Opernblog

Tag: "Norma"

Norma und der Monsterbonsai

17.05.17 23:56
Norma und der Monsterbonsai

Wir befinden uns im Jahre 2017 n. Chr.. Das ganze Staatstheater Nürnberg ist von Richard Wagner besetzt... Das ganze Staatstheater Nürnberg? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkerter Hain hört nicht auf, mit Belcantogesängen Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für den römischen Legionär, der als Besatzer in dieser Oper keinen guten Stand hat. Mitten in dem Ringgedöns nimmt die Oper in Nürnberg einen echten Belcantoschinken ins Repertoire. Norma, die Oper um eine gallische Druidin, die an den Regeln der Druiden zerbricht und letztendlich am Scheiterhaufen stirbt. Was den Regisseur Stéphane Braunschweig dazu treibt, die Oper in einer Art Bunker spielen zu lassen wissen wir nicht.

Das Volk ist aufgereiht und wartet aber auf die Weissagungen der Norma. Die Frauen in einheitlichen blauen Röcken und die Männer in grauen Mänteln. Auch die heilige Eiche, an der Norma die Misteln im Schattenspiel schneidet, ist nur ein Bonsai, der in einer Käseglocke auf die Bühne getragen wird und durch geschickte Beleuchtung riesig groß wird. Mit einem roten Rosenstrauß kommt der Bösewicht der Oper Pollione auf die Bühne, dabei bekommt er Schützenhilfe von seinem Freund Flavio. Die Zeit wäre noch nicht gekommen, meint Norma. Von Pollione hat Norma heimlich zwei Knaben, die in dieser Inszenierung durch einen Jungen und ein Mädchen dargestellt werden. Ein schwarzer Gazevorhang teilt Norma vom Volk, als sie über ihren inneren Konflikt spricht. Das erklärt auch Ihr Zögern. Aber Pollione ist schon wieder auf Frauenjagd und hat sich in Adalgisa verguckt. Dies Novizin soll bald ihr Gelübde auf Keuschheit ablegen. Sie wird durch Pollione bedrängt. Dieser entblößt vor lauter Erregung seine Brust. Wer jetzt noch mehr erwartet, wird enttäuscht. Adalgisa hat es aber überzeugt, sie will ihm nach Rom folgen. Norma quält sich, da Pollione ohne sie nach Rom zurückwill. Adalgisa öffnet sich aber Norma, die erkennt auch Parallelen zum Werben ihres Liebhabers. Es kommt aber zum großen Zusammentreffen der Hauptakteure und Norma ist außer sich, dass Adalgisa sich genau in Pollione verliebt hat. Der Bunker öffnet eine Drehtür, an die man ein weißes Bett mit Messingstäben vor einen roten Vorhang montiert hat. Dort sieht man die Kinder. Norma schwört Rache.

Norma plant den erweiterten Suizid mit ihren Kindern. Mit einem Dolch schleicht sie sich an das Bett der Kinder und versteckt schnell das Messer unter dem Kissen. Hin und hergerissen, zwischen der Rache an Pollione und der Mutterliebe, verzichtet sie letztendlich auf den Mord. Norma sagt, Adalgisa solle mit den Kindern und Pollione nach Rom. In einem wunderbaren Duett mit Adalgisa beschwört diese die Liebe zu Pollione. Eine Rückkehr zu Norma lehnt Pollione aber ab. Wutentbrannt schlägt Norma nun auf das Schild des Irminsul rechts. Im Hintergrund sieht man jetzt die Eiche in groß. Es kommt zu einer kurzen Kriegsszene in der die gallischen Krieger zum Kampf rufen. Es wird ein Opfer gefordert. Ein in den heiligen Hain eingedrungener Römer soll es sein, der kommt gerade recht. Es ist natürlich Pollione. Norma kann den Vater ihrer Kinder trotz all der Rache nicht töten. Wieder nimmt ihn Norma hinter dem Gazevorhang zur Seite und überlegt, wie sie die Liebe zu Pollione retten kann. Sie droht ihm, Adalgisa am Scheiterhaufen zu opfern, seine Kinder zu töten. All das hilft nichts. So lässt sie denn einen Scheiterhaufen für eine Priesterin errichten, die das Keuschheitsgelübde gebrochen hat. Als das Volk nun den Namen fordert, nennt sie ihren eigenen. In einer Projektion geht Norma dem Scheiterhaufen entgegen. Pollione ist von ihrer Selbstaufgabe so berührt, dass er ihr auf den Scheiterhaufen folgt.

Ja, der Widerstand gegen den Ring mit dieser Oper ist gelungen. Die armenische Sopranistin Hrachuhí Bassénz lotet die Rolle der Norma in aller ihrer Zerrissenheit fast perfekt aus. Auch Ida Aldrains Leistung als Adalgisa ist hervorragend. Den erkrankten David Yim vertritt Joska Lehtinen mit Bravour. Letztendlich ist das wirklich eine schöne Oper, die die Romantik vorwegnimmt. Die Staatskapelle unter der Leitung von Volker Hiemeyer spielt vielleicht am Anfang etwas zu laut auf. Das mag wohl der viele Wagner in der Spielzeit bewirkt haben. Das Orchester nimmt sich aber zum Schluss immer weiter zurück. Es gibt wenig zu kritisieren in dieser Norma, vielleicht die Inszenierung - mit dem Monsterbonsai.

Quelle: YouTube | Staatstheater Nürnberg

Von • Gallerien: Kultur, Oper • Tags: Norma
Norma bei den Ölbohrtürmen

Das Landestheater Coburg gastierte im Fürther Stadttheater mit Vincenzo Bellinis bekanntester Belcanto Oper Norma. Die Geschichte von einer verbotenen Liebe einer gallischen Oberpriesterin, die mit einem römischen Prokonsul zwei Kinder hat und ihre eigenen Interessen mit der des Staates vermischt, war als Stoff von Felice Romani so gewagt, dass man ihn damals in die vorchristliche Zeit gelegt hat. Die Rolle der Oberpriesterin Norma stellt an die Sängerin höchste Ansprüche, sodass man als Gast Celeste Siciliano aus New York für diese Besetzung engagiert hat. Die Inszenierung von Konstanze Lauterbach lässt die Oper in einem Gallien spielen, in dem die römischen Besatzer das Land zur Ölgewinnung ausbeuten. Das kommt der düsteren Atmosphäre des Stücks zwar entgegen, ist aber schon sehr weit weg vom eigentlichen Thema des Stücks. Schon zu Beginn der Ouvertüre lässt Pollione, der römische Prokonsul, von einem Öl Turm aus beobachten, einen Gefangenen blutig auspeitschen. Das Schwirren der Peitsche und das blutige Hemd, zusammen mit dem Prokonsul, der dies aus einem Bohrturm aus beobachtet, machen allen klar: Es ist Krieg und das Volk wird grausam unterdrückt. Der heilige Irminsul-Hain ist eine Projektion aus Bohrtürmen, es ist Nacht und bei Erscheinen des Mondes soll Norma den göttlichen Willen offenbaren. Die anwesenden Gallier verteilen Flugblätter mit Symbolen der Göttin Irminsul und warten so auf den Kampf. Diese Flugblätter rascheln leider und stören die Musik etwas. In der Tiefe des Hains trifft sich Pollione mit seinem Freund und berichtet, er liebe Norma nicht mehr, sondern die Novizin Adalgisa und er hätte einen schrecklichen Traum: Norma wäre die Mörderin seiner Kinder. Dazu erscheint ein Double auf der Bühne in rotem Hochzeitskleid mit langem weißen Schleier. Pollione und sein Freund werden aus dem Hain vertrieben. Es folgt die berühmte Arie der Oper: Casta Diva, die Norma vor einem Bildnis der Göttin Irminsul singt. Mit einem grünen Blumenmuster-Umhang singt sie der Göttin dieses Lied, die ebenfalls solche ein Tuch trägt. Der Chor der Gallier hält sich dabei in den Aktionen angenehm zurück und bläst nur ab und zu Silberflitter in Richtung der Statue. Norma betet darin um inneren Frieden und auch im Publikum wird es dabei ganz still. Norma sagt aber, die Zeit wäre noch nicht gekommen. Die Gallier reißen aber schon in Erwartung des Krieges, den Bohrturm aus Bändern nieder, der in der Mitte der Bühne ist. Nach dieser Weissagung verlässt Norma die Bühne und ihre Rivalin Adalgisa, die nun heftig von Pollione bedrängt wird, mit nach Rom zu kommen. Dabei hängt am rechten Bühnenrand ein Bild des Kolosseums als Symbol für das Rom, in das Pollione abberufen wurde. Adalgisa geht auf sein Drängen sogar ein. Etwas später quält sie aber ihr Gewissen und sie offenbart sich Norma. Die Bohrtürme haben Platz gemacht für eine Wand aus gemalten Bäumen. In einem braunen Bettkasten versteckt Norma ihre zwei Jungs ihres Liebhabers Pollione vor der Novizin. Adalgisa beichtet und ihr Verhältnis zu einem Mann. Als wenig später Pollione dazu kommt, ist Adalgisa und Norma klar, dass sie denselben Mann lieben. Die Novizin wendet sich nun ab und Norma schwört Rache.
Im zweiten Akt macht nun Norma Anzeichen, wie ihre Rache aussehen wird. Sie bringt ihre beiden Söhne zu Bett, will diese aber mit einem Messer umbringen. Dass die beiden Söhne von dem Zerren der Mutter nicht sofort wach werden, entbehrt jeder Logik. Ihre Mutterliebe siegt und sie beschließt lieber Adalgisa mit ihren Kindern nach Rom zu senden, wo sie mit Pollione glücklich leben sollen. Die Novizin will nun ganz auf den Prokonsul verzichten und ihn sogar dazu bewegen, zu Norma zurückzukehren. Der nun folgende Freudentanz von Normas Vertrauter wirkt etwas skurril und unpassend. Dennoch ist der akrobatische Einsatz am Stuhl bewundernswert. Das Oberhaupt der Druiden verkündet nun den Friedensschluss der Gallier mit den Römern. Als Norma aber erfährt, dass sich der Prokonsul weigert, Adalgisa aufzugeben, bläst sie nun zum Krieg gegen die Römer. Man sieht im Hintergrund nun eine Einblendung einer zerstörten öden Landschaft, es fliegen Hubschrauber an der Leinwand. Die Gallier haben sogar gesiegt und bringen Pollione als Gefangenen vor Norma. Mit einem Dolch solle sie ihn töten. Sie zögert aber immer noch, droht ihm mit dem Tod der gemeinsamen Kinder und mit dem Opfertod Adalgisas. Nun wird auch das Bildnis des Kolosseums zertrümmert, als Zeichen der Niederlage. Als alles keinen Zweck hat und Pollione sich nicht umstimmen lässt, wird ein Scheiterhaufen aus Müllsäcken errichtet. Als es nun darum geht, welche Priesterin ihr Keuschheitsgelübde gebrochen hat, nennt sie nun ihren Namen. Zusammen mit dem Prokonsul stirbt sie auf dem Scheiterhaufen.
Für mich war es die erste Norma, die ich komplett sehen durfte. Die Erwartungen waren jetzt nicht allzu hochgesteckt und ich hätte nicht mit einer so gut besetzten Norma gerechnet. Musikalisch war die Aufführung durchaus hörenswert. Bellinis Absicht war es ja mit Musik zu bewegen und die Menschen zum Weinen zu bringen. Die Oper enthält wunderschöne Belcanto Arien und die Rolle wurde von Celeste Siciliano hervorragend ausgeleuchtet. Diese Überspanntheit zwischen Kindermord und verlassener Geliebter kommt gut rüber. Der größere Kritikpunkt liegt in der Inszenierung. Gerade der Chor macht manchmal verstörende Aktionen. Einmal ist er gut eingesetzt, als er mit einem Seufzer zusammenbricht, als Norma ihre Unkeuschheit beichtet, da sacken alle in sich zusammen. Manchmal verteilt er aber auch unmotiviert Erde auf der Bühne oder fuchtelt mit Pistolen oder raschelt mit Flugblättern. Keine Frage, der Chor ist immer wieder auf der Bühne und muss sinnvoll ins Geschehen einbezogen werden. Trotz allem war es eine durchaus hörenswerte Aufführung von Norma.

Von • Gallerien: Kultur, Oper • Tags: Norma