Opernblog

Archiv für: "Februar 2014"

Hänsel und Gretel - Die Hex ist tot

In einer Inszenierung des Theaters Ulm kam "Hänsel und Gretel" auf die Bühne des Stadttheaters Fürth. Die Inszenierung von Benjamin Künzel ist moderat modern und spart sich die ganz großen Effekte für den 3. Akt auf. Diese Oper von Engelbert Humperdinck ist ein romantisches Spätwerk mit eingängigen Volksweisen. Hochdramatische Auftritte, wie die der Mutter Gertrud, wechseln ab mit Kinderliedern.
Im ersten Akt befindet man sich im Kinderzimmer von Hänsel und Gretel. Die Kinder des Besenbinders Peter und seiner Frau Gertrud sitzen vor langen, beigefarbenen Stoffbahnen, auf denen Essen abgebildet ist. Da es schon lange nichts Gutes mehr zu essen gegeben hat, sind sie froh, dass die Nachbarin einen weiß gepunkteten roten Kochtopf dagelassen hat. Sie freuen sich auf den Reisbrei, den die Mutter kochen soll. Statt aber, wie befohlen Strümpfe zu stopfen und Besen zu binden, singen die lieber und tanzen. Das bringt die Mutter nun völlig aus der Fassung und vor Entrüstung und aus Zorn geht der Topf mit der Milch zu Boden, sodass auch dieses Abendessen ausfallen wird. Immer noch in Rage schickt sie ihre Kinder in den Wald zum Beerensuchen. Da kommt der Vater zurück, mit vielen Lebensmitteln im weißen Stoffbeutel. Er hat in den Nachbardörfern viele Besen verkauft. In dem Stoffbeutel ist alles, was sich die Familie wünscht: Eier, Mehl und sogar Kaffee. Entsetzt stellt er fest, dass seine Frau die Kinder in den Wald geschickt hat, denn dort lauert die Gefahr in Form einer bösen Hexe, die Kinder zu Lebkuchen bäckt. In tiefer Sorge gehen die Eltern nun in den Wald und suchen die Kinder. Der Wald besteht nun wieder aus Stoffbahnen mit roten Bäumen und weißen Punkten. Wie nun eine Straßenlaterne mitten in diesen Wald kommt und der Mülleimer, ist wohl ein Rätsel der Inszenierung. Der Müllmann entpuppt sich als das bärtige Sandmännchen. Man sieht sogar mal kurz die Hexe über die Bühne huschen und die Eltern. Die Kinder haben inzwischen wohl Beeren gefunden, die sie aber auch kurzerhand vernaschen. An der Kiste bei der Straßenlaterne müssen die Kinder zugeben, dass sie sich verlaufen haben. Der Wald scheint plötzlich voll von lauter Gefahren. Schließlich singen sie mit dem Sandmann ihr berühmtes Abendgebet. Statt der besungenen 14 Engel reichen sich die beiden Eltern in siebenfacher Ausgabe die Hand und bilden so die 14 Engel. Dann ist Pause.
Im dritten Akt zeigt nun die Inszenierung, was noch alles geht. Der Sandmann wird nun zum Taumännchen und weckt die Kinder. In der Nacht hat die Hexe ein kleines Lebkuchen-Hexenhaus in der Mülltonne versteckt, von dem die Kinder nun naschen. Der Waldvorhang fällt und legt eine großzügige Hexenhütte frei. Den Strom für den Ofen liefert ein Heimtrainer, der rechts vor dem Backofen steht. Vor der Hütte tanzt nun eine blau angezogene Hexe mit langen, aufgesetzten Fingernägeln, die sich als Rosina Leckermaul vorstellt. Die Straßenlampe wird zur Zauberkugel und mit dieser schafft es die Hexe, einen Bewegungszauber auszulösen und die Kinder am Weglaufen zu hindern. Der Hänsel kommt in einen riesigen, vergitterten Lüftungsschlauch und soll mit Rosinen und Süßigkeiten gemästet werden. Die Hexe will auch diese Kinder zu Lebkuchen backen und Essen, voller Vorfreude, reißt sie sich das blaue Kostüm vom Körper und vollführt auf dem Rest der Straßenlampe einen grotesken Hexenritt auf. Weil Hänsel die Hexe immer wieder austrickst und statt des Fingers einen Knochen raushält, der ihr nicht fett genug erscheint, wirft die Hexe Gretel in den Kochtopf. Als Gretel nach dem Ofen schauen soll, stellt sie sich gezielt dumm und sagt, sie wisse nicht, wie das geht. Das treibt die Hexe dazu, ihr zu zeigen, wie man das macht. Dabei stoßen nun Gretel und Hänsel die Hexe in den Ofen und backen diese selbst zu Lebkuchen. Mit einem lauten Blitz verwandeln sich die Lebkuchen des Hauses zurück in Kinder. Diese sind zuerst noch regungslos, werden aber von Gretel mit dem Bewegungszauber entzaubert. Am Ende finden auch die Eltern ihre Kinder und freuen sich gemeinsam, dass die Hexe tot ist.
Manches in der Inszenierung gelingt ganz gut, so hat mir die Idee mit den 14 Engeln, die eigentlich die duplizierten Eltern sind, recht gut gefallen. Mit der Straßenlaterne und dem orange-angezogenen Müllmann, der einmal als Sandmann und als Taumännchen fungiert, hatte ich so meine Probleme. Großartig war der groteske Hexenritt und es hat mich erstaunt, dass für so ein eher leichtes Werk, so viel Orchester braucht. Man sollte die Oper zumindest aufgrund ihrer Bekanntheit einmal gesehen haben. Es ergibt sich insgesamt aber musikalisch kein geschlossenes Bild, denn hochdramatische Momente wechseln mit einfachen Kinderliedern.

Von • Gallerien: Kultur, Oper • Tags: hänsel und gretel
Arabella - Eine Ehrenrettung

Die Nürnberger Oper zeigt zum 150. Geburtstag von Richard Strauß sein Werk Arabella. Das Werk ist die letzte Zusammenarbeit mit Hugo von Hofmannsthal, dessen letztes Werk diese Oper ist, die als lyrische Komödie bezeichnet wird. Andreas Baeslers verlegt die Handlung aus dem Wien des Jahres 1860 in die 20er Jahre in die Faschingszeit. Das ist insofern bemerkenswert, dass es in dieser Zeit gar keinen Kaiser mehr in Österreich gegeben hat, dieser aber mehrfach im Text erwähnt wird. Man erlebt die Verwicklungen um zwei Liebespaare an einem Faschingsdienstag-Abend.
Die Familie Waldner hat sich in einem Hotel einquartiert. Der Vater Theodor ist chronisch durch Glücksspiel pleite und die Mutter lässt sich die Karten von einer Wahrsagerin legen. Diese sagt zu Beginn des Stücks eigentlich schon die gesamte Handlung vorher. Plan der Mutter ist es, die schöne Tochter Arabella gut zu verheiraten, um so aus den Schulden rauszukommen. Die zweite, jüngere Tochter wird kurzerhand als Bub ausgegeben, da man sich die Ausstattung einer zweiten Tochter nicht leisten kann. Aus der Zdenka, wird somit ein Zendko. So leistet man sich für die Tochter Arabella zum Beispiel auch teure Opernkarten, damit sie in gute Gesellschaft kommt. Arabella wird begehrt von dem Jägeroffizier Matteo. Er meint immer Briefe von Arabella zu erhalten, die in Wahrheit aber Zdenka für sie schreibt. Er bringt Arabella auch rote Rosen vorbei. Als diese Arabella sieht, meint sie zuerst, sie wären von einem mysteriösen Fremden, den sie gesehen hat, mit dunklen Augen und festem Blick. Als sie erfährt, dass sie von Matteo sind, lässt sie diese fallen. Schließlich kommt einer der drei Grafen vorbei, mit denen Arabella auszugehen pflegt. Er lädt sie zu einer Schlittenfahrt ein. Arabella will aber auf jeden Fall, dass ihr Bruder Zdenko sie begleitet. Nun kommt der wienernde Vater von Arabella ins Zimmer, mit dessen Dialekt sich der darstellende Randall Jakobsh etwas schwer tut. Da auch der letzte 50er weg ist, hat er einem Kriegskameraden namens Mandryka einen Brief geschickt, in den er zufällig ein Bild von Arabella beigelegt hat. Mandryka wäre so reich, dass er einer Dame pfundweise Salz ausgeschüttet habe, damit sie im Sommer Schlitten fahren könne. Der wäre der Richtige für Arabella. Auf den Schreck mit dem Geld braucht er erst einmal einen Cognac, den der Zimmerkellner aber verweigert. Schließlich meldet sich doch ein Herr namens Mandryka, der sich aber als der Neffe des Kriegskameraden rausstellt und von Jochen Kupfer gespielt wird. Mandryka ist sagenhaft reich, der Alleinerbe aus Slawonien, der Kornkammer an der Donau. Er hätte 4000 Untergebene und viel Wald. Er habe das Bild von Arabella gesehen und wünscht die Tochter nun zu heiraten. Dies geht aber nur über die Mutter und ein kleines bisschen Geld. Beherzt greift Theodor dreimal in die Tasche des Mandryka und zieht ihm so die Tausender aus der Geldbörse. Mit einem mehrfachen ‚Teschek bedien dich‘ lässt er dies auch zu. Die Vorstellung von Arabella soll dann am Fiakerball am Faschingsdienstag in Wien sein. Matteo kommt noch mal kurz vorbei, wird aber wieder von Zdenko vertröstet. Arabella und Zdenko brechen schließlich auf zum Fiakerball.
Die nun einsetzende Pause hat einen Teil des Publikums kalt erwischt. Manche dachten schon, es ist nun Zeit für den Pausensekt, aber nein. Es gab eine längere Umbaupause für die Ballszene. Man befindet sich im zweiten Akt auf dem Fiakerball. Dabei gibt es mit den Kleidungen ein kleines Verwirrspiel. In einigen der Charlestonkleider stecken Männer, in einigen der Fräcke tanzen Frauen. Arabella, ganz in einem rosa Satinkleid, erkennt in dem vorgestellten Mandryka, den Fremden von der Straße. Man ist ganz ineinander versunken, sitzt auf dem Souffleur-Kasten und hat nur noch Augen füreinander. Das Duett ‚Und Du wirst mein Gebieter sein‘ zählt sicher zu den großen Nummern der Oper. Darin wünscht sich Mandryka jedenfalls, dass Arabella ein Mädchen aus seinem Dorfe wäre und ihm klares Wasser zur Verlobung reichen würde. Noch wäre es aber nicht so weit, Arabella will sich erst noch am Ball von ihren Verehrern verabschieden. Damit beginnen die Verwicklungen. Es tritt die Fiakermilli als Marlene Dietrich-Verschnitt im weißen Hosenanzug auf. Mit dieser jodelnden Koloratur-Einlage sticht sie auf jeden Fall heraus. Sie hat es auch etwas auf Mandryka abgesehen, der beschließt vor lauter Glück, die ganze Ballgesellschaft mit Champagner auszuhalten. Zdenka steckt nun einen Brief Matteo zu, mit dem Schlüssel des Nachbarzimmers von Arabella. Etwas begriffsstutzig ist der Jägeroffzier aber schon, weshalb sie kurz den Gesang beendet und ihm erklärt, was es mit dem Schlüssel auf sich hat. Das bekommt nun Mandryko mit und vergnügt sich ziemlich betrunken auf der Champagner-Bar mit der Fiakermilli, die Pose ist jedenfalls eindeutig. Theodor beschließt nun die Lage wieder aufzuklären und man fährt ins Hotel.
Nach der Pause im dritten Akt kommt es zum großen Show-Down im Stiegen Zimmer des Hotels. Matteo will nun endlich zu Arabella und versteht schon wieder nicht, warum die so abweisend ist. Dem Einwand des Vaters, keine Arien mehr zu singen, sondern auf dem Punkt zu kommen, leistet man eine drei viertel Stunde nicht folge. Mit einer Aussprache hätte sich sicher vieles klären lassen. So fordert der düpierte Matteo schließlich von Mandryko Satisfaktion, die eigentlich nur dadurch verhindert wird, dass Theodor die Waffen schon im Auktionshaus versetzt hat. Schließlich kommt Zdenka als Mädchen im weißen Nachthemd und klärt auf, wer die Briefe geschrieben hat und den Schlüssel überbracht. Es war allein ihre Idee. Mandryka bitten nun für Matteo um die Hand der Zdenka. Arabella zieht sich auf ihr Zimmer zurück und lässt ihren Mandryka auf eine Hotelbank liegen. Schließlich öffnet sich die Bühne und sie kommt im grünen Pyjama runter, mit einem Glas Wasser in der Hand. Er trinkt das Glas aus und wirft es auf die Stufen. Dass ihre Beziehung turbulent werden wird, sieht man daran, dass sie zu den Schlussakkorden fangen spielen.
Ich kann die schlechte Kritik in der hiesigen Presse nicht nachvollziehen und die Besucher der Oper ebenfalls nicht. Jochen Kupfer als Mandryka und Ekaterina Godovanets liefern eine hervorragende Leistung ab, wie die restlichen Leute von der Besetzungsliste. Die Walzerseligkeit von Strauß wird immer wieder durch Dissonanzen unterbrochen und bietet eine große Vielschichtigkeit. Die lyrischen Momente sind musikalisch wunderbar entworfen und man kann schon verstehen, dass sie aufgrund der guten Musik eine der meistgespielte Strauß-Oper ist. Die Sänger müssen sich teils gegen ein volles Orchester durchsetzen. Es werden viele Worte gesungen auf der Bühne, sodass man als Zuschauer gefordert ist, der Handlung zu folgen. In der Textlastigkeit steht sie da steht einer Oper, wie beispielsweise einem Tristan, in keiner Weise nach. Es muss nicht immer Tote auf der Opernbühne geben. Eine Oper mit Happy End ist doch auch eine schöne Abwechslung. Klar macht man der Handlung der Oper Vorwürfe, zu sehr ins Operettenhafte abzugleiten. Die Musik verhindert aber den Drift ins Triviale.

Quelle: Staatstheater Nürnberg

Von • Gallerien: Kultur, Oper • Tags: arabella