Opernblog

Archiv für: "Januar 2017"

Catwoman in Algier

Laura Scozzi hat wieder einmal eine frech, frivole Inszenierung im Staatstheater Nürnberg vorgelegt. Die Italienerin in Algier von Rossini war diesmal das Ziel ihrer Bearbeitung und herausgekommen ist in Kooperation mit Théâtre du Capitole Toulouse, wohl eine der heißesten Shows, die das Opernhaus je gezeigt hat, über die man natürlich geteilter Meinung sein kann. Die Bissigkeit, mit der hier die Regisseurin den Geschlechterkampf inszeniert, geht bis hart an die Schmerzgrenze und man hat die Kappeleien eines Paars natürlich schon in der Zauberflöte gesehen. Insofern wiederholt die Regie da einiges, aber diesmal sind die Einlagen des kämpfenden Paares heftiger. Schon im Vorspiel sieht man an eine Projektion, wie sich ein Paar Verletzungen zufügt. Das Tänzerpaar, das dies spielen darf, leistet vollen Körpereinsatz. Der Mund der jeweils ermordeten Leiche dient da schon mal als Aschenbecher, also zimperlich ist das Paar im Umgang miteinander sicher nicht. Eines ist klar: Der Geschlechterkampf in der Italienerin in Algier tobt bis an die Schmerzgrenze.

Danach sieht man in einem Drehbühnenaufsatz, was eigentlich auf der Bühne alles möglich ist. Dargestellt wird ein Luxusappartement in Algier, das die Gemächer des Beys von Algier sind. Der Pascha Mustafa vernascht die Frauen und steckt schon mal den ein oder anderen Schein ins Höschen der Frau. Nachdem Elvira bereits in der Ouvertüre den schwarzen Schlüpfer einer fremden Frau im Ehebett gefunden hat, ertränkt sie ihren Kummer im Alkohol, denn Mustafa hat kein Interesse mehr. Was in dem Moment ein lärmender Staubsauger auf der Bühne zu suchen hat, er ist halt da und saugt. Im Hintergrund macht Elvira auf einem Gymnastikball Übungen. Es muss eine Italienerin her und die abgelegte Ehefrau soll an den Sklaven Lindoro weitergeben werden. Mit drei Tänzerinnen versucht Mustafa, Lindoro von den Vorzügen der Ehe zu überzeugen, die bewegen sich in Dessous wunderbar synchron. Bei der Kavatine "Languir per una bella", in der sich Lindoro nach Isabella sehnt, packt der schon mal die Hula-Hoop Reifen aus. Eine schwierige Rossini-Arie wird dadurch sicher nicht leichter für den Darsteller Martin Platz. Die Korsaren des Beys haben inzwischen reiche Beute gemacht. Mit umgekehrten Vorzeichen landet eine Flüchtlingsgruppe Italiener mit großen Taschen in Algier. Die sollen Sklaven des Beys werden. Darunter ist auch Isabella, die Geliebte von Lindoro und Taddeo. Mit einer Tupperdose Kekse verführt Isabella die Korsaren. Taddeo gibt sich als Onkel von Isabella aus, sieht aber etwas aus wie Atze Schröder. Isabella und Taddeo landen in einer Art Notunterkunft mit Doppelstockbett. Bei den Neckereien zwischen Taddeo und Isabella wird diesem schon mal die Hose runtergezogen. Überhaupt verlieren die Darsteller bei diesem Stück relativ schnell ihre Bekleidung. Die Annäherung zwischen Mustafa und Isabella findet in einer Küche statt. Isabella bereitet in Splatter-Manier einen Hasen mit Karotten zu. Wird der Bey zu aufdringlich, bekommt der schon mal eine Ohrfeige. Dazwischen wird der Hase mit Blutspritzern zerlegt und gekocht. Man spielt mit den Karotten und die Küche wird zum Schlachtfeld der Geschlechter. Der Bey hat für die Italienerin Feuer gefangen und will sie unbedingt haben. Die finale Szene, bei der sich alle Beteiligen treffen, erreicht das Tempo der Musik einen ungeahnten Höhepunkt, bis alle nur noch Geräusche zur Musik machen. Lindoro entdeckt Isabella, der Bey versucht, seine Noch-Ehefrau zu vermitteln, es geht in einem Septett munter zur Sache, wobei das tanzende Ehepaar vom Anfang noch eins drauf setzt.

Der Bey ernennt inzwischen Taddeo zum Statthalter. Mustafa erscheint mit einer Gruppe Männer und einer richtigen Stripperin (Tanja Brunner). Die lässt wirklich alle Hüllen fallen. Als Gärtner betätigt sich inzwischen Lindoro und überlegt, wie er alles zum Guten wenden kann. Er schneidert aus einem Buchs einen kleinen Elefanten und setzt eine italienische Flagge drauf. Hecke schneiden und schwierige Arie singen: Wieder eine Herausforderung. Der Bey lädt sich bei Isabella im Gemach zum Kaffee ein. Das prächtige Gemach des Bey ist ein Badezimmer mit einer goldenen Badewanne. Mit einem glatzköpfigen Designer überlegt Isabella, wie sie wohl den Bey verführen könne. An jedem Kostüm hat Isabella etwas auszusetzen, zur Wahl stehen: Krankenschwester, Highschool-Mädchen, Stewardess, Lederpolizistin, Bunny, Zimmermädchen, Bauarbeiterin oder Catwoman. Ihre Wahl fällt auf das das Catwoman-Kostüme. In diesem Kostüm fesselt sie den Bey an ein rundes Bett. Mit der Peitsche besteht sich auch darauf, dass der Bey sich die Socken auszieht. Dann folgt ein Verwechslungsspiel, wo Isabella dem Bey die eigene Frau ins Bett legt. Nach einer weiteren Orgie mit sechs Tänzerinnen machen Lindoro und Isabella mit K.-o.-Tropfen kampfunfähig. Er liegt auf dem Marmortisch und muss zusehen, wie die italienischen Sklaven mit seinem Fingerabdruck sein Handy entsperren, an den Code für den Safe kommen und seinen Safe plündern. Lindoro redet dem Bey ein, dass es in Italien üblich sei, zum Pappataci ernannt zu werden. Erst dann wäre Isabella bereit, ihn zu empfangen. Während dieser Zeremonie flüchten aber die Sklaven, die mit Berlusconimasken verkleidet sind. Vorher bekommt der Bey noch einen Phallus von Isabella überreicht, die als Miss Italia 2048 erscheint. Der Bey bleibt im Morgenmantel zurück und kommt erst wieder zu sich, als seine Frau Elvira ihm sagt, dass die Sklaven geflohen sind. Reuevoll kehrt er zu seiner Frau zurück.

Das Stück ist und bleibt ein typisches Scozzi-Stück. Wer schon die Zauberflöte, Benvenuto Cellini, die Reise nach Reims oder Les Indes Galantes gesehen hat, erkennt unverkennbar ihre Regiehandschrift. Das ist für die Fans sicher schön, kann aber auch in der Wiederholung etwas langweilig werden. Bei der Premiere war das Echo zumindest geteilt. Bei der Aufführung, in der ich saß, war das Publikum aber einhellig der Meinung, dass die Ideen toll waren. Das beweist wieder mal: Sex sells, auch im Opernhaus. Etwas Probleme hatte die Staatsphilharmonie mit dem Rossini-üblichen Tempo der Parlandopassagen. Das wurde am Ende aber immer besser und kumuliert in dem rasanten Finale des ersten Akts. Aber Rossini gehen im zweiten Akt etwas die Ideen, vor allem musikalisch aus. Das Stück wurde halt schnell in einem Monat produziert, war aber 1813 der Durchbruch für Rossini im La Fenice in Venedig. Zudem hat Isabella (Ida Aldrian) als Rolle eine der ersten tragenden Mezzosporanrollen zu singen. Die Musik ist damals mit eine Banda Turca begleitet, die Sprechpassagen auf einem Hammerklavier.

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Quelle: YouTube | Staatstheater Nürnberg

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Von • Gallerien: Kultur, Oper • Tags: Die Italienerin in Algier
Luther - Rebell Gottes

Am Stadttheater in Fürth kann man derzeit die Uraufführung des Musicals Luther-Rebell Gottes sehen. Nina Schneider erzählt dort in einem Rückblick Luthers Leben nach einer Idee von Wolfgang Adenberg. Die Inszenierung von Werner Bauer setzt dabei ganz auf Lichteffekte und Projektionen, sonst wären die 21 Ortswechsel schwer zu stemmen. Durch neue Überblendungen entsteht so eine rasante Revue durch Luthers Leben.

Es startet mit einer Kutschenszene bei Nacht, ein Schlagzeuger macht im Proszenium Hufgeklapper. Albtraumartig erlebt Luther die fiktive Gefangennahme auf der Pleißenburg bei Leipzig durch Herzog Georg von Sachsen. Dort trifft er im Kerker auf seinen Gegenspieler Johannes Eck. Vom Standpunkt 1530 sieht man das Leben Luthers in Rückblicken. Man sieht feiernde Studenten, das Studentenleben von Luther mit einer Tanzeinlage, wie es sich wohl Eck vorgestellt hätte. Es folgt das Sturmerlebnis mit Sichtung der heiligen Anna und sein Beitritt ins Kloster. Der Auftritt der rockenden Mönche hat so etwas von Gregorian ("Ecce Advenit"). Luther liegt am Boden, als er in den Orden der Augustiner aufgenommen wird. In Glanz für die Ewigkeit lässt man den Papst und einen Kardinal in einer Gondel die Ausmalung der Sixtinischen Kapelle. Man beschließt das mückengeplagte Gebäude durch einen protzigen Neubau, den Petersdom zu ersetzen und unterlegt das mit Broadway-Sound. Wieder sieht man Luther beim Bodenschrubben hadern, dass er sich seinem Gott nicht würdig erweist. Er geht nach Wittenberg. In Wittenberg wird der fromme Landesfürst Friedrich der Weise sein Förderer. Der ist Luthers Lehren sehr aufgeschlossen gegenüber und leidenschaftlicher Reliquiensammler, wobei ihm aber selbst Zweifel kommen, als er den vierten Kopf eines Heiligen sammelt. Nun wird die Politik als großes Schachspiel inszeniert. Luther trifft in Wittenberg auf Mathis, dessen Bruders wegen Diebstahls im Gefängnis sitzt. Mathis bittet Luther um Verzeihung für seinen Bruder. Das ist eine erfundene, aber nette Nebengeschichte. Statt sich mit den Lehren Luthers zu befassen, gibt es beim Bau des Petersdoms Schwierigkeiten. Papst Leo X. braucht Geld und erfindet den Ablasshandel. Unter Höllenandrohung versucht er, mithilfe von Tetzel, das Volk zum Kauf von Ablassbriefen zu bewegen. Tetzel sieht dabei aus wie ein Rammstein-Rocker und singt ein Lied von "der höllischen Qual". Die Ablassbriefe verkaufen sich prächtig. Luther deckt den Skandal auf und hält Predigten von der Güte Gottes ("Gott Allein"). Er schlägt 1517 seine Thesen an die Tür der Kirche in Wittenberg. Nun kommt es zum Disput zwischen Eck und Luther im Jahre 1519. Das ist als Battle-Rap aufgezogen, wieder mit einer Tanzeinlage. Schließlich wird er von den Reichstag in Worms zitiert. Dort widerruft er seine Thesen nicht, worauf die Reichsacht verhängt wird. Es kommt zu einem großen Finale des ersten Akts.

Im zweiten Akt sieht man zu Beginn wieder eine Kutschenszene. Friedrich der Weise lässt Luther auf die Wartburg entführen. Dort wird er von Visionen und Albträumen geplagt ("Kyrie Eleison"). Den Teufel vertreibt er mit einem Tintenfass. Den Tintenfleck sieht man dort wirklich, und wenn man selbst schon mal auf der Wartburg war, kennt man den Fleck. Er kommt auf die Idee, das Neue Testament zu übersetzen. Man sieht wie die Worte aus den Seiten wachsen und wie das Volk plötzlich versteht, was in der Bibel steht. Friedrich der Weise trägt schließlich einen Abdruck der Lutherbibel über die Bühne. Das war die eigentliche Revolution der Zeit, der Buchdruck. Aber es entstehen plötzlich Unruhen. Luthers Lehrern werden zum Auslöser eines großen Krieges. Gegen den Rat Friedrich des Weisen verlässt er die Wartburg. Nun findet Luther aber privat sein Glück mit der Heirat der Nonne Katharina von Bora. Die Szene, in der die neun Nonnen in einem Verwandlungsbilderbuch sieht man die neun geflüchteten Nonnen. Das Ganze kommt so wie ein Kinderlied von den „Zehn kleinen Negerlein“, übrig bleibt Katharina von Bora, die zu gebildet und zu eigenwillig für andere Männer war. Die Heirat mit Katharina von Bora wird eher als Zufall dargestellt. Sie flohen 1523 zu Ostern aus dem Kloster. Zwei Jahre später hat er sie geheiratet, was hier stark verdichtet dargestellt wird ("Ich gehör zu Dir"). Gleichzeitig lehnt sich Luther gegen den Zölibat auf. Auf der Pleißenburg ist nun auch Mathis eingetroffen, als Anführer der Aufständischen. Herzog Georg lässt auf Anraten seiner Frau Luther frei. Es kommt zu einem Aufstand, bei dem die Aufrührer Freiheit wollen.

Wer hätte gedacht, dass zwischen Sister Act, Monty Python und Les Misérables noch Platz für ein Luther-Musical ist. Anfangs hatte ich mit der lauten Musik und mit den Szenen aus Rom so meine Probleme. Ich war am Zweifeln, ob das wirklich gut geht. Ja, es geht gut. Gerade die Balladenszenen, bei denen Luther mit Gott hadert oder auch der Battle-Rap zwischen Eck und Luther sind charmante Einfälle. Durch die weiße Bühne und die Lichtprojektionen ist eine schnelle Szenenabfolge möglich und gerade zu Anfang hat die Inszenierung ein ziemliches Tempo. Es kommt auch der ein oder andere zotige Spruch von Luther dazu, ohne sich dabei in Zitaten zu verlieren. Es gibt tolle Lichtprojektionen von der Heimsuchung auf der Wartburg. Im Nu ist man in Klöstern, Kirchen, großen Hallen und das alles nur mit Projektion ohne eine Umbaupause. Dass das Ganze letztendlich doch aufgeht, ist auch Verdienst von Thomas Borchert (Martin Luther) und Ramin Dustar (Johannes Eck). Aber auch die vier Musiker leisten eine gute Arbeit, einschließlich des Schlagzeugers im Proszenium. Letztendlich nimmt sich das Musical doch ernst, was auch dem Thema angemessen ist.

Quelle: YouTube | Stadttheater Fürth

Quelle: YouTube | Kati Heidebrecht

Von • Gallerien: Kultur, Musical • Tags: luther

Viva Cellini

07.01.17 23:35

Stellen wir uns vor, wir hätten eine Zeitmaschine, die uns am 07.01.2017 an den Punkt zurückbringen würde, an dem das Opernblog am 25.10.2008 gestartet ist. Zu einer Inszenierung, die damals der Auslöser war, mit dem Schreiben zu beginnen. Wie würde sie wohl nach den acht Jahren Erfahrungen mit Opern und Inszenierungen wohl wirken, diese Hector-Berlioz-Oper Benvenuto Cellini? Was würde ich wohl diesmal drüber schreiben? Nur so viel: Nach einem Umweg über Bonn ist diese Inszenierung von Laura Scozzi wieder in Nürnberg zu sehen gewesen. Die Begegnung mit der Vergangenheit war einfach wunderbar. Diese Inszenierung an der Oper in Nürnberg enthält so viele liebevolle Details, dass man auch noch nach acht Jahren ins Schwärmen kommt. Nun spielt die Oper ja eigentlich 1506; aber die Regie verteilt munter Kühlschränke, Fernseher, Klappsofas und Stehlampen in der Requisite.

Cellini ist ein unangepasster Künstler mit lyrischem, hohen Tenor, aber leichten Bauchansatz und Rastalocken, die er unter einer grauen Mütze sammelt. Auf einem olivenfarbenem Sweatshirt steht in Gelb sein Lebensmotto: Live fast and die young. Auch an den roten Sneakern ist er immer bestens zu erkennen. Cellini ist ein Bronzekünstler, der gegen Ende der Oper noch einen Auftrag des Papstes zu erfüllen hat. Durch ein Fenster kommt er zu einer Teresa, die im Schlafanzug auf einem Gitterbett mit rosa Zudecke auf ihn wartet. Ihr Vater, der Schatzmeister des Papstes Balducci hält die Tochter weg von der Welt, gefangen in ihrer Welt mit rosa Stehlampe, rotem Fernsehern und Postern von Hollywood-Filmgrößen. Ihren Kummer über die Gefangenschaft kompensiert sie mit einer Fressattacke auf Joghurt, das sie gleich zu Beginn genüsslich, während einer Arie löffelt. Die Leistung gleichzeitig zu essen und eine Koloratur zu singen, ist mir von damals noch im Gedächtnis geblieben. Sie ist einfach ein 17-jähriges Mädchen, das dem falschen Mann versprochen ist. Der Bildhauer Fieramosca versucht auch, seinen gelben Blumenstrauß an die Frau zu bringen. Scheitert aber letztendlich. Draußen vor dem Fenster tobt der Karneval in Rom. Cellini heckt mit ihr einen Fluchtplan aus, bei dem er sich als Abt verkleidet nähert und mit Teresa fliehen will. Beide Männer sind nun im Schlafzimmer. Während sie Fieramosca in den Schrank versteckt, überlegt sie beim Zähneputzen, wie sie die Situation ihrem Vater erklären will. Sie lenkt den Vater letztendlich ab, in dem sie sagt, es wäre ein Mann im Zimmer und die Aufmerksamkeit auf Fieramosca lenkt. Dieser wird nun von den Nachbarinnen als Wüstling beschimpft, umtanzt und schließlich aus der Wohnung geworfen. Cellini gelingt unterdessen die Flucht aus dem Zimmer.

Der zweite Akt beginnt im Dunkeln. Cellini denkt und singt über Teresa. Nach und nach füllt sich der Bühnenboden mit Doubles von Cellini, alle im gleichen Shirt und mit gleicher Mütze. Die bewegen sich auch noch synchron. Als sich der Boden der Taverne mit 17 Doppelgängern von Cellini gefüllt hat, ist klar: Das sind Cellinis Freunde und Schüler, die gekommen sind, mit ihm zu zechen. Es wird eine rote Säule zur Bar umfunktioniert, am rechten Ende sieht man eine Neonleuchte mit dem Begriff Bar. Es finden Trinkspiele statt und es wird lautstark gesungen, bis schließlich eine lange Rechnung mit Getränken fällig wird, die zu zahlen sind. Begleitet ist das wieder von einer wunderbaren Balletteinlage der Kellner, wobei auch schon mal ein Tablett zu Boden fällt. Die Rechnung soll schließlich mit dem Geld des Schatzmeisters Balducci bezahlt werden, an die aber wieder mal eine Bedingung geknüpft ist: Der Guss der Perseusstatue soll vollendet werden. Da der Geldgeber knausrig war, beschließt, man ihn auf den Colonna-Platz zu verhöhnen. Auch dies hört Fieramosca. In seiner Verzweiflung erklärt er nun seinem Freund Pompeo, was Cellini geplant hat. Dieser gibt ihm den Rat, ebenfalls als Abt zu erscheinen und den Plan zu durchkreuzen. In der Szene auf dem Colonna-Platz sieht man das Volk von Rom am Eingang zum Theater. Man muss sich erst einmal die Eintrittskarten abholen und stellt sich brav an. Gekleidet ist man als Volk mit neongelben Perücken, mit weißer Halskrause, aber ansonsten schwarz. Für die falsch-falschen Äbte gibt es aber keine Tickets, sodass sie mit einer Pistole die Kassiererin bedrohen. Die rückt dann doch noch zwei Karten raus. Scheinbar war es im 16. Jahrhundert auch schon schwierig an Theaterkarten zu kommen. Das Possenspiel gegen Balducci ist eine Castingshow, in der ein römischer Tenor gegen einen Konkurrenten auftritt. Aber auch hier kämpft man schon mit den Tücken der Technik und bimmelnden Handys beim Publikum. Beim römischen Tenor ist die Jury so gelangweilt, dass sie auf dem Buzzer einschläft. Entschieden wird das Casting letztendlich durch einen Schusswechsel, in dem auch die Mitjuroren außer Gefecht gesetzt werden. Es tauchen aber auch die richtigen falschen Äbte auf, nämlich Cellini mit Ascanio. Leicht sind die richtig-falschen Äbte von den falschen-falschen Äbten am Schuhwerk zu unterscheiden. So viel falsche Äbte, das kann nicht gut gehen und richtig. Pompeo wird im Tumult von Cellini erstochen. Als noch ein Kanonenschlag das Ende des Karnevals ankündigt, ist das Chaos perfekt. Man verhaftet Fieramosca und Cellini kann aus dem Tumult entkommen. Nach so vielen Äbten braucht es eine Pause.

Im dritten Akt ist es Cellini gelungen, im Schutz weißer Mönche zu fliehen, die zufällig am Colonna-Platz waren. Er hat zwar noch Blut an der Kutte, aber die Freude bei Teresa über das Wiedersehen ist groß. So inszeniert man kurzerhand einen One-Night-Stand auf einem blauen Klappsofa. Balducci tritt noch mal auf und verlang abermals, dass Teresa diesen heiraten soll. Nun erscheint aber noch eine weiße Glitzerausgabe des Papsts Clemens VII, gefolgt von drei, leicht anders orientierten Begleitern. Unter seiner Kopfbedeckung trägt der Papst aber einen Zopf und als Cellini seine Forderungen stellt, unter der die Perseus-Statue gegossen werden soll, zückt der ein weißes Handy und verlangt die Ordner. Die Forderungen sind: Straffreiheit für ihn, wegen des Mordes und die Hand von Teresa. Sollte die Perseusstatue an diesem Tag noch gegossen werden, geht alles klar, meint der Papst. In dem ganzen Gussstress wünscht sich Cellini nur noch weg in die Berge. Man sieht in Zeitlupentempo eine Traumsequenz von einem Hirten in den Bergen, der bei seinen Schafen Käse produziert. Aus dem Bühnenboden fährt eine Alpenhütte und nimmt Cellini wirklich weg. Nun kommt es aber zu Schwierigkeiten. Die Arbeiter streiken, das Metall reicht nicht. Die Begleiter des Papstes kommen mit weißen Nonnenhauben in das Gusswerk und prompt wenig später mit angebranntem Kopfschmuck wieder raus. Der Papst macht es sich unterdessen auf dem blauen Sofa gemütlich, raucht einen Joint und beackert den Kaffeeautomaten, der mit einer blinkenden Madonna einen Kaffee auswirft. Der Guss gelingt letztendlich, als alle Kunstwerke von Cellini in den Schmelztiegel fliegen. Am Ende findet die gewohnte Party statt, die Cellini auf einem Sockel stellt. Im Hintergrund sieht man ein Bild der Perseusstatue.

Auch nach acht Jahren ist die komische Oper von Laura Scozzi immer noch frisch. Genau wie damals habe ich mich an der hervorragenden Choreografiearbeit dieses Werks erfreut. Wie die Personen sich über die Bühne bewegen ist einfach ganz hervorragend. Auch die Vermischung der heutigen Zeit mit dem 16. Jahrhundert ist sehr komisch. Die Joghurt-Arie bleibt einem da hängen oder die Szene mit dem Papst am Kaffeeautomaten. Teresa von Hrachuhí Bassénz stellt eine überzeugende 17-jährige Teenagerin dar. Mirko Roschkowski stellt den Kunstrebellen Cellini etwas ironisch dar, während Guido Johannes Rumstadt durch das pathetische Werk von Hector Berlioz führt. Da es Berlioz mit der Historie nicht so genau nahm, warum sollte die Regie es dann tun? Das alles ist wirklich sehr unterhaltsam. Meine Begeisterung von damals hält auch der heutigen Sicht noch Stand.

Quelle: YouTube | Staatstheater Nürnberg

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