Opernblog

Gallerie: "Kultur"

Es ist vielleicht die bekannteste Kammeroper von Wolfgang Rhim, die das Staatstheater Nürnberg neu auf dem Spielplan hat. Diese Oper behandelt in 13 Bildern den geistigen Verfall des Sturm und Drang Dichters Jakob Lenz. Die Handlung der Oper beinhaltet den Aufenthalt von Jakob Lenz im Elsass in Waldersbach bei dem evangelischen Pastor und Philantropen Oberlin, der sich vom 20. Januar bis 8. Februar 1778 hinzog. Man hätte diesen Freund Goethes sicher ganz vergessen, hätte nicht Georg Büchner eine Novelle mit dem Titel Lenz verfasst. Dieser behandelt genau die Zeit des Aufenthalts im Steintal in den Vogesen. Da Jakob Lenz an einer paranoiden Schizophrenie erkrankt war, hat sein Freund Kaufmann ihm den Aufenthalt bei Oberlin empfohlen, da Oberlin als Seelsorger und Psychologe bekannt war. Damit sind auch schon die Hauptakteure der Oper benannt, nämlich Jakob Lenz, Oberlin und sein Freund Kaufmann. Mit diesen wichtigen Informationen bei der Einführung ausgestattet, startet eine bildgewaltige Reise in den Wahnsinn von Jakob Lenz, die der Hauptdarsteller Hans Gröning in beängstigender Weise umsetzt. Begleitet werden die Episoden von einem 11 Mann Orchester und 4 Frauen und 2 Männerstimmen, die den inneren Dialog des Dichters darlegen sollen. Die Texte, die gesungen, gesprochen und gekreischt werden stammen dabei teilweise von Lenz selbst, zur anderen Hälfte von Georg Büchner.

Man landet im ersten Bild schon in einer dystopischen Blade-Runner-Zukunft, vermutlich in den Straßenschluchten eines Moskauer Vororts, in dem der Dichter schließlich viele Jahre später sein Ende fand. Mit einem Einkaufswagen voller Plastiktüten versucht ein völlig verstörter Lenz, an zwei EC-Automaten Geld abzuheben. Er selbst schläft auf einer Matratze am Straßenrand. Die Liebe von der nun gesprochen wird, wird mit billigen Sexshops plakativ in Szene gesetzt. Lenz war seiner Zeit unglaublich verliebt in Frederike Brion, die aber für ihn unerreichbar blieb. Verfolgt von den Stimmen aus dem Orchestergraben und nach einem erfrischenden Bad in einer Mülltonne, landet er im Obergeschoss einer Wohnung bei Pfarrer Oberlin. Dieses weiße Zimmer mit einem Kreuz an der Wand bildet einen Ruhepol in den grauen Bildern der Zukunftsstadt. Aber die Trugbilder, eben auch von Frederike lassen ihn nicht schlafen. Sie machen am Morgen einen Spaziergang auf das Land, wo er sich als Theologe zu erkennen gibt und versucht zu predigen. Am Land trifft er demonstrierende Kinder und man ist mitten in einer Fridays for Future-Demo gelandet. Man sieht jetzt Lenz in einer großen Kameraeinspielung mitten im Wahn. Kaufmann, eine recht zwielichtige Gestalt, ist von Lenz Eltern ausgesandt worden, ihn heimzuholen. Es entwickelt sich ein Dialog über die gegensätzliche Auffassung von Kunst. Für Lenz muss Kunst wahr sein, für Kaufmann dagegen schön. Lenz flieht durch den Zuschauerraum ins Gebirge. Er erfährt schließlich, dass Friederike für ihn verloren ist. Auch bei der Rückkehr zu Oberlin, kann der Pfarrer ihn nicht beruhigen. Wieder hat Lenz eine Erscheinung: Er kniet vor dem weißen Kindersarg eines mit dem Rad verunglückten Mädchens. Er meint, hier Friederike erkannt zu haben und läuft wieder weg. In einer Sequenz sieht er die Freiheitsstatue mit dem Spruch: Krieg dem Frieden, Hütten den Palästen vorbeiziehen. Er landet in einer Polizeistation, wo auch noch Polizei auf ihn einprügelt. In einer Gay-Pride-Parade ziehen seine Stimmen an ihm vorbei. Lenz liegt am Ende blutüberströmt neben einer Toilettenschüssel. Kaufmann findet ihn und bringt ihn zurück ins Haus. Alle Versuche Lenz wieder zur Besinnung zu bringen, scheitern. Er verliert sich in Trugbildern und hat nur noch Erscheinungen. Am Ende der Vorstellung regnet es Flugblätter mit Texten von Lenz auf die Zuschauer.

Während man beim Musical ‚Catch me if you can‘ einen Kassenschlager entworfen hat, ist man hier in der krassen Gegenwelt gelandet. Nun kann man sich eigentlich schon ausmalen, dass eine Oper über paranoide Schizophrenie nicht lustig ist und moderne Oper sicher ein adäquates Ausdrucksmittel dafür ist. Wenn es dann noch 36 Grad Außentemperatur hat und man froh um die Tauschkarte im Parkett ist, sind 90 Minuten Rhim dennoch eine Herausforderung für die Aufmerksamkeit. Ohne die erhellende Einführung des Dramaturgen Georg Holzer, wäre man mit den vielen Umbauten und der Bilderflut überfordert. Es wird keine wirkliche Geschichte in den 13 Sequenzen erzählt und man bekommt keine schlüssige Erklärung, was auf der Bühne eigentlich stattfindet. Letztlich ist es aber genau die Abbildung der Krankheit von Lenz, in der er sich am Ende verloren hat.

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Von • Gallerien: Kultur, Oper • Tags: Jakob Lenz

Mit dem Musical ‚Catch me if you can’ ist Nürnberg so was wie ein Kassenschlager gelungen. Entsprechend häufig erscheint das Musical über den Hochstapler Frank Abagnale auf dem Spielplan. Gil Mehmert schafft darin eine Hommage an die 60er Jahre mit viel Haarspray und nostalgischem Blick zurück, in der man es problemlos gelang, mit etwas Kleber, Tinte und Radiergummi Schecks zu fälschen, mit Uniformen zu beeindrucken und die Rollenverständnisse scheinbar noch gefestigt waren. Passend zur großen Frank Abagnale Show, die gleich zu Beginn des Musicals von einem swingendem Frank William Abagnale Orchestra begleitet wird. Was zunächst mit einer Schießerei am Flughafen von Miami beginnt, mündet ziemlich schnell in einer großen TV-Show über den Hauptdarsteller. Mit zwei Showtreppen, etwas bunter LED-Beleuchtung und einer großen Schrift: ‚live on air‘ erklärt die Hauptperson nun, wie es zur Schießerei am Flughafen kommen konnte. Sein Verfolger Hanratty gesteht ihm die Zeit er, denn er will wissen, wie Frank sich durch das Leben als Pilot, Arzt und Anwalt geblufft hat. Hanratty ist vor allem daran interessiert, wie er zum Anwaltstitel in New Orleans kam. Also lässt er Frank sein Leben erzählen.

Das beginnt zunächst recht harmonisch. Frank Abagnale Senior war Soldat in Frankreich und hat sich dort auf einem Abend für die Truppe, in die dort auftretende 16-jährige Paula verliebt. Sein Vater war einer von 200 Soldaten und wollte genau dieses Mädchen an dem Abend haben. Franks Mutter schmückt einen Christbaum. Die Zeiten für Franks Vater stehen schlecht, er verkauft seinen Cadillac um Rückstände zu begleichen und einen Farbfernseher zu kaufen. Frank selbst muss von der Privatschule runter an eine staatliche Schule. Mit seinem Nadelstreifenjackett wird er dort fälschlicherweise als Aushilfslehrer angesehen. Das ist eigentlich seine erste Rolle, die er mehrere Tage spielt, bis die Direktorin einschreitet. Er hätte einen Ausflug in eine Pommes-Frittes-Fabrik organisiert und zu einem Elternabend eingeladen. Sein Vater sieht das eher belustigt, so nach dem Motto, der Junge schafft es zu beeindrucken. Als er eines Abends nach Hause kommt, sieht er neben der Umzugskiste, seine Mutter in den Armen des besten Freundes seines Vaters. Die Beziehung seiner Eltern kommt ins Wanken. Seine Mutter und sein Vater entfremden sich immer weiter. Frank befindet sich plötzlich mitten in einer Gerichtsverhandlung, bei der ein Richter mit überlangem schwarzem Talar bittet, Frank sich zwischen Vater und Mutter zu entscheiden. Frank bekommt von seinem Vater 20 Schecks. Mit einem Trick schafft er es aus dem Vorort New Rochelle, nach Manhatten. Jetzt gibt es einen kurzen Werbeblock, bei dem Werbung für Kleber, Tinte und Tippex gemacht wird. Frank fängt an die Schecks zu fälschen und löst bei immer anderen Filialen der Banken diese Schecks ein, was seine Verfolger auf den Plan ruft. Mit einem weiteren Trick verschafft er sich nun durch ein Foto die Kopie eines Ausweises eines Piloten, er gibt sich dabei als Reporter einer Schülerzeitung aus. Er lernt den Jargon der Flieger, lässt sich eine Uniform abmessen und auf Rechnung ausstellen. In einer blauen Glitzerjacke genießt er nun die Zeit zwischen den Flügen und weitet damit seinen Aktionsradius in Sachen Scheckbetrug aus. Wieder taucht Frank als gemachter Pilot bei seinem Vater auf und bietet ihm Hilfe an. Frank glaubt immer wieder dran, dass seine Eltern zusammenfinden. Der Vater schickt ihn aber weg. Es folgt ein Running Gag über ertrinkende Mäuse in Milch, bei der die erste ertrinkt und die zweite mit ihren Beinen solange rudert, bis die Milch zu Butter wird und sie entkommen kann. Als Pilot hat er auch eine Affäre mit einem Playmate. Für 1000 Dollar bekommt er eine Nacht mit ihr, die er wieder mit einem falschen Scheck bezahlt. Das Hotelzimmer ist aber leer und sein Verfolger Hanratty durchwühlt den Müll nach Hinweisen auf den Fälscher. Etwas weiter in Los Angeles treffen Hanratty und Frank das erste Mal aufeinander. Der Verfolger hat ihn schon fast, als er sich dann als Clark Kent ausgibt, der selbst hinter dem Fälscher her wäre. Frank hat jetzt die Telefonnummer des Verfolgers und nach einer Flucht nach Washington baut sich ein fast mystisches Verhältnis zwischen den beiden auf. An Weihnachten wären wohl beide alleine und hätten niemand zum Reden.

Frank hat von der Verfolgung genug, er zieht sich nach Atlanta zurück. Dort will er eigentlich kürzertreten, gibt sich aber wieder als Kinderarzt aus und wird Chef der Notaufnahme. Es findet eine wilde Party der Bewohner des Nobelviertels in Atlanta statt, bei der recht freizügig bekleidete Krankenschwestern mit Ärzten anbandeln. Obwohl Frank kein Blut sehen kann, wird er Oberarzt dort. Unterstützt wird er dabei von Brenda. Seine Verfolger sind nicht untätig und haben eine lange Computerliste mit vermissten Schülernamen. Hanratty hat ziemlich schnell rausgefunden, welcher Schüler der richtige ist und befragt seine Mutter und seinen Vater, nach Franks Verbleib. Sein Vater wehrt total ab, Frank wäre auf dem Weg nach Vietnam, um sein Vaterland zu verteidigen. Allerdings findet Hanratty einen Brief mit einem Absender aus Atlanta, wo Frank ja untergekommen ist. Brenda versteht unterdessen nicht, warum Frank ausgerechnet sie ausgesucht hat. Es gäbe doch bessere Frauen überall, auch in Nürnberg. Die Verfolger sind weiter hinter ihm her und er flieht mit Brenda zu ihren Eltern. Brenda stellt ihren Eltern Frank vor, Brendas Vater ist Anwalt, worauf sich Frank als Anwalt zu erkennen gibt. Für den Vater Mitch ist es aber nur wichtig, dass Frank Lutheraner ist, und fordert ihn zum Tischgebet auf. Es folgt die Mitch-Show, bei der drei Elterndoubles auftreten mit Pappblasinstrumenten. Jetzt begeht Frank einen Fehler, indem er seinen Arztnamen in einer Verlobungsanzeige veröffentlicht. Dies führt Hanratty zu ihm. Frank muss flüchten, verrät Brenda aber noch den richtigen Namen. Es folgt eine wunderbare Einlage a la Diana Ross & the Supremes, bei der Brenda erzählt, wie sehr sie Frank liebt und dass sie ihn nie verraten würde.

Damit sind wir wieder am Anfang des Stücks mitten in der Schießerei. Hanratty informiert Frank, dass sein Vater betrunken bei einem Treppensturz ums Leben gekommen sei. Frank erkennt, dass sein letzter Halt verloren ist. Er stellt sich der Polizei, bekommt 15 Jahre als Gefängnisstrafe. Davon werden im 8 wegen guter Führung erlassen. Mit Handschellen aneinandergekettet, gibt es nun das Finale und die Auflösung. Frank arbeitet mit seinem Wissen als FBI-Mitarbeiter zusammen mit Hanratty, um Scheckbetrüger zu fassen. Am Ende gesteht Frank, dass er für die Anwaltsprüfung in New Orleans wirklich 14 Tage gelernt hat und diese bestanden hatte.

Zunächst hat das Musical alles, um richtig durchzustarten. Zwei Showtreppen, bunte LED-Lichter, eine swingende Band mit 14 Mann (Jürgen Grimm und seine Big Band). Gerade der Dialog mit dem Orchester ist immer wieder witzig, wie Frank die passende Untermalung zu der Szenerie einfordert. Mir badet das Musical aber insgesamt auch etwas zu sehr in den Klischees, so finde ich sexy Krankenschwestern und Tänzerinnen mit Playboy-Hasenohren zum Finale vielleicht vor dem Mief der 50/60er Jahre noch vorzeigbar. Insgesamt geht das aber heute irgendwie nicht mehr durch. Die kaputte Beziehung der Eltern und die etwas grobe Darstellung des Vaters als Hochstapler und Säufer ebenso. Die Mutter macht als Beziehungshopperin auch keine gute Figur. Da fällt einem sofort der Spruch ein: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Ob letztlich die Anhäufung vieler Klischees wie im Film Casablanca, letztlich zum Kult ausreichen, bezweifle ich etwas. Das Publikum war aber gut unterhalten, das Haus war voll und das Opernhaus um einen Kassenknüller reicher. Es sei dem Staatstheater gegönnt, denn getanzt und gespielt wird auf hohem Niveau.

Quelle: YouTube | Staatstheater Nürnberg

Von • Gallerien: Kultur, Musical • Tags: Catch me if you can
Die Tote Stadt - eine Reise wert

Dresden hat diese Spielzeit noch zweimal die ‚Tote Stadt‘ von Erich Wolfgang Korngold auf dem Spielplan. Die Inszenierung von David Bösch kann man dazu eindeutig empfehlen, denn Patrick Bannwart schafft es im Bühnenbild, eine morbide Kirche des Gewesenen, zu realisieren. Wie ein braunes Gewölbe nimmt es die ganze Bühnenhöhe ein, an den Wänden steht immer wieder der Name Marie. Sie ist die verstorbene Frau des Hauptdarstellers Paul, deren Andenken Paul in dem Zimmer mit einem übergroßen Profilporträt und verblühten Rosen gedenkt. Das hohe Zimmer ist spärlich eingerichtet mit einer Stehlampe, einem Sessel und einer Matratze ganz rechts. Besucht wird Paul von seinem Freund Frank, der die Szenerie trostlos findet. Frank sitzt selbst in einem Rollstuhl. Er befragt die Dienerin Brigitta, wie es ihr hier geht. In dem Moment kommt Paul herein und fordert Brigitta auf, frische Rosen zu bringen. Er hätte eine Frau gefunden, die seiner verstorbenen Marie gleicht. Sie wäre auf dem Weg in sein Haus. Die gefundene Frau heißt aber Marietta, eine Tänzerin einer Tourneebühne. In der Rollenanlage erinnert sie an die großen Tänzerinnen im Berlin der 20er Jahre. Paul gibt Marietta noch den Schal und die Laute Maries, damit sie seiner toten Frau wirklich ähnlich ist. Marietta aber findet den Raum trostlos und stimmt ein Lied an (Glück das mir verblieb), was man heute als Zugnummer der Oper bezeichnen kann. Dabei müssen Paul und Marie in sehr hohen Lagen singen, was dem Tenor an diesem Abend sichtlich schwerfällt. Hatte er sich nicht noch kurz vorher mit einem Antiallergikum fit für die Aufführung machen lassen, weshalb man die Oper an diesem Abend 15 Minuten später stattfinden ließ. Man war sich während der ersten Szenen nie so recht sicher, ob der singende Paul wirklich angeschlagen ist oder ob er den verzweifelten Paul nur wirklich gut spielt. Jedenfalls lässt Marietta Paul in keiner Weise über ihren Beruf im Unklaren. Dies scheint in dieser Inszenierung Paul so aus der Fassung zu bringen, dass er sie bereits jetzt würgt. Es tritt ein Tänzer mit aufgemaltem Skelett auf. Es ist Gaston, ein Kollege. Marietta wirft etwas Flitter auf die Bühne und wird mit einer Champagnerflasche von Gaston weggetragen. Nun wird Paul von schlimmen Albträumen heimgesucht. In einer negativen Projektion erscheint übergroß mit wehendem Haar Marie und mahnt ihn zur Treue.

Wer jetzt glaubt, der Spuk wäre vorbei, hat sich im zweiten Bild getäuscht. Marie wiederholt noch mal das Treueversprechen. Am Ende löst sich das Bild in lauter Fledermäuse auf. Paul ist aber Marietta verfallen. Eine Prozession von Nonnen trägt Bilder von Marie über die Bühne. Als letzte Nonne tritt seine Haushälterin Brigitta auf. Paul hätte seine Frau verraten, sie werde aber für ihn beten. Im nächsten Moment kommt Frank auf die Bühne, der hätte Mariettas Zimmerschlüssel. Paul entreißt Frank den Schlüssel, worauf dieser die Freundschaft mit ihm beendet. Marietta wir nun vom Gaston abgesetzt. Sie trägt inzwischen ein rotes Kleid und Engelsflügel und erscheint im Gefolge einer bunten Theatertruppe mit einem Pierrot, einem Grafen, einem Dompteur und einem Zwillingsdouble Tänzerinnen. Auf die Bühne kommen auch Sofas gefahren mit Totenmasken als Gondolieres, nur dass ihre Gondeln Sofas sind. Am rechten Rand steht in einer Installation nun 'Love', es geht um die sinnliche Liebe. Nun muss Paul ansehen, wie der Pierrot seine Identität preisgibt und ihn nach der Arie (Mein Sehnen, mein Wähnen) küsst. Sie will die Nonnenerweckung aus „Robert le Diable“ tanzen und verbrennt dabei ein Bild, worauf wieder die Prozession von Nonnen hervorkommt, diesmal allerdings mit leeren Bilderrahmen. Paul kann das nicht länger ansehen und stürmt hervor und bezichtigt Marietta der Blasphemie. Die aber gibt an, mit Paul alleine fertig zu werden. Paul wird ins Bett gezogen und von Marietta heftig umworben. Es kommt trotz Pauls Zweifeln zu einer Liebesnacht, in der er wieder von vielen kleinen Marie-Doubles heimgesucht wird. Marietta will in Pauls Haus, um das Gespenst der Marie für immer zu bannen.

Im dritten Bild erscheint Marie im Morgenmantel. Sie deckt das Bild in der Wohnung auf und zerstört es mit der Aufforderung, dass die Toten die Lebenden in Ruhe lassen sollen. Es kommt zu einer weiteren Prozession Szene, die Paul und Marietta nur von der Ferne sehen. Am rechten Bühnenrand sieht man im Lichterschein die Prozession vorbeiziehen. Marie bezichtigt Paul nun der übermäßigen Frömmelei. Die Prozession erscheint als Projektion im Bühnenraum, wieder albtraumhaft mit Fratzen, die Paul quälen. Zu allem Überfluss breitet sich nun auf der gesamten Bühne 128 km blondes Hanfseil aus. Das ist das tote Haar seiner Frau Marie, das Paul wie eine Reliquie ehrt. Diese Strähne entdeckt nun Marietta und zieht Paul damit auf, dass Ihr Haar doch viel geschmeidiger als das der Toten wäre. Dies bringt nun Paul so in Rage, dass er die in seinen Augen unwürdige Marietta mit dem Zopf erwürgt.
Es fällt der Vorhang. Paul erwacht aus dem Traum. Somit ist klar, der zweite und er halbe dritte Akt waren nur ein Albtraum. Seine Dienerin ist wieder da, die roten Rosen und Marietta lebt auch wieder. Marietta kommt, um die Strauß Rosen mitzunehmen. Sie fordert sogar Paul auf, mit ihm mitzugehen, was dieser jedoch ablehnt. Frank sieht Paul als von Visionen befreit an und fordert ihn auf, mit auf die Reise zu gehen. Die Oper endet noch einmal mit Mariettas Lied. Man meint nun, alles wäre gut. Hier lässt die Regie aber Zweifel aufkommen, denn unter dem Teppich kauert sich Paul erneut um ein Stück Hanfseil, das das tote Haar von Marie darstellt.

Die Oper ist wirklich ein ganz großer Wurf, sowohl vom Stück her, als auch von der Regie. Dmitri Jurowski bringt einen, in den besten Spuren von Strauß und Puccini, aufspielenden Korngold. Man findet viele Verweise auf die spätere Filmmusik, die der Komponist aus Not in Amerika komponiert hat. Er musste in den 30er Jahren vor den Nationalsozialisten fliehen. Mit Motivtechnik werden immer wieder die Melodien der Hauptnummern angespielt. Die Regie schafft es, das Abrutschen in den Albtraum sehr gezielt zu visualisieren. Sehr beeindruckend ist, wie das Haar als Faden aufgegriffen wird. Paul verfängt sich in den Überbleibseln seiner Marie im dritten Akt. Klar, dass keine wirkliche Frau, schon gar keine Tänzerin a la Anita Berber, diesem Ideal gerecht werden kann. Manuela Uhl als Darstellerin, die den Rausch lebt, kann niemals dem Ideal einer Frau gerecht werden, die bis in den Tod treu war. Das Ganze wird durch muss scheitern, was es hier in beeindruckender Weise tut. Dass die Rolle des Paul ein Kraftakt ist, war mir schon immer klar. Nicht zuletzt der durchgeschwitzte Darsteller des Paul am Ende, lässt keinen Zweifel offen: Die gespielte Schwäche im ersten Akt war real.

Quelle: YouTube | Semperoper Dresden

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David Hermann inszeniert im Staatstheater Nürnberg einen Lohengrin von Richard Wagner in einer Fantasy-Welt im Stil von Game of Thrones. Jo Schramms Installation von langen Mikado Stäben gehört dabei zu den guten Einfällen, denn diese bildet immer wieder neue Räume, trennt das Volk von den Hauptdarstellern, bildet Gassen, Korridore, Kirchenräume. Ansonsten setzt man, mit sparsamem Bühnenbild, ganz auf die Wirkung der Kostüme von Katharina Tasch. Diese lässt die Mannen von Brabant als Barbaren auftreten, die dem Wodan-Kult huldigen. Als Gegenspieler dienen die rekrutierten Soldaten von König Heinrich, die als Knappen daherkommen. Die sieben Gefolgsleute sehen dabei etwas aus wie aus dem Playmobillager von Zirndorf, mit ihren Schildern und den Prinz-Eisenherzfrisuren. Dagegen hüllt man die Gralsritter in rotes Leder und mit ihren Paillettenhosen könnten sie einer Star Wars Saga entsprungen sein.

Während des Vorspiels zum ersten Akt öffnet sich für einen Moment der Vorhang. Man sieht die Ritter der Gralsrunde um einen futuristischen, runden Tisch stehen. Im Bühnenboden in der Tischmitte versinkt dabei ein Mädchen. Parsifal, der im Folgenden immer wieder die Geschehnisse beeinflusst, wurde der Handlung hinzugefügt als stummer Akteur. Er erinnert Lohengrin an sein Schweigegelübde. Das ist die Regel der Gralsritter, sobald sie sich zu erkennen geben müssen, müssen sie den Ort verlassen. Man sieht Lohengrin aufbrechen zu seiner Mission nach Brabant und der Vorhang schließt sich wieder. Nach dem Vorspiel kommt König Heinrich auf der Bühne, der mit seinem Mantel, der schwarzen Krone und der Glitzerhose, der etwas aussieht, wie aus einem Comic entsprungen. Der Heerrufer mit seiner Taube könnte dagegen glatt in Dietfurt beim Chinesenfasching auflaufen. Man kann also einen bunten Stilmix an Zeiten ausmachen. Als jetzt eine Art zweistöckiger Verschlag-Wagen reingefahren wird, befindet sich darin Elsa von Brabant. Die ersten Latten muss man noch vorsichtig entfernen, als sie ihre erste große Arie anstimmt. Die anderen Latten nimmt sie selbst weg und entsteigt dem Gefährt. Sie wird von ihrem Ziehvater und Verwalter des Erbes von Brabant Telramund des Brudermordes angeklagt. Telramund in seinem Netzhemd und seine Frau Ortrud, die etwas an die Figur der Maleficient erinnert, sind die Bösen im Spiel, die dem Kult um Wodan anhängen. In einem Traum hat Elsa einen Ritter gesehen, den sie jetzt anruft, um ihr zu helfen. Nach zweimaligen Rufen erscheint tatsächlich Lohengrin. Der Schwan, auf dem er ankommen soll, wird dabei durch die schwingenden Stäbe angedeutet. Aber der Retter stellt Bedingungen: Nie solle Elsa fragen, wie er heißt und wo er herkommt. Schon zwei Akte später soll Elsa dieses Gelübde brechen, doch jetzt kämpft er erst mal für sie. König Heinrich fordert ein Gottesgericht ein, wo Lohengrin und Telramund antreten müssen. Aus dem Bühnenboden kommen nun Wodan und Parsifal und streiten synchron mit Telramund und Lohengrin. Die Klingen berühren sich dabei nicht wirklich, wie abstoßende Magneten stehen sie wenige Zentimeter von einander entfernt. Es siegt letztlich Lohengrin und Parsifal. Ortrud und Telramund sind entehrt und müssen hinter die Stangenwald flüchten.

Im zweiten Akt sammeln sich nun die Verschwörer. Während hinter den Stäben laut der Sieg gefeiert wird, gibt es eine abgebrannte Esche zu sehen. Um den Baum herum liegen tote Raben, die ein Seherdouble von Ortrud in einen schwarzen Sack einsammelt, wie eine Flaschensammlerin. Wenn Ortrud nun ihr Seherauge bemüht, was das Geheimnis des Ritters ist, greift sie auf dieses Double zurück. Sie beschwört dabei Wodan, der auch prompt wieder aus dem Bühnenboden kommt. Die Weltesche scheint derweil mit einem Fahrwerk ausgestattet und wir zur Seite gefahren. In einer langen Sequenz bittet nun Ortrud um Einlass bei Elsa. Die Braut ist so naiv und gibt nach und lässt sie ein. Ortrud setzt nun gezielt ihr Gift ein, dass Elsa doch sicher wissen wolle, wer am folgenden Tag ihr Mann wird. Vor der Kirche soll es zum Eklat kommen und Telramund bezichtigt Lohengrin der Zauberei. Das Volk sammelt sich sehr pittoresk in einer stilisierten Kirche. Passend zur Orgelmusik lässt man am Bühnenrand die Orgelpfeifen herunter. Man sieht Brautjungfern, das Volk und auch ein Quartett von vier poppigen Engeln mit Sneakers und silbernen Flügeln. Die stehen jetzt mit ihren goldenen Handschuhen flatternd Elsa zur Seite und laufen lustige Formationen. Sie bilden einen Gegenpart zu den vier Edlen, die als Barbaren daherkommen. In dem Tumult vor der Kirche sollen die Engel aber gerupft werden und ihre silbernen Flügel verlieren. Auch Elsa geht es schlecht, sie wird wieder von Wodan in den Schwitzkasten genommen, bis endlich ihr Angetrauter eingreift und Ortrud und Telramund vertreibt. Die Hochzeitszeremonie kann nun beginnen, doch in einem Lichtkegel triumphiert schon Ortruds Alter Ego vor der Kirche.

Der dritte Akt beginnt mit einem Saufgelage von Wodan mit seinen sechs Walküren. Wahrscheinlich hatten die anderen drei Walküren gerade Freigang. Auf einem Tisch liegt ein gebratenes künstliches Schwein, aus dem Wodan immer wieder Stücke reißt. Die Holzkrüge für den Met werden dabei immer größer. Zwei Engel aus dem zweiten Akt haben sich scheinbar erholt und vertreiben Schwein und Walküren. Schließlich kugelt Wodan stockbetrunken zum Brautmarsch auf der Bühne. Die Hochzeitgesellschaft trägt in Einzelteilen ein weißes Ehebett herein, das sie nun für Lohengrin und Elsa zusammenbauen. Dabei liegen sie mit ihrer grauen Bettwäsche voll im Einrichtungstrend. Elsa zieht ihr Brautkleid aus und man kommt im Ehebett recht schnell zur Sache, aber halt… Da war ja noch das Problem mit dem Namen. Elsa spielt nun unter dem Bett etwas Verstecken, dreht aber das Wort so lange, bis sie Lohengrin nach ihrem Namen fragt. Dabei schleicht sich im Brautgemach immer Parsifal und Wotan mit Telramund rum, das kann nicht gut gehen. Parsifal ermahnt Lohengrin stumm, seine Herkunft nicht Preis zu geben und mischt sich nervös ein. Im entscheidenden Moment versucht nun Telramund einen Mordanschlag, worauf ihm Lohengrin das Genick bricht. Am kommenden Tag muss der Held seine Herkunft zu erkennen geben. Er klagt nun vor König Heinrich, dass man ihn fast ermordet hätte. Außerdem hätte seine Frau nun doch wissen wollen, wie er heißt. In der Gralserzählung sagt nun Lohengrin, wie er heißt, wobei das Volk hinter den Stangen ausgeschlossen wird. Es erscheinen drei Gralsritter mit Horn, Schwert und Ring und ziehen Lohengrin nach der Offenbarung fort zum Gral. Zu den Schlussklängen kommen noch mal Wodan und Parsifal aus dem Boden. Der Göttervater erweckt Telramund zum Leben, der als Untoter mit Ortrud zusammen über Brabant herrscht und den hölzernen Thron besteigt. Bruder Gottfried bleibt verschollen.

Aus meiner Sicht viel Licht und Schatten in dem Lohengrin in Nürnberg. Zunächst schafft es Joanna Mallwitz wunderbar, einen flüssigen Wagner zu dirigieren. Von der Geschwindigkeit geht sie dabei mit großem Chor und Orchester ein hohes Tempo ein. Das wurde von der Kritik her sehr gelobt, dennoch leiden vor allem die Stellen der Ortrud etwas, die in ihrer Gemeinheit etwas mehr Zeit benötigt, ihre Fiesheit auszukosten. Das Bühnenbild ist wirklich eine Sensation und setzt ganz auf die Wirkung der Stäbe und der Kostüme dazu. Eric Laporte als Lohengrin war für mich an dem Abend die Entdeckung, denn er singt einen sauberen, funkelnden Helden. Die wahren Gewinner des Abends sind aber Martina Dike als Ortrud und Sangmin Lee als Telramund. Ortrud, die bisweilen, schrill durch das Tempo, an ihre Grenzen geht und die Spielfreude von Telramund in seinem Netzhemd. Kein Wunder, dass die Regie die Bösen am Ende über den gescheiterten Lohengrin triumphieren lässt. Man hat sich mit den Figuren von Wodan und Parsifal etwas einfallen lassen, die normalerweise nur Erwähnung finden, selbst aber in die Handlung als Personen nicht eingreifen. Die Geschichte als Religionskonflikt zu erzählen, greift ein Detail aus dem zweiten Akt auf, als Ortrud Wodan beschwört. Ob das damit ein schlüssiges Ganzes wird, sei dahingestellt.

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Von • Gallerien: Kultur, Oper • Tags: Lohengrin
Anastasia - gefunden oder vielleicht auch nicht

Zu einer Aufführung von Anastasia hat es mich nach Stuttgart gezogen. Das Musical um die Zarentochter Anastasia, dabei versucht man den Spagat zwischen einem Bergmann-Film und dem Zeichentrickmusical. Man darf sich da nicht auf das geschichtliche Glatteis führen lassen. Stimmen zwar Personen, Stadtansichten und Kostüme, ist es von der Handlung her doch pure Fiktion. Abwertend könnte man jetzt von Fake-News oder Geschichtsklitterung sprechen. Dennoch lässt das Musical geschickt die Frage offen, ob die gefundene Zarentochter doch wirklich echt war. Die Musik von Stephen Flaherty schafft es geschickt, jeder Person eigene Motive zuzuordnen, die dann im Verlauf immer wieder aufgegriffen werden. Eine Bühnen füllende LED-Wand erzeugt auch mit sparsamer Dekoration immer wieder neue Räume.

Es beginnt im Jahr 1907, als Maria Fjodorowna-auch genannt Nana- sich von der Enkelin verabschiedet, aus Petersburg aufbricht und nach Paris geht. Eine Spieldose, die sie von ihrer Oma bekommt, soll für Anastasia eine wichtige Rolle spielen. Bei dem Walzer der Spieldose verschwindet Anastasia als kleines Mädchen und kommt in der nächsten Szene als Jugendliche hinter der Säule hervor. Man erlebt die Revolution im Jahr 1917 aus Sicht der Romanows im Winterpalast in Petersburg. Man ist gerade beim Tanz, die ganze Zarenfamilie ist festlich gekleidet in Weiß, als die Revolution mit rotem Feuer über sie hereinbricht. Es zersplittern scheinbar die Scheiben und die Revolutionsgarden erschießen die Familie aus dem Hinterhalt. Das Zersplittern der Scheiben geschieht mit Hilfe der LED-Panels. In der nächsten Überblendung ist man 10 Jahre weiter im Jahr 1927. Gleb Vaganov verspricht in Leningrad eine gute Zukunft nach der Liquidation der Romanovs. Anya leidet an Amnesie und ist sehr schreckhaft. In einer Folgeszene suchen Dimitry und Vlad eine Schauspielerin, die die Rolle der überlebenden Anastasia einnehmen soll. Ihre Großmutter hat in Paris eine große Belohnung ausgesetzt, auf die Überbringung der echten Zarentochter Anastasia. Die drei Damen, die sie geladen hatten, sind alle durchgefallen, als Anya auftaucht. Diese kann sich vage an einen Abend im Jussupow-Palast erinnern. Mit einer Familienaufstellung auf einer Kreidetafel und Details über die Zarenfamilie trainiert man Anya die Rolle der Zarentochter an. Anya wird aber von Gleb verhaftet, in einer Schreibstube hört man Gerüchte, dass die Zarentochter noch lebt. In einer kurzen Sequenz macht sich Gleb über die schlecht funktionierenden Telefone russischer Bauart lustig, dennoch ist er linientreu. Gleb bestellt Anya in sein Büro und warnt sie davor, die Rolle der Anastasia zu spielen. Sein Vater hätte die Romanovs getötet und mit einer angeblichen Anastasia würde er ähnlich verfahren. Mit einer Verwarnung lässt er Anya laufen. Dimitry und Anya treffen vor einem Prospekt der Heilig-Blut-Kathedrale zusammen. Er zeigt Anya eine Spieldose, die ihm bei der Oktoberrevolution zufiel, aber nicht öffnen konnte. Anya öffnet die Spieldose ohne Probleme, somit glaubt er auch, Anastasia vor sich zu haben. Sie erinnert sich an die Romanows und gibt zu, dass ein Diamant in ihrer Kleidung eingenäht war. Man hätte den Diamanten im Krankenhaus in ihrer Kleidung gefunden. Damit haben Dimitry, Vlad und Anya genug Geld, nach Paris zu fahren. Am Bahnhof von St. Petersburg trifft Anya auf Ipolitov, der sich vor ihr verneigt. Intellektuelle und flüchtige Adelige singen am Bahnhof ein ergreifendes Abschiedslied von Petersburg (Mein Land) und steigen in einen skelettierten Wagen auf die Reise nach Paris. Mit Einblendungen russischer Landkarten und Drehbewegungen des Wagons, simuliert man die Bahnreise nach Paris. Kurz vor der Grenze müssen sie jedoch vom Wagen springen, bei einer Kontrolle wird Graf Iplitov erschossen und man sucht Anya. Gleb erhält die Nachricht in Leningrad, dass Anya flüchten konnte und nimmt die Verfolgung auf. Zu Fuß erreichen Dimitry, Vlad und Anya einen blühenden Obstgarten vor Paris. In einem Schwenk sieht man den Eifelturm und Paris. Sie haben es geschafft.

Im zweiten Akt steht das lebensfrohe Paris ganz im Kontrast zu Leningrad. Mit einer großen Revuenummer begrüßt Paris die drei Neuankömmlinge. Die lebensfrohe Zofe Lily Malevsky-Malevitch von Maria Fjodorowna macht das Nachtleben unsicher. Ihre Herrin hat nach vielen falschen Anastasias die Hoffnung 1927 noch die richtige Anastasia zu finden, fast aufgegeben. Sie zitiert die vielen Betrügerinnen, die es nur auf ein Ticket nach Paris oder die Belohnung abgesehen hätte. Lily geht in den Club Newa und tanzt dort mit exilierten russischen Adeligen (Land, das einmal war). Gleb versucht ebenfalls dort Einlass zu bekommen, wird aber aufgrund seiner Schuhe als Russe erkannt und nicht hineingelassen. Im Newa-Club versucht man, die guten Zeiten mit einer Party wach zu halten. Lily trifft dann auf Vlad, mit dem sie eine Affäre hatte. Er hatte ihr einen Diamantring gestohlen, weshalb sie die Affäre beendete. Dennoch lässt sie die Romanze wiederaufleben. In einer Albtraumszene erscheinen Anastasia die ermordeten Romanows. Dimitry erinnert sich an eine Begegnung mit Anastasia und Anya führt diese Erinnerungen weiter. Nun folgt eine Szene in der Pariser Oper man erlebt eine Aufführung von Schwanensee mit sechs Balletttänzern. Man fädelt mit etwas Umwegen ein Treffen zwischen der Großmutter, ein, denn auch Lily erkennt in Anya die Zarentochter. In einem Hotelzimmer sprechen sich dann Anya und die Großmutter aus. Anya nennt ihre Großmutter Nana, wie sie sonst immer gerufen wurde und erstmals glaubt die Großmutter, am Ziel zu sein. Letztlich überzeugt ist sie, als Anya ihr die Spieldose zeigt. Die Presse bekommt davon Wind und am nächsten Tag fällt die Meute über die Großmutter und Anya her. Maria Fjodorowna gibt Anya Bedenkzeit. Dimitry hätte auf die Belohnung für die Vermittlung verzichtet. Es kommt zu einer etwas merkwürdigen Konfrontation zwischen Gleb und Anya, bei der Anya inzwischen sehr sicher ist, Anastasia zu sein. Sie fordert ihn auf, sie zu erschießen, was er aber nicht kann. Schließlich lässt Anya die Spieldose im Bett zurück und folgt Dimitry in einem roten Kleid zur Brücke. Maria Fjodorowna spendet die Belohnung für wohltätige Zwecke und hat die Suche nach Anastasia aufgegeben.

Wenn man auch nur einen Artikel über Maria Fjodorowna gelesen hat, so erkennt man relativ schnell, dass die Geschichte erfunden ist. Es bestehen Parallelen zur Lebensgeschichte von Anna Anderson, die sich als Anastasia ausgab. Zwar gibt es stimmige Details, wie die Familienaufstellung der Zaren mit dem kranken Zarewitsch, dennoch bleibt das Ganze ein Disney Märchen. Maria Fjodorowna war immer auf der Suche nach ihrem Sohn, von dem sie bis zum Tode, trotz erdrückender Beweise im dänischen Exil glaubte, er würde noch leben. Heute weiß man durch DNA-Tests, dass alle Damen, die sich in den 20er Jahren als Anastasias ausgegeben haben, Hochstaplerinnen waren. Man ist aus heutiger Sicht, ebenfalls durch DNA-Tests, sehr sicher, dass Anastasia, wie alle Romanows ermordet worden ist. Es bleiben aber tolle Impressionen von St. Petersburg hängen durch die LED-Panels und von Paris und der Oper. Die Musik von Stephen Flaherty geht gut ins Ohr und die Spieluhrenmelodie zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Die Texte sind sehr gut aus dem Englischen übersetzt. Judith Caspari als Anastasia und Daniela Ziegler als ihre Großmutter spielen sehr gut. Richtig rocken tut die Szene Lily aka Jacqueline Braun, als lebensfrohe Hofdame. Man träumt von Paris, St. Petersburg und für Träume und Märchen ist Disney ja bekannt. Davon zeugt auch die opulente Kostümausstattung. Wer von Disney einen wahrheitsgetreuen Blick auf die Oktoberrevolution in Russland und die Zarenfamilie erwartet, ist hier definitiv falsch verbunden.

Quelle: YouTube | Stage Entertainment

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