Opernblog

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Arabella auf der Treppe

16.06.18 23:42
Arabella auf der Treppe

Zu einer Aufführung von Arabella zog es mich einmal mehr nach München. Man durfte dort der wunderbaren Anja Harteros als Arabella und Michael Volle als Mandryka lauschen. Eine Inszenierung von Andreas Dresen aus dem Jahr 2015 bildete den Rahmen hierfür. Zentrales Element dabei ist eine drehbare Treppenkreuzung, die in den Akten 2. und 3. vor allem zum Einsatz kommt.

Schon der erste Akt spielt in einem Hotelzimmer unterhalb der rückwärts zugewandten Treppe. Eine Tür für die Auftritte, zwei Stufen und zwei kubische Sitzmöbel bilden sehr dunkel gehaltene Hotelzimmer. Eine Kartenlegerin prophezeit der Mutter eine reiche Heirat ihrer Tochter. Die Mutter ist dabei im lila Hosenanzug. Ihr wienernder Mann verspielt unterdessen den letzten 50er. Es tritt Arabella auf mit einem blauen Top und weiten Hose. Arabella sticht mit dieser Farbe aus den Grundfarben des Bühnenbilds heraus. Es steht schon ein Strauß von dem Verehrer Elmer im Hotelzimmer. Ein weiterer Strauß roter Rosen von Matteo, dem Offizier, folgt. Dieser Offizier erhält immer Briefe angeblich von Arabella, die aber in Wirklichkeit von ihrer Schwester Zdenka sind. In der Weissagung der Kartenlegerin, bedroht er die Hochzeit mit Arabella. Graf Waldner hat schon mal vorgesorgt und ein Bild von Arabella mit an seinen Regimentskollegen Mandryka geschickt. Das hat nicht den Kumpanen erreicht, sondern seinen Neffen. Der hat einen Wald in der Walachei verkauft und sich auf die Suche nach der Schönen auf dem Bild gemacht. Geführt hat ihn der Weg in die große Stadt Wien. Er meinte, in Wien koste jeder Atemzug Geld und wirft entsprechend mit Scheinen um sich. Das erfreut den Graf Waldner nun sehr. Aber Arabella hat auch noch drei Grafen als Verehrer, die sie an einem Faschingsdienstag zum Ball entführen wollen. Es wird der Schlitten angespannt und es schneit im Hintergrund. Als es aufgeht, wirft sie mit Blättern um sich. Im blauen Kleid mit roten Handschuhen eilt Arabella zum Ball.

Im zweiten Akt treffen sich Mandryka und Arabella in einem Vorraum zu einem Ballsaal. Graf Waldner schubst seine Tochter unsanft bei der Vorstellung. Die beiden hatten sich schon mal gesehen und verlieben sich sofort ineinander. Auf den Stiegen ist dann das Partyvolk zu sehen, das immer die Treppen hoch und runter geht. Arabella ist Königin des Balls und wird ins Innere gerufen. So richtig angeheizt wird die Stimmung von der Fiakermilli mit ihren Kolloraturen. Mit einer Peitsche und im knappen Ledermini kommt sie die Stufen herunter und fordert Arabella auf, hineinzugehen. Wenig später kommt sie mit einer Flasche Sekt und lässt sich von Mandryka abfüllen, auf den Stufen liegend. Arabella will auf dem Ball Abschied von ihrer Mädchenzeit nehmen. Sie sagt den drei Grafen Adieu. Zdenka bringt nun mit ihrer Idee, Matteo den Schlüssel für das Nebenzimmer von Arabella zu senden, eine Verwicklung ins Spiel. Über die Aktion mit dem Schlüssel rastet Mandryka völlig aus und vergnügt sich auf offener Bühne mit der Fiakermilli. Die Party zu Fasching eskaliert weiter und die Stimmung wird immer ausgelassener. Man reist vom Fest ab und geht wieder in Richtung Hotel, dabei dreht sich die Bühne etwas, sodass man eine andere Perspektive hat.

Im Treppenhaus zum Hotel kommt es zum großen Showdown. Mandryka stellt Arabella zu Rede, die aber von der Aktion mit dem Schlüssel nichts weiß. Ein angetrunkener Matteo verschärft die Lage weiter, als er von den Briefen erzählt. Schließlich eilt Zdenka im Nachthemd herunter. Bisher hatte man immer geheim gehalten, dass Zdenka ein Mädchen ist. Es droht ein Duell auf Leben und Tod, das nur knapp verhindert wird. Die Lage klärt sich aber durch Waldner und Zdenka auf. Matteo und Zdenka bilden das zweite Paar. Wie es bei Mandryka Brauch ist, soll ihm Arabella ein Glas Wasser bringen, als Symbol des Hochzeitswunsches. Arabella entschwindet kurz auf der Treppe nach oben in ihr Zimmer. Sie kommt mit einem Glas Wasser zurück. Anstatt es nun Mandryka zu trinken zu geben, schüttet sie es ihm ins Gesicht. Dieser zerdrückt nun das Glas mit der Hand, da aus diesem Glas niemand mehr trinken soll. Mandryka eilt Arabella auf der Treppe hinterher. Ob er nun der Richtige ist, bleibt bei dieser Inszenierung offen.

Schön ist es, wie Anja Harteros die Entwicklung der Arabella im Stück spielt. Vom naiven jungen Mädchen bis zur selbstbewussten Dame zieht sie alle Register. Das Stück selbst hat mit seinen Walzer Takten eine gewisse Verspieltheit, aber auch moderne Anklänge der 20er Jahr Unterhaltungsmusik sind enthalten. Somit ist die Verlegung der Zeit von 1860 auf 80 Jahre später kein Problem, sondern kommt sehr adäquat dem Stück zugute. Michael Volle, war an dem Aufführungstag etwas erkältet, was sich allerhöchstens in den Anfangssequenzen etwas zeigte. Noch nie aufgefallen war mir, wie stark die Musik bei den Auftritten von Mandryka poltert. Er bricht als Bauer vom Land in die feine Wiener Gesellschaft ein, was auch musikalisch sehr gut auskomponiert ist. Durch die ungewohnten Harmonien wirken die Walzer nicht als solche, sind aber sehr häufig im Stück präsent. Constantin Trinks führte das große Orchester durch die Partie. Hanna-Elisabeth Müller war eine Zdenka auf Augenhöhe mit dem Star des Abends, Anja Harteros. Gerade das Schwesternduett im ersten Akt war hervorragend.

Trailer ARABELLA | BayerischeStaatsoper

Anja Harteros' and Hanna-Elisabeth Müller's duet in ARABELLA | BayerischeStaatsoper

Von • Gallerien: Kultur, Oper • Tags: arabella