurde. Sie bitten die Männer um Entschuldigung und bekommen zum Dank einen Schnuller in den Mund. Das alles endet in einem Sextett, wo sich Don Alfonso über seinen Gewinn freut.

Gewinner dieses Abends ist eindeutig die sehr gute Ensembleleistung des gut eingespielten Teams. Während der erste Akt noch sehr klamaukhaft daher kommt, kippt die Lage im zweiten Akt total. Die Männer gehen plötzlich aufeinander los und raufen, als sie erkennen müssen, dass sie betrogen wurden. Vielleicht ist es mit dem Zwischenfall an diesem Abend, noch etwas ernster als sonst. Sehr gefallen hat mir an diesem Abend Despina alias Andromahi Raptis, die ihr komödiantisches Talent voll ausspielt. Lutz de Veer lässt an diesem Abend das Ensemble glänzen. Und ja, dem verunglückten Mitarbeiter ging es am Ende der Vorstellung gut, klärte der Dramaturg Holzer auf.

Quelle: YouTube | Staatstheater Nürnberg

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Quelle: Soundcloud | Staatstheater Nürnberg
Von • Gallerien: Kultur, Oper • Tags: cosi fan tutte
Cosi fan tutte im  Rüschenrausch

Vor einer Betonwand auf der groß ein ‚Cosi fan tutte‘ steht, besprechen die drei männlichen Hauptdarsteller Guglielmo, Ferrando und Don Alfonso die Treue der Frauen. Während ein Kellner Kaffee serviert, glauben Guglielmo und Ferrando, dass ihre Bräute ihnen treu sein werden. Während das Bühnenbild eher nüchtern aussieht, tragen die Darsteller Kostüme des 18. Jahrhunderts, also zu der Zeit, in der das Stück in Neapel spielt. Ganz überzeugt malen die beiden Verlobten Herzen mit Kreide an die Betonwand (F+D für Ferrando und Dorabella und F+G für Fiordiligi und Guglielmo). Don Alfonso will den Verlobten beweisen, dass es mit der Treue der Frauen nicht weit her ist. Er werde ihnen in einem Tag zeigen, dass die Frauen nicht treu sein werden. Die beiden gehen die Wette für 100 Scudi ein. Das nächste Bild zeigt ein großes graues, viereckiges Podest, das für die nun entstehende Partnertausch-Geschichte bestens geeignet ist. Schon hier verwechseln die beiden Schwester die Amulette ihrer Verlobten und singen schon mal das falsche Amulett an, bis sie den Fehler merken, und tauschen. Dass die beiden Schwestern ähnliche Frisuren haben, macht es nicht immer einfach, die beiden Damen auseinanderzuhalten. Soula Parassidis, die an diesem Abend in der Rolle der Fiordiligi hat mit den Treppen und dem langen Kleid sichtlich zu kämpfen. Mit einem fiktiven Einberufungsbefehl müssen sich die Männer nun von ihren Frauen verabschieden. Auf einer kleinen Zweimann-Jolle im Bühnenhintergrund, der aussieht wie ein großes Bullauge, fahren sie ins Feld. Im nächsten Bild sind die beiden Verlobten Schwestern außer sich vor Trennungsschmerz. Sie werfen der armen Despina wütend die Silbertablette mit heißer Schokolade hinterher, werfen Gläser an die Wand und versuchen sich mit einem Messer zum Früchteschälen das Leben zu nehmen. Despina, die Zofe, rät den Damen, den Trennungsschmerz nicht all zu schwer zu nehmen, sondern sich mit anderen Männern zu trösten. Entrüstet entfernen sich die Damen. Don Alfonso gewinnt mit mehreren Geldscheinen, Despina für seine Sache. Sie solle zwei Albanier ins Haus lassen. Dies sind natürlich in Verkleidung die beiden Verlobten. Don Alfonsos Plan ist es, dass jeder die Frau des anderen für sich gewinnen soll, und zwar verkleidet als albanische Edelmänner. Als die Zofe Despina die beiden nicht erkennt, sind sie sich sicher, so orientalisch verkleidet mit langem Haar und Bart, würden sie auch ihre Verlobten nicht erkennen. Sie erklären ihren Frauen, wie verliebt sie wären. Fiordiligi weißt in einer wundervollen Belcanto-Arie ihre Liebesbeweise zurück. Schon feiern die verlobten Männer ihren Triumph, dass ihre Frauen standhaft sind. Don Alfonso ermahnt aber, dass der Tag noch nicht vorbei ist und sie als brave Soldaten immer noch machen müssen, was er befiehlt. Er ändert den Plan mit Despina. Die beiden Albanier sollen sich mit Arsen vergiften, weil sie die Damen verschmäht hätten. Die beiden Verlobten tun dies also und sind wenige Minuten später leblos am Boden. Despina führt nun als Arzt verkleidet mit roten Handschuhen und schwarzem Umhang, einen esoterischen Zauber mit einem mesmerschen Stein auf. Die beiden Damen müssen dabei Assisitieren und zum Ende der Show den beiden arsengeschwächten Männern einen Kuss geben. Wieder lehnen die Damen energisch ab und auch der zweite Versuch scheint gescheitert zu sein.
Im zweiten Akt meint Despina, dass die Schwestern es mit der Treue zu genau nehmen würden. Schnell einigen sich die beiden Schwestern, dass Fiordiligi den blonden Albaner nehmen würde und Dorabella den braunen. Dorabella erliegt der Versuchung als Erste. Die beiden Albanier bringen nun den Damen ein Ständchen mit roten und gelben Blumen. Wobei die gelben Blumen von Fiordiligi im roten Kleid und die roten Blumen von Dorabella im gelben Kleid entgegengenommen werden. Die farblich abgestimmten Sträuße landen also quasi wieder über Kreuz bei der falschen Frau, werden auch von den Damen folglich heftig auf den Boden geworfen. Dennoch treffen sich die vertauschten Paare zaghaft auf einer Bank, wo es Guglielmo gelingt, Dorabella das Bildnis von Ferrando abzuluchsen und gegen ein Herz-Amulett einzutauschen. Wieder vor der Wand gesteht nun Guglielmo seinem Freund, dass Dorabella nicht treu war, und zeigt ihm sein Amulett. Gefrustet von dem Erfolg wischt Ferrando das Herz mit dem F+D von der Mauer weg. Guglielmo meint nun, dass die Wette halb gewonnen sei, während Don Alfonso auf Zeit spielt. Er weißt darauf hin, dass die Frist noch nicht um sei und er hätte noch Zeit. Fiordiligi beschließt nun, in Uniform Guglielmo ins Feld nachzureisen. Jetzt versucht Ferrando alles daran zu setzen, Fiordiligi zu erobern. Dies gelingt ihm schließlich auch. Die beiden Männer geraten nun heftig aneinander, aber Don Alfonso meint trocken ‚Cosi fan tutte‘, so machen es alle Frauen. Noch an diesem Abend sollen die Frauen ihr Dokument zur Hochzeit unterschreiben mit den Edelmännern. Im Festsaal erscheint nun wieder Despina als betrunkener Notar. Sie lässt die Frauen die Eheverträge durchlesen und unterschreiben. In dem Moment kündigen Trommeln die Rückkehr der Soldaten an. Die beiden Albaner müssen verschwinden, während die Bräute eilig die Brautschleier in den Souffleur-Kasten verstecken. Die rückkehrenden Verlobten entdecken nun zuerst Despina als Notar, dann entdecken sie am Boden die unterschriebenen Eheverträge ihrer Verlobten mit den albanischen Edelmännern. Die Schwestern geben nun Don Alfonso und Despina die Schuld. Am Ende versöhnen sich die vier Personen aber.
Mozarts Oper ist sehr unterhaltsam, es fehlen aber die typischen Ohrwürmer, die Arien aus dieser Oper sind eher wenig geläufig. Soula Parassidis war an diesem Abend eingesprungen und sichtlich froh, dass sie den Abend gut überstanden hat. Isabel Blechschmidt durfte ihr komisches Talent in der Rolle der Despina voll ausspielen. Schön ist auch die Szene im Festsaal, bei dem viele Lüster von der Decke schweben. Bemerkenswert finde ich auch, dass Mozart in den historischen Kostümen einfach gut wirkt, wenn auch das Bühnenbild von Chris Alexander eher modern ist und sich sehr zurücknimmt. Die Damen dürfen dabei dreimal die Robe wechseln. Mit den gleichen Perücken ist es wirklich ein Knobelspiel, wer jetzt Fiordiligi und wer Dorabella ist. Auch im Text finden sich dazu wenig Anhaltspunkte, sodass man immer damit beschäftigt ist, die Paare neu zu sortieren. Das Verwirrspiel ist somit perfekt gelungen.

Von • Gallerien: Kultur, Oper • Tags: cosi fan tutte