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Aida

Und noch eine Oper, die sich bisher den Modernisierungsansätzen erfolgreich zur Wehr gesetzt hat. Aida wurde aus dem Theben und der Ägyptischen Epoche in die Zeit der 50er Jahre verfrachtet. Amneris kommt eher als eine Art Evita Peron daher mit blauem Cocktailkleid und Ascot-Hut. Der Pharao erinnert an einen Diktator. Das Ganze spielt in einem weißen Saal mit fünf prunkvollen Lampen. Das ist alles sehr im Stil der Fünfziger Jahre gehalten. Der erste Akt gelingt da noch ganz gut. Die Kriegsplanung von Radames auf einer Art großen Billard-Tisch, der mit Sand gefüllt, die Kriegsplanung der Ägypter gegen die Äthiopier darstellen soll. Aida singt ihre Arie auf dem Tisch, es fließt über dem Tisch literweise das Theaterblut und erinnert daran, dass es sich um eine echten Krieg der Ägypter gegen die Äthiopier handelt. Das Kriegsgeschehen kommt in Form von alten schwarz-weiß-Aufnahmen von Bomben-Angriffen daher und wird in die weiße Bühne projeziert. Das im zweiten Akt stattfindende Kriegsgeschehen wird dort sehr drastisch verdeutlicht. Die Flagge der Pharaonen in schwarz, rot, weiß erinnert an die deutsche Kriegsflagge. Der Triumphmarsch nimmt dann Aida in die Klemme, die Trompeten beschallen sie mal von links, mal von rechts. Sie kann dem scheppern der Siegsfanfaren nicht entkommen. Es war doch der Sieg, den sie eigentlich gegen ihr eigenes Volk, Radames gewünscht hat. Dieser Triumph ist nun endgültig ihr Untergang. Die Versetzung in die Zeit von Evita Peron gelingt in den ersten beiden Akten recht gut. Das Aufgebot an Sängern ist gewaltig und das musikalische Ergebnis ist beeindruckend. Gespannt wartet man auf die Nilszene und wird von einer Anhäufung von Kartons und Müllsäcken überrascht. Es ging ein Raunen durch das Publikum, ob der Müllsäcke im Nildelta. Und dann scheint Daniel Herzog irgendwie die Ideen ausgegangen zu sein. Radames singt sein Duett mit Aida am Ende gänzlich allein in seinem Grab. In dem großartigen Schlussduett fehlt Aida und es ist nicht klar, ob sich Aida wirklich in der Grabkammer befindet. Der weiße Saal öffnet sich und man sieht das gesamte Theben im Hintergrund.
David Yim ist wirklich ein beeindruckender Radames, Jordanka Milkova eine tolle Amneris, die dem Schaumbad entsteigt, Ränke schmiedet und in schierer Verzweiflung auch Radames im dritten Akt fast erwürgt, so dass dieser laut auf der Bühne keucht. Mardi Byers kann in den leisen Stellen der Aida-Partien glänzen, setzt sich aber gegen das ganze Orchester wenig durch. Musikalisch ist an der Oper wirklich nichts auszusetzen. Und über Müllsäcke im Nildelta lässt sich doch vortrefflich Kritiken schreiben.

Von • Gallerien: Kultur, Oper • Tags: aida