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Cats in Oberfranken

10.07.16 23:09
Cats in Oberfranken

Wer das Musical Cats von Andrew Lloyd Webber derzeit sehen will, muss auf die Luisenfestspiele nach Wunsiedel fahren. Basierend “Old Possums`s Book of Practical Cats” von T.S. Elliot kann man die Geschichte der Jellicle-Cats in einem Steinbruch erleben. Hardy Rudolz hat den Spielort von einer Müllkippe in der Nähe von London in den Steinbruch verlagert. Das ist in Ordnung so weit, und dass er selbst in seiner eigenen Inszenierung als Kater Bustopher Jones auf der Bühne steht, ist bemerkenswert. Man hat zudem eine Rahmenhandlung feiernder Jugendlicher eingebaut, die zu Beginn auf dem Steinbruch einfallen. Mit gelben Bierkästen im Schlepptau verscheuchen sie zuerst die Katzen, nehmen aber zurück und hören den Katzengeschichten zu. Eigentlich ist das Ganze eine Nummernshow, in der Katzencharaktere vorgestellt werden. Es geht darum, eine Katze aus der Schar auszuwählen, die am Jellicle-Ball wiedergeboren werden soll. Die Besetzungsliste ist lang und von der Katzenschar wird einiges an tänzerischem Können abverlangt. Zu Beginn des Balls sprechen die Katzen synchron über die drei Namen, die jede Katze hat. Einen Namen für den Hausgebrauch, einen zweiten einmaligen Namen und einen geheimen Dritten. Es folgt eine lose Folge von Katzenvorstellungen und Gesangseinlagen. Nehmen wir nur einige Charaktere heraus. Da ist Jenny Fleckenreich, die Gumbie-Katze, die den ganzen Tag sitzt und nachts die Mäuse jagt. In einem Barockkostüm umhüllt von einem orangenfarbenen Mantel, mimt sie mal die träge, mal die gewitzte Katze. Dann platzt der Rum-Tum-Tugger rein, eine aufgedrehte Rock n‘ Roll-Katze, die sich am Kran weit ins Publikum schwenken lässt und allen am Kopf rumtanzt. Und dann schleicht Grizabella über die Bühne, einst eine Glamour-Katze mit Pailletten-Kleid mit Glitzerschuhen, die von einem grauen Mantel bedeckt werden. Mit ihr will niemand recht zu tun haben, denn sie zog einst hinaus, die Welt zu entdecken. Dann folgt Bustopher Jones, eine Dandy-Katze mit weißen Gamaschen. Er ist den Leckereien der Pubs nicht abgeneigt und kugelrund, macht aber der Gumbie-Katze schöne Augen. Dann wird das erste Mal von Macavity, dem Bösewicht erzählt. Man hört Polizeisirenen, Macavity ist auf der Flucht. Aus der Luke kommen jetzt zwei Regionalkatzen: Mungojerrie und Rumpleteazer. Mit unüberhörbaren oberfränkischem Akzent und in einem angedeuteten Trachtenlook in Blau, mischen die zwei jede Wohnung auf. Auch im Original haben die beiden Katzen einen Cockney-Akzent. So geht die Ming-Vase zu Bruch und an einem Seil werden Mäuse über die Bühne gezogen. Nun kommt mit viel Würde die Oberkatze zum Ball, Old Deuteronomy (Martin Sommerlatte) hat schon viele Katzenleben hinter sich, eine große Gefolgschaft. Er nimmt auf einem Sessel rechts Platz und wird die Katze auserwählen, die wiedergeboren werden soll. Eine Stimme hat der Anführer, die sofort zu beeindrucken weiß. Der Anführer ist nun eingetroffen und er Ball kann beginnen. Nach dem Ball kommt Grizabella wieder und singt den Song „Erinnerung“, wobei ein Teil des Liedes von der jungen, weißen Katze gesungen wird. Dann geht es ohne Pause weiter. Es erzählt der Theaterkater Gus von seinem größten Erfolg, dem Growltiger. Blitzartig verwandelt sich die Bühne in ein ostasiatisches Piratensetting mit Dschunke. Aus dem müden Gus wird wieder der Held, der seine Geliebte Griddlebone vor den Siamesen retten muss. Aber er meint, früher wäre das Theater besser gewesen. Nun erscheint Skimbleshanks, die Eisenbahnkatze. Mit einem blauen Zug mit vier Waggons wird eine Eisenbahn improvisiert. Erinnerungen kommen an Jim Knopf den Lokomotivführer auf. Bis schließlich Macavity mit roter Irokesen-Frisur und Schottenrock Old Deuteronomy entführt. Mr. Mistoffelees wird nun engagiert, der Old Deuteronomy mit einer großen Feuershow wieder herbeizaubern soll. Aus einem großen Rohr kommt er schließlich aus einer Nebelschwade. Nun muss die Katze gewählt werden, die wieder geboren wird. Grizabella erscheint nun wieder und singt den zweiten Teil von „Erinnerung“. Nun wählt er doch diese Katze aus, die wiedergeboren werden darf. Grizabella steigt über die Leitern zum oberen Ende der Bühne auf. Begleitet von drei Feuer Sprühern erklimmt sie auf die Leiter das Jenseits. Abschließend gibt Old Deuteronomy noch eine Rede darüber, wie man eine Katze ansprechen soll. Am Ende sind auch die Jugendlichen vom Anfang begeistert, dass sie etwas über Katzen erfahren durften.

Etwas irritiert war ich in der Vorstellung dadurch, dass es keine Pause gab, sondern das Stück in einem Zug durchgespielt wird. Die Naturbühne der Luisenburg kommt als Steinbruch sehr gut zur Geltung und bei der Abendvorstellung tut die Abendsonne der Bühne guten Dienst. Man hat die Luisenburg 2010-2013 saniert, sodass man auch als Zuschauer eventuelle Regengüsse nicht mehr fürchten muss. In meiner Serie Musicals hatte ich bisher um Cats immer einen Bogen gemacht. Das Musical hatte mir zu wenig Handlung, war mir von den Nummern her nicht eingängig genug und zu jazzig. Dennoch sollte man diesen Erfolg von Andrew Lloyd Webber einmal live gesehen haben. Die Choreografie und Tanzszenen verlangen den Darstellern viel sängerische Kondition ab. Dabei immer wieder zu singen und sich als Chor über die Bühne zu bewegen, ist schon sehenswert. Was hier an Kostümzauber und aufwendiger Schminke fehlt, wird hier durch die Naturbühne und bezaubernde Einfälle ausgeglichen. Ich werde durch die Vorstellung sicher nicht zum Fan dieses Musicals, aber gesehen haben sollte man diesen Bühnenerfolg schon.

Von • Gallerien: Kultur, Musical • Tags: cats