Opernblog

Archiv für: "August 2012"

Marthaler lässt Wagners Tristan in Bayreuth auf einem Kreuzfahrtschiff spielen. Von den Kostümen her ist es von Anna Viebrock in die 60er Jahre versetzt. Während der drei Akte begibt man sich immer weiter in die unteren Geschosse des Schiffs. Marthalers Inszenierungen zeichnen sich immer durch kleine Details aus. Kritiker werfen in in diesem Stück vor, es würde zu sehr stagnieren, nur das ist gerade das Ziel.

Im ersten Akt sieht man Isolde und Brangäne in Sesseln sitzen. Schon während der Ouvertüre hat so einer der Fußschemel ein gewisses Eigenleben und rutscht am braunen Oberdeck hin und her. Das Schiff steuert nach Cornwall. Im Bühnenhintergrund sieht man Kurwenal und Tristan stehen. Kurwenal hat einen Schottenrock an. Brangäne wird vorgeschickt, die beiden Herren heranzuholen. Diese Mission ihrer Begleiterin scheitert aber. Wütend wirft Isolde immer wieder Klappstühle an Deck um, bis sie ihrer Begleiterin den Grund ihres Aufruhrs zu verstehen gibt. Ihr Verlobter Morold wäre von Tristan getötet worden. Im Zweikampf wegen Zinsstreitigkeiten hätte auch Tristan eine Wunde erhalten. Unter dem Decknamen Tantris wäre er aber erschienen bei ihr, um Heilung zu erbitten. An einem Stück Klinge in Morolds Schädel hätte sie erkannt, dass Tantris in Wahrheit Tristan ist. Diese Stück Klinge passte genau in Tantris Schwert. Tristan wäre genesen, aber bald als Werber für die Hand Isoldes im Auftrag seines Onkels König Marke erschienen. Brangäne überlegt nun, wie sie König Markes Gunst mithilfe eines Tranks gewinnen könne. Den hat sie in einer braunen Reisetasche dabei. Die Giftküche stammt von Isoldes Mutter und enthält einen Liebestrank und einen Todestrank. Isolde meint nun, mit dem Todestrank den Mord an Morold rächen zu können. Als Tristan wieder die Bühne betritt, beschließt er den Trank zu sich zu nehmen. Als er das Fläschchen halb getrunken hat, entreißt Isolde aber den Trank und nimmt den Rest zu sich. Brangäne hat den Todestrank aber mit dem Liebestrank vertauscht.

Im zweiten Akt befindet man sich im gelben Mitteldeck des Schiffs. Brangäne und Isolde habe sich im Abendkleid auf zwei Sitzen bequem gemacht. Tristan eilt herbei und wartet auf ein Zeichen. Isolde gibt ihm das in Form einer verlöschenden Deckenbeleuchtung. Das Duett zwischen Tristan und Isolde gerät so intensiv, dass sie Brangänes Mahnrufe überhören. Brangäne hat in Melot einen Feind Tristans ausgemacht. Dieser bricht nun zusammen mit König Marke und Kurwenal herein. Irritiert schaut Isolde immer wieder an die Decke, wie dort einzelne Lampen ausgehen. König Marke sieht sein Vertrauen in Tristan als seinen Brautwerber betrogen. Tristan fragt nach, ob Isolde bereit sei, ihm in die Nacht zu folgen und führt das Messer Melot gegen sich. Dieser wendet sich und wird mehrfach von Melot mit dem Messer verletzt.

Im letzten Akt befindet man sich im weißen Unterdeck des Schiffes. Der Hirte eher ein Elektriker, der sich um die Neonleuchten kümmert. Kareol, die Burg von Tristans Vätern liegt also im Unterdeck. Tristan liegt in einem Pflegebett, das von einer Eingrenzung umgeben ist. Kurwenal hat Isolde als Heilerin für Tristan gerufen. Mehrfach glaubt dieser nun, Isoldes Schiff zu sehen. Wieder und wieder verwünscht er den Liebestrank. Als nun Isolde endlich ankommt, fährt er das Bett hoch, bricht aber dann vor dem Lager zusammen. Leider stirbt nun Tristan nicht in Isoldes Armen, wie vorgesehen, sondern bleibt am Boden liegen. Nun kommen auch Melot und Marke an. Isolde ist nun selbst ohnmächtig im Pflegebett. Als Brangäne Melot vom Liebestrank berichtet, erwacht Isolde noch mal kurz, nur um sich dann endgültig das Laken über den Kopf zu ziehen. Unter den Klängen von Isoldes Verklärung endet die Oper.

Das Bühnenbild von Marthaler steht und fällt mit der Schiffsparabel. Das mag man nun passend finden, oder wie es eine englisch-sprechende Youtube-Nutzerin bezeichnet, als den worst-Tristan-ever. Marthalers Bühnenbilder leben von Ruhe und Details, da rutscht hier mal ein Hocker über die Bühne, dort flackert mal eine Neonleuchte. Leider beschränkt sich das bei dieser Inszenierung auf weniger Einfälle, als sonst üblich. Das lässt natürlich Raum für die Musik, die entweder als zartes Duett, wie im zweiten Akt oder im Vollformat, wie bei Isoldes Verklärung einher kommt. Die Hauptpersonen, allen voran Kurwenal von Jukka Rasilainen gespielt oder König Marke von Kwangchul Youn, waren sehr gut. Robert Dean Smith wusste sich in der Partie des Tristan zu behaupten und Iréne Theorin als Isolde verdient ebenso Beachtung.

Kritik in der Nürnberger Zeitung: “Tristan und Isolde” in Bayreuth

Von • Gallerien: Kultur, Oper • Tags: tristan und isolde