Opernblog

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Norma und der Monsterbonsai

Wir befinden uns im Jahre 2017 n. Chr.. Das ganze Staatstheater Nürnberg ist von Richard Wagner besetzt... Das ganze Staatstheater Nürnberg? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkerter Hain hört nicht auf, mit Belcantogesängen Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für den römischen Legionär, der als Besatzer in dieser Oper keinen guten Stand hat. Mitten in dem Ringgedöns nimmt die Oper in Nürnberg einen echten Belcantoschinken ins Repertoire. Norma, die Oper um eine gallische Druidin, die an den Regeln der Druiden zerbricht und letztendlich am Scheiterhaufen stirbt. Was den Regisseur Stéphane Braunschweig dazu treibt, die Oper in einer Art Bunker spielen zu lassen wissen wir nicht.

Das Volk ist aufgereiht und wartet aber auf die Weissagungen der Norma. Die Frauen in einheitlichen blauen Röcken und die Männer in grauen Mänteln. Auch die heilige Eiche, an der Norma die Misteln im Schattenspiel schneidet, ist nur ein Bonsai, der in einer Käseglocke auf die Bühne getragen wird und durch geschickte Beleuchtung riesig groß wird. Mit einem roten Rosenstrauß kommt der Bösewicht der Oper Pollione auf die Bühne, dabei bekommt er Schützenhilfe von seinem Freund Flavio. Die Zeit wäre noch nicht gekommen, meint Norma. Von Pollione hat Norma heimlich zwei Knaben, die in dieser Inszenierung durch einen Jungen und ein Mädchen dargestellt werden. Ein schwarzer Gazevorhang teilt Norma vom Volk, als sie über ihren inneren Konflikt spricht. Das erklärt auch Ihr Zögern. Aber Pollione ist schon wieder auf Frauenjagd und hat sich in Adalgisa verguckt. Dies Novizin soll bald ihr Gelübde auf Keuschheit ablegen. Sie wird durch Pollione bedrängt. Dieser entblößt vor lauter Erregung seine Brust. Wer jetzt noch mehr erwartet, wird enttäuscht. Adalgisa hat es aber überzeugt, sie will ihm nach Rom folgen. Norma quält sich, da Pollione ohne sie nach Rom zurückwill. Adalgisa öffnet sich aber Norma, die erkennt auch Parallelen zum Werben ihres Liebhabers. Es kommt aber zum großen Zusammentreffen der Hauptakteure und Norma ist außer sich, dass Adalgisa sich genau in Pollione verliebt hat. Der Bunker öffnet eine Drehtür, an die man ein weißes Bett mit Messingstäben vor einen roten Vorhang montiert hat. Dort sieht man die Kinder. Norma schwört Rache.

Norma plant den erweiterten Suizid mit ihren Kindern. Mit einem Dolch schleicht sie sich an das Bett der Kinder und versteckt schnell das Messer unter dem Kissen. Hin und hergerissen, zwischen der Rache an Pollione und der Mutterliebe, verzichtet sie letztendlich auf den Mord. Norma sagt, Adalgisa solle mit den Kindern und Pollione nach Rom. In einem wunderbaren Duett mit Adalgisa beschwört diese die Liebe zu Pollione. Eine Rückkehr zu Norma lehnt Pollione aber ab. Wutentbrannt schlägt Norma nun auf das Schild des Irminsul rechts. Im Hintergrund sieht man jetzt die Eiche in groß. Es kommt zu einer kurzen Kriegsszene in der die gallischen Krieger zum Kampf rufen. Es wird ein Opfer gefordert. Ein in den heiligen Hain eingedrungener Römer soll es sein, der kommt gerade recht. Es ist natürlich Pollione. Norma kann den Vater ihrer Kinder trotz all der Rache nicht töten. Wieder nimmt ihn Norma hinter dem Gazevorhang zur Seite und überlegt, wie sie die Liebe zu Pollione retten kann. Sie droht ihm, Adalgisa am Scheiterhaufen zu opfern, seine Kinder zu töten. All das hilft nichts. So lässt sie denn einen Scheiterhaufen für eine Priesterin errichten, die das Keuschheitsgelübde gebrochen hat. Als das Volk nun den Namen fordert, nennt sie ihren eigenen. In einer Projektion geht Norma dem Scheiterhaufen entgegen. Pollione ist von ihrer Selbstaufgabe so berührt, dass er ihr auf den Scheiterhaufen folgt.

Ja, der Widerstand gegen den Ring mit dieser Oper ist gelungen. Die armenische Sopranistin Hrachuhí Bassénz lotet die Rolle der Norma in aller ihrer Zerrissenheit fast perfekt aus. Auch Ida Aldrains Leistung als Adalgisa ist hervorragend. Den erkrankten David Yim vertritt Joska Lehtinen mit Bravour. Letztendlich ist das wirklich eine schöne Oper, die die Romantik vorwegnimmt. Die Staatskapelle unter der Leitung von Volker Hiemeyer spielt vielleicht am Anfang etwas zu laut auf. Das mag wohl der viele Wagner in der Spielzeit bewirkt haben. Das Orchester nimmt sich aber zum Schluss immer weiter zurück. Es gibt wenig zu kritisieren in dieser Norma, vielleicht die Inszenierung - mit dem Monsterbonsai.

Quelle: YouTube | Staatstheater Nürnberg

Von • Gallerien: Kultur, Oper • Tags: Norma