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Cosi fan tutte im Rüschenrausch

04.05.12 23:41
Cosi fan tutte im  Rüschenrausch

Vor einer Betonwand auf der groß ein ‚Cosi fan tutte‘ steht, besprechen die drei männlichen Hauptdarsteller Guglielmo, Ferrando und Don Alfonso die Treue der Frauen. Während ein Kellner Kaffee serviert, glauben Guglielmo und Ferrando, dass ihre Bräute ihnen treu sein werden. Während das Bühnenbild eher nüchtern aussieht, tragen die Darsteller Kostüme des 18. Jahrhunderts, also zu der Zeit, in der das Stück in Neapel spielt. Ganz überzeugt malen die beiden Verlobten Herzen mit Kreide an die Betonwand (F+D für Ferrando und Dorabella und F+G für Fiordiligi und Guglielmo). Don Alfonso will den Verlobten beweisen, dass es mit der Treue der Frauen nicht weit her ist. Er werde ihnen in einem Tag zeigen, dass die Frauen nicht treu sein werden. Die beiden gehen die Wette für 100 Scudi ein. Das nächste Bild zeigt ein großes graues, viereckiges Podest, das für die nun entstehende Partnertausch-Geschichte bestens geeignet ist. Schon hier verwechseln die beiden Schwester die Amulette ihrer Verlobten und singen schon mal das falsche Amulett an, bis sie den Fehler merken, und tauschen. Dass die beiden Schwestern ähnliche Frisuren haben, macht es nicht immer einfach, die beiden Damen auseinanderzuhalten. Soula Parassidis, die an diesem Abend in der Rolle der Fiordiligi hat mit den Treppen und dem langen Kleid sichtlich zu kämpfen. Mit einem fiktiven Einberufungsbefehl müssen sich die Männer nun von ihren Frauen verabschieden. Auf einer kleinen Zweimann-Jolle im Bühnenhintergrund, der aussieht wie ein großes Bullauge, fahren sie ins Feld. Im nächsten Bild sind die beiden Verlobten Schwestern außer sich vor Trennungsschmerz. Sie werfen der armen Despina wütend die Silbertablette mit heißer Schokolade hinterher, werfen Gläser an die Wand und versuchen sich mit einem Messer zum Früchteschälen das Leben zu nehmen. Despina, die Zofe, rät den Damen, den Trennungsschmerz nicht all zu schwer zu nehmen, sondern sich mit anderen Männern zu trösten. Entrüstet entfernen sich die Damen. Don Alfonso gewinnt mit mehreren Geldscheinen, Despina für seine Sache. Sie solle zwei Albanier ins Haus lassen. Dies sind natürlich in Verkleidung die beiden Verlobten. Don Alfonsos Plan ist es, dass jeder die Frau des anderen für sich gewinnen soll, und zwar verkleidet als albanische Edelmänner. Als die Zofe Despina die beiden nicht erkennt, sind sie sich sicher, so orientalisch verkleidet mit langem Haar und Bart, würden sie auch ihre Verlobten nicht erkennen. Sie erklären ihren Frauen, wie verliebt sie wären. Fiordiligi weißt in einer wundervollen Belcanto-Arie ihre Liebesbeweise zurück. Schon feiern die verlobten Männer ihren Triumph, dass ihre Frauen standhaft sind. Don Alfonso ermahnt aber, dass der Tag noch nicht vorbei ist und sie als brave Soldaten immer noch machen müssen, was er befiehlt. Er ändert den Plan mit Despina. Die beiden Albanier sollen sich mit Arsen vergiften, weil sie die Damen verschmäht hätten. Die beiden Verlobten tun dies also und sind wenige Minuten später leblos am Boden. Despina führt nun als Arzt verkleidet mit roten Handschuhen und schwarzem Umhang, einen esoterischen Zauber mit einem mesmerschen Stein auf. Die beiden Damen müssen dabei Assisitieren und zum Ende der Show den beiden arsengeschwächten Männern einen Kuss geben. Wieder lehnen die Damen energisch ab und auch der zweite Versuch scheint gescheitert zu sein.
Im zweiten Akt meint Despina, dass die Schwestern es mit der Treue zu genau nehmen würden. Schnell einigen sich die beiden Schwestern, dass Fiordiligi den blonden Albaner nehmen würde und Dorabella den braunen. Dorabella erliegt der Versuchung als Erste. Die beiden Albanier bringen nun den Damen ein Ständchen mit roten und gelben Blumen. Wobei die gelben Blumen von Fiordiligi im roten Kleid und die roten Blumen von Dorabella im gelben Kleid entgegengenommen werden. Die farblich abgestimmten Sträuße landen also quasi wieder über Kreuz bei der falschen Frau, werden auch von den Damen folglich heftig auf den Boden geworfen. Dennoch treffen sich die vertauschten Paare zaghaft auf einer Bank, wo es Guglielmo gelingt, Dorabella das Bildnis von Ferrando abzuluchsen und gegen ein Herz-Amulett einzutauschen. Wieder vor der Wand gesteht nun Guglielmo seinem Freund, dass Dorabella nicht treu war, und zeigt ihm sein Amulett. Gefrustet von dem Erfolg wischt Ferrando das Herz mit dem F+D von der Mauer weg. Guglielmo meint nun, dass die Wette halb gewonnen sei, während Don Alfonso auf Zeit spielt. Er weißt darauf hin, dass die Frist noch nicht um sei und er hätte noch Zeit. Fiordiligi beschließt nun, in Uniform Guglielmo ins Feld nachzureisen. Jetzt versucht Ferrando alles daran zu setzen, Fiordiligi zu erobern. Dies gelingt ihm schließlich auch. Die beiden Männer geraten nun heftig aneinander, aber Don Alfonso meint trocken ‚Cosi fan tutte‘, so machen es alle Frauen. Noch an diesem Abend sollen die Frauen ihr Dokument zur Hochzeit unterschreiben mit den Edelmännern. Im Festsaal erscheint nun wieder Despina als betrunkener Notar. Sie lässt die Frauen die Eheverträge durchlesen und unterschreiben. In dem Moment kündigen Trommeln die Rückkehr der Soldaten an. Die beiden Albaner müssen verschwinden, während die Bräute eilig die Brautschleier in den Souffleur-Kasten verstecken. Die rückkehrenden Verlobten entdecken nun zuerst Despina als Notar, dann entdecken sie am Boden die unterschriebenen Eheverträge ihrer Verlobten mit den albanischen Edelmännern. Die Schwestern geben nun Don Alfonso und Despina die Schuld. Am Ende versöhnen sich die vier Personen aber.
Mozarts Oper ist sehr unterhaltsam, es fehlen aber die typischen Ohrwürmer, die Arien aus dieser Oper sind eher wenig geläufig. Soula Parassidis war an diesem Abend eingesprungen und sichtlich froh, dass sie den Abend gut überstanden hat. Isabel Blechschmidt durfte ihr komisches Talent in der Rolle der Despina voll ausspielen. Schön ist auch die Szene im Festsaal, bei dem viele Lüster von der Decke schweben. Bemerkenswert finde ich auch, dass Mozart in den historischen Kostümen einfach gut wirkt, wenn auch das Bühnenbild von Chris Alexander eher modern ist und sich sehr zurücknimmt. Die Damen dürfen dabei dreimal die Robe wechseln. Mit den gleichen Perücken ist es wirklich ein Knobelspiel, wer jetzt Fiordiligi und wer Dorabella ist. Auch im Text finden sich dazu wenig Anhaltspunkte, sodass man immer damit beschäftigt ist, die Paare neu zu sortieren. Das Verwirrspiel ist somit perfekt gelungen.

Von • Gallerien: Kultur, Oper • Tags: cosi fan tutte