Opernblog

Archiv für: "Januar 2014"

Das Nürnberger Opernhaus hat sich des Musicals Funny Girl angenommen. Die Inszenierung ist von Stefan Huber und eine Koproduktion mit dem Theater Dortmund und dem Theater Chemnitz. Dieses Musical von Jule Styne und Isobel Lennart behandelt die Biografie des Revuestars Fanny Brice und ihre Ehe mit dem zweiten Mann Nick Arnstein. Das Opernhaus versucht den Glanz der Revuen des frühen 20. Jahrhunderts einzufangen. Die Geschichte wird in einer Retrospektive erzählt.

Die erfolgreiche Darstellerin Fanny Brice steht kurz vor ihrem Auftritt. Sie sitzt am Schminktisch ihrer Garderobe und lässt ihr Leben noch einmal Revue passieren.

Als 19-jährige im Matrosenkostüm und mit roten Haaren beginnt die Geschichte im Jahr 1909, als Fanny den Wunsch äußert, ein Star zu werden. Sie arbeitet schon seit 10 Jahren auf den großen Auftritt hin. Ihre Mutter, die mit ihren Freundinnen immer wieder unter einer Lampe Karten spielen, sieht das eher kritisch. Die Beine wären zu kurz, Fanny hätte keine Kurven und wäre für Männer nicht schön anzusehen. Sie trifft in der nächsten Szene auf Eddie Ryan, den sie bis 6 Uhr morgens nötigt, ihr eine Choreografie des Chicken-Dances einzuüben. Ihre Mutter schickt sie schließlich ins Bett. Und tatsächlich bekommt sie ein Engagement in New York in einer Show. Sie ist glücklich damit, die Hauptrolle bekommen zu haben und feiert ihren ersten Erfolg. In der Garderobe taucht auch Nick Arnstein, mit einem seltsamen Rüschenhemd auf. In einem Dialog mit dem Intendanten pokert Nick das Gehalt von Fanny auf 100 Dollar hoch. Die Begegnung ist kurz, dennoch schwärmt Fanny von diesem Mann. Eddie Ryan muss sich schließlich damit abfinden, nur noch Freund zu sein. Es folgt ein Engagement bei Florenz Ziegfield. Dort wird sie durch Florenz Ziegfield eingewiesen in ihre Rolle. Florenz Ziegfield scheint irgendwo im dritten Rang zu sitzen und über Lautsprecher seine Regieanweisungen zu geben. Er ist der einflussreichste Revue-Produzent am Broadway und unterhält das Publikum von New York seit 1907 mit einer Show, den Ziegfield Follies. In einer Hochzeitnummer soll nun Fanny auftreten und den Text singen, dass sie das schönste Mädchen der Welt ist. Sie sträubt sich aber und kommt dann die Showtreppe als schwangere Braut herunter. Über diesen eigenmächtigen Einfall der Fanny ist Ziegfield nicht sehr erfreut, er gibt aber schließlich dem Erfolg nach. Der wird von ihrer Mutter gefeiert, indem sie die ganze Tänzertruppe in ihr Haus zum Feiern einlädt. In einer sehr schönen Choreographie wird hier auf den Tischen getanzt. Wieder tritt Nick Arnstein in ihr Leben, der sich aber schon an dem Spieltisch mit den Freundinnen ihrer Mutter vergnügt. Ihnen gelingt es schließlich auch mal, ein paar Minuten alleine zu sein. Nick gesteht Fanny seine Liebe. Ja und mit People erklingt dann auch der große Hit aus dem Musical.

Im zweiten Akt treffen sich Fanny und Nick in Baltimore wieder aufeinander. In einem Restaurant bestellt der weltgewandte Nick auf Französisch Rinderbraten und wartet auf Fanny. Die hat inzwischen ziemlich Allüren bekommen und sagt, dass sie nicht mehr das naive Mädchen von früher ist. Fanny ist wohl klar, dass sie in diesem Menü das Dessert sein wird. Im Bahnhof von Baltimore steht nun eine Entscheidung an. Folgt Fanny der Truppe von Ziegfield nach Chicago oder ihrem Nick nach New York. Die Koffer sind schon eingeladen nach Chicago. Fanny will aber nun nicht länger warten und folgt Nick nach New York und lässt ihre Karriere für Nick sausen. Sie löst die Zug-Karte für den nächsten Zug nach New York. Nick und Fanny heiraten schließlich. Sie beziehen eine ziemlich leere Villa in Long Island, die aber von einem Überraschungskomitee bevölkert wird. Nick hatte ihre Mutter und deren Freunde eingeladen, die frisch vermählten zu empfangen. Auch Ziegfield war unter den Gästen. Fanny eröffnet aber, dass sie vorerst nicht weiter auftreten wird, da sie selbst schwanger ist. Da sie aber inzwischen die Leidenschaft ihres Mannes für Pferdewetten kennt, fängt sie fünf Monate nach der Geburt ihrer Tochter wieder bei Ziegfield in der Show an. Es ist Weltkriegszeit und man erlebt eine etwas gespenstisch anmutende Revue-Szene mit roten Gewehrattrappen und Glitzertruppen-Outfit. Nick verspricht inzwischen nicht mehr auf Pferde zu setzen, sondern plant ein Spielkasino in Florida. Das Geld dazu soll Florenz Ziegfield aufbringen. Da springt aber Funny in die Bresche und gibt ihrem Mann schließlich die 68000 Dollar, die er braucht. Aber das Geld ist auch hier schlecht angelegt. Ein Hurrikan fegt das Spielkasino weg und das Paar steht vor dem Nichts. In einer Finte versucht nun, Fanny einen neuen Job in einer Theateragentur für ihren Mann zu organisieren. Diesen sponsert sie sogar mit 20000 Dollar. Als Nick das schließlich rausbekommt, ist er außer sich, dass er so von seiner Frau abhängig sein soll. Er greift zum Telefon und stürzt sich in ein dubioses Anlagegeschäft. Er muss schließlich eine 18-monatige Haftstrafe antreten. Inzwischen macht auch Fannys Mutter ihrer Tochter Vorwürfe, sie wäre schuld an dem Versagen ihres Mannes.

Und dann ist man wieder in der Garderobe und erlebt die letzten 15 Minuten vor dem Auftritt. Nick kommt aus dem Gefängnis zurück und eröffnet ihr, dass sie sich nun genug geschadet hätten und sie, in beidseitigen Einvernehmen, ihre Beziehung nun beenden sollen. Etwas verblüfft nimmt aber Fanny den Vorschlag ihres Mannes an und beendet ebenfalls die Beziehung. Dann klingelt es, Fanny muss auf die Bühne.

In dem Musical scheint vor allem wieder die Schneiderei ihren Spaß gehabt zu haben. Man erlebt die Mode und Tänze der Jahre 1907-1920, wie sich der Modegeschmack verändert und das ist sehr witzig. Die Glanznummern sind schließlich die Revue-Ausschnitte der Hochzeitsfeier der Ziegfield-Follies und die etwas seltsame Militärnummer. Ob jetzt auch ein Hit genügt, um einen durch das ganze Stück zu tragen, muss man selbst entscheiden. Bei der Sprache konnte man sich nicht so recht zwischen dem englischen Original und der übersetzten Version der Songs entscheiden. Die Musik ist zwar auf ein größeres Orchester ausgelegt, jedoch sehr jazzig und dem damaligen Zeitgeschmack angepasst. Frederike Haas als Fanny Brice singt sich tapfer durch die Rolle und muss sich leider mit Barbara Streisand messen. Tobias Licht gibt einen aufbrausenden, manchmal aber auch galanten Nick Arnstein. Johanna Schoppa als Fannys Mutter darf ihr komödiantisches Talent ausspielen. Ein ausverkauftes Haus scheint dem Gespür der Intendanz Recht zu geben. Wer tiefere Unterhaltung sucht, der ist sicher in einer Oper besser bedient.

Quelle: Staatstheater Nürnberg

Von • Gallerien: Kultur, Musical • Tags: funny girl

Kommen wir nun mal zu der dunklen Vorgeschichte des Opernblogs. Ein Film, der mir in jungen Jahren gut gefallen hat, war die Rocky Horror Picture Show. Diese trashige Geschichte, die flotten Musiknummern und die etwas verquere Handlung aus Science-Fiction und Burlesque-Film, fand ich gut und war da mehrfach im Kino. Die Bühnenvorlage läuft derzeit im Nürnberger Schauspielhaus. Eingefleischte Fans seinen aber gewarnt, man erlebt hier eine Hochglanz-Nummer, die sich zwar sehr am Film anlehnt, aber aufgrund der Adaption als Bühnenstück einige Umbauarbeiten über sich ergehen lassen muss. Die Band, bestehend aus sechs Musikern, macht ihre Sache eigentlich recht gut. Die freakige Gruppe der Transilvanier ist auf eine Sechs-Mann-Truppe durchweg gutaussehender Tänzer und Tänzerinnen zusammengeschmolzen. An der Eingangstür gibt es Fanpacks für sieben Euro. Man muss also auf das Werfen von Lebensmitteln gänzlich verzichten, kein Toast, kein Reis usw. In einer Laufschrift wird man auf den Verhaltenskodex im Schauspielhaus hingewiesen. Dennoch verwandeln die Tüten und die geschätzten 30% Leute, die letztlich mitmachen, das Haus in einen Zustand, dass man die Putzkolonne bedauern muss. Die Lieder werden in Englisch gesungen, die Dialoge entsprechen ziemlich denen in Film, sind aber in Deutsch. Da es für die Aufführung schwierig ist, an Karten zu kommen, habe ich mich auf einen Resteplatz gezwängt.

Magenta beginnt die Show an der rechten Seitentür, in dem sie den Titelsong singt. Ihres Kostüms entledigt sie sich bis auf eine Korsage, als Projektion singen die bekannten roten Lippen aus der Filmeröffnung. Gelungen ist die Eröffnung in der Kirche. Die eingeblendeten Glocken lassen die Revuebühne dann teilweise als Kirche dienen. Selbst ein imaginäres Auto fährt davon und man sieht die Blechdosen über die Bühne huschen, die am Brautauto befestigt sind. Es ist die Hochzeit von Freunden von Brad Majors und Janet Weiss, an der Janet den Brautstrauß fängt. Auch Brad und Janet wollen irgendwann heiraten. Vorher machen sie aber einen Ausflug im Auto zu Dr. Scott. In einem Autoimitat erleben wir die folgenschwere Panne eines geplatzten linken Vorderreifens, bei Gewitter in einem Wald. Nicht ganz zeitgleich knallen dazu passend die Plastikbeutel aus dem Action-Pack. Also beschließen Brad und Janet, zu dem Schloss einige Meilen vorher zu gehen und zu fragen, ob man dort telefonieren könne, um die Panne zu beheben. Zur Nummer 'There's a light' werden dann die Knicklichter gezündet und es kommt richtig Stimmung auf. Am Schloss angekommen, begrüßt sie ein etwas seltsamer, schürzengekleideter Diener mit einer Taschenlampe und führt sie ins Schloss. Die beiden Verlobten sind an einer besonderen Nacht angekommen, in der Meister Frank N Furter, eine Kreatur erschaffen wird. In einem Saal treffen sie nun auf die Tänzertruppe aus Transsilvanien. Brad und Janet sind schockiert, beschließen aber, die Tanznummer zum Time warp mitzumachen, nach dem Motto: Nur nicht auffallen. Schnell sind die Verlobten aber ihre Kleider los und müssen eine Latexschürze anziehen, um ins Labor zu kommen. In einem LED-Zylinder landet der Herr des Hauses, der sich als wahre Dragqueen mit Strass besetzten Stiefeln und langem Umhang entpuppt. Aus einem grünen Blubber-Bassin holt der Herr des Hauses nun seine Kreatur Rocky heraus. Diese muss er erst aus einer Hülle befreien, mit einem präkordialer Schlag beleben. Es ist schon klar, dass der Herr des Hauses Rocky für seine Lust benutzen wird. Rocky ist ein muskulöser, goldfarbener, gut gebauter, blonder junger Mann. Es läuft eigentlich alles nach Plan, bis die Tür zum Eisraum aufgeht und ein schwabbeliger, bärtiger Hardrock Fan namens Eddie auf dem Motorrad rein fährt. Eddie ist der Freund des Hausmädchens Columbia und legt eine flotte Rocknummer hin. Dem Treiben Eddies bereitet Frank N Furter mit einer Motorsäge ein Ende. Hinter der Bühne bringt er Eddie damit um. Es erklingt der Hochzeitsmarsch und aus dem Action-Pack rieselt es Stoffblüten, als Rocky und Frank N Fürther hinter der Bühne verschwinden.

Nach der Pause sieht man eine riesige herzförmige Pralinenschachtel. Dort bekommt man nun mit, wie Frank N Furter Janet verführt. Der Hausherr gibt sich dabei als Brad aus. Dabei geht es einen Tick frivoler zu als im Film. Janet bemerkt die Täuschung zwar, lässt sich aber rum bekommen. In der nächsten Einstellung verführt Frank N Furter dann Brad. Diesmal gibt sich der Hausherr als Janet aus. Wieder geht es etwas frivoler zu, als im Film. Inzwischen eilt Janet durch das Haus ins Labor. Am Monitor sieht sie Frank und Brad zusammen im Bett, schließlich findet sie dort Rocky. Sie lässt sich schließlich mit Rocky auch noch ein. Frank N Furter macht sich auf die Suche nach Rocky und ist massiv sauer, als er erkennt, dass Rocky nicht ihm gehört. In einer neu eingefügten Szene sieht schließlich auch Brad, wie Janet ihn mit Rocky betrügt. Schließlich trifft der Ufologe Dr. Scott ein. Die drei Hauptpersonen Riff Raff, Magenta und Frank N Furter sind Außerirdische, die hier gelandet wären. Mit einem Magneten zieht Frank nun Dr. Scott ins Labor. Scott, mit einem sächselnden Dialekt, ist auf der Suche nach seinem Neffen Eddie, Frank N Furter leert daraufhin einen weißen Kübel mit menschlichen Überresten aus Gummi auf die Bühne. Frank N Furter wird das nun alles zu viel. Mit einem Pflanzenmittelsprüher bewaffnet, besprüht Riff Raff, Janet, Brad, Rocky und Columbia. Diese werden nun für den großen Showdown in hohe Pumps und in Metallkleider gezwängt. Nach der Besprühung mit dem Gerät haben sie keinen Willen mehr und geben sich ganz in einer großen Orgie der Lust hin. Das wird nun Riff Raff und seiner Schwester zu arg, sie beschließen die Heimkehr. An langen Bändern singt nun Frank I'm going home. Die Geschwister setzen mit einem roten Laser-Dreizack dem Treiben ein Ende und wollen zurück auf den fernen Planeten fliegen. Riff Raff erschießt Columbia und Frank. Leider kann man die spektakuläre Flucht Rocky mit dem angeschossenen Frank nicht gut umsetzen, so dass diese schließlich im Bühnenboden verschwinden müssen. Dr. Scott wird schließlich von seiner Lähmung durch Riff Raff geheilt und flieht aus dem Schloss, das nun zurückfliegt. Am Ende sind Brad und Janet am Boden der Bühne alleine.

Ja und spätestens bei der Zugabe steht dann der komplette Saal und klatscht mit. Ob man das nun mag oder nicht, hängt viel vom Stoff ab. Es fehlen in dem Bühnenstück eben die trashigen Elemente der Filmvorlage, sodass es für mich teilweise etwas zu steril war. Wäre da nicht Eddie, der in seinem Aussehen so ganz raus sticht, hat man es eher mit einer Friedrichstadtpalast-Version des Stoffs zu tun. Da gibt es keine zerrissenen Netzstrümpfe oder schlecht sitzendes Make-up. Die Transilvanier sind im Film eben eine bunte Truppe Freaks, die hier fehlen. Das Stück wird nur noch diese Spielzeit gegeben und Neugierige müssen sich ranhalten. Karten sind eben schwer zu bekommen. Let's do the Time warp again? Wenn man es mag.

Quelle: Staatstheater Nürnberg

Von • Gallerien: Kultur, Musical • Tags: rocky horror show