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Ariadne auf Naxos

Die Ariadne auf Naxos ist wirklich eine Oper für Fortgeschrittene. Gegeben wird die umgearbeitete Fassung von 1916. Der erste Versuch 1912 war ein großer Misserfolg. Das liegt zum einen schon an der Musik und dem Thema. Es ist eine Oper in der Oper, die eigentlich mit einem Sprechstück beginnen sollte. Diese wurde 1916 dann nochmals umgearbeitet zu ihrer heutigen Form.
Im ersten Teil vor der Pause erlebt man die Nöte des Komponisten und den Einfluss des Geldgebers auf das Stück. Nach der Pause kommt das manipulierte Werk zur Aufführung. Schon bevor die Vorstellung um 19 Uhr beginnt, sieht man die Bühne. Aufgebaut ist das herrschaftliche Haus des Geldgebers, ganz in schwarz-weiß, aber originalgetreu einer herrschaftlichen Villa nachempfunden. Es wird ein Fest vorbereitet. Es ist Winter und im Hintergrund des Bühnenbilds sieht man eine große Fensterfront, hinter der ein Feuerwerk aufgebaut wird. Die Bediensteten laufen über die Bühne, in der Mitte steht ein schwarzer Flügel. Hier und da wird sogar ein echter Mops durch die Gegend getragen. Der Geldgeber der Oper tritt nie selbst in Erscheinung, sondern lässt seine Wünsche immer durch den Herrn Haushofmeister überbringen. Es soll das Trauerspiel ‘Ariadne auf Naxos’ gegeben werden. Da der Auftraggeber nicht einverstanden ist, dass in seinem Haus so etwas, wie eine öde Insel dargestellt werden soll, hat er kurzerhand eine Opera-Buffa-Truppe eingeladen, die das Trauerspiel, das einige Längen hat, auflockern soll. Dem Auftraggeber fällt nun ein, beide Stücke gleichzeitig aufzuführen, damit die Aufführung vor 21 Uhr beendet ist und das Feuerwerk rechtzeitig beginnen kann. Die beiden konkurrierenden Truppen, von fünf Opera-Seria-Anhängern und fünf Opera-Buffa-Anhängern, kriegen sich schon im Vorfeld der Aufführung in die Wolle. Die Ariadne-Darstellerin beschließt auf keinen Fall, gemeinsam mit den anderen auftreten zu wollen. Der Komponist, wirft wütend mit den Noten um sich und will sein Werk eher vernichtet sehen, als derart verstümmelt. Er lässt sich nur durch seinen Mäzen beruhigen, der sagt, besser eine modifiziertes Werk und aufgeführt, als eine nicht aufgeführte Oper. Die Buffa-Truppe bestehend aus vier Männern und einer Frau, beschließt mit einer Prise Liebeskomödie schon Würze in die Aufführung zu bringen und als Gestrandete auf der Insel einzufallen. Symmetrisch besteht die Seria-Truppe aus vier Frauen und einem Mann. Der Kronleuchter im Opernhaus ist während es ganzen ersten Teils auch an und verdeutlicht, dass man noch nicht mit der Aufführung begonnen hat.
Nach der Pause sitzen der Mäzen und der Komponist in der rechten Seitenloge und beobachten nun das modifizierte Werk. Der Flügel in der Mitte ist mit einem dunklen Tuch bedeckt und die Primadonna spielt darauf die verlassene Ariadne auf der Insel. Es findet quasi kein Umbau statt, sondern der Flügel muss als Insel herhalten. Die Nymphen-Damen beklagen das Los, das die Ariadne erlitten hat. Ariadne liegt nur auf dem Flügel und kann sich nicht aufraffen. Da fällt die Buffa-Truppe ein. Zerbinetta erzählt von ihren Männergeschichten. Die Buffa-Truppe will die todwünschende Ariadne aufheitern, dass nach dem Theseus, sicher ein neuer Verehrer kommen wird. Dabei singt Zerbinetta, meines achtens nach einer der schwierigsten Arien überhaupt (Großmächtige Prinzessin). Und bekommt dafür auch langanhaltenden Applaus. Damit kann sie das Publikum, nicht aber Ariadne überzeugen. Zerbinetta erwählt sich aus den vier Männern Harlekin, der eine ebenso gemusterte Hose, wie das Muster ihres Rockes trägt. Sie verschwindet mit ihm unter den Flügel. Mit ‚Circe, Circe kannst Du mich hören‘ tritt Bacchus auf, der meint Ariadne wäre eine Zauberin vom Kaliber einer Circe. Bacchus ist leicht-sommerlich bekleidet mit einem goldenen Lorbeerkranz und erklimmt ebenfalls den Flügel. Ariadne hält Bacchus für den Todesboten. Das anschließende Nymphenterzett ‚Töne, Töne, Süße Stimme‘ gehört zu den schönsten Stellen in der Oper überhaupt. Auf dem Flügel verliert nun Bacchus nicht nur sein Oberhemd, sondern auch sämtliche Scheu vor Ariadne. Zerbinetta kommentiert noch mal: ‚Kommt ein neuer Gott gegangen, sind wir stumm‘.
Zum Abschluss gibt es langanhaltenden Applaus. Ezgi Kutlu als Komponist ist einfach großartig, Heidi Elisabeth Meier als Zerbinetta meistert ihren schwierigen Part gut, auch die ungeliebte Rolle des Bacchus von Michael Putsch ist gut und dann ist natürlich noch Mardi Byers als Ariadne. Eine wirklich gelungene Premiere, im leider nicht ausverkauften Opernhaus in Nürnberg.

Quelle: Staatstheater Nürnberg

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